Heiligtum des Bel Palmyra
Heiligtum des Bel Palmyra

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führen in der syrischen Provinz Deir az-Zor zwei Koalitionen mit entgegengesetzten Zielen Krieg gegen den Islamischen Staat (IS). Es handelt sich dabei um die russisch-iranische Koalition und die durch die USA geführte Koalition mit den Syrian Democratic Forces (SDF), die durch Kurden geführt wird. Mit ihrer Kriegführung will die US-geführte Koalition den IS offensichtlich entlang dem mittleren Euphrat-Tal vernichten. Die russisch-iranische Koalition dürfte aber das weitere Vordringen der US-Koalition in Ost-Syrien verhindern wollen.[1] Dieses Vordringen könnte als eine Gefährdung der Stellung des syrischen Machthabers Assad und des iranischen Machtbereiches, der sich bereits jetzt vom Irak nach Syrien erstreckt, beurteilt werden.

Seit dem 16. September 2017 führen russische Kampfflugzeuge Luftangriffe auf Stellungen der SDF nahe der Stadt Deir az-Zor durch. Am 18. September überschritten Streitkräfte von Assad und der Iraner den Euphrat bei der Stadt Deir az-Zor. Nachdem am 23. September Kampftruppen des SDF Gasförderanlagen von Conoco besetzt hatten, sind diese durch russische und syrische Luftangriffe und mit Artillerieschlägen bombardiert worden.

Die Russen sollen bereits eine Pontonbrücke über den Euphrat nahe der Stadt Deir az-Zor errichtet haben. Offenbar besteht auf russisch-iranischer Seite auch die Absicht, ein Luftverteidigungssystem nahe von Deir az-Zor zu errichten und damit hier den US-geführten Luftkrieg einzuschränken. Zusätzlich könnte die russisch-iranische Koalition, zusammen mit der irakischen Miliz Popular Mobilization Units (PMU), die unter iranischer Führung steht, terrestrische Operationen im Grenzraum Syrien-Irak durchführen.

Mit ihren Operationen dürfte die russisch-iranische Koalition am Ende den Machtbereich von Teheran über den Irak und Syrien bis nach Jordanien erweitern wollen. Welche Ziele könnte Wladimir Putin aber mit seiner einseitigen Unterstützung des schiitischen Irans gegen die sunnitischen Araber des Mittleren Ostens verfolgen? Soll damit weltweit vor allem die Gemeinschaft der Sunniten (Ummah) zugunsten der Schiiten geschwächt werden? Oder will Putin lediglich ein Signal an die Sunniten Russlands setzen und sie vor einem weiteren Separatismus warnen? Am Ende könnte Putin mit seiner Parteinahme für den Iran und seiner Kriegführung allerdings nicht nur zur definitiven Zerstörung von Syrien beitragen, sondern auch den gesamten Mittleren Osten, der schon heute aufgrund der vielen Kriege und Konflikte am Abgrund steht, definitiv destabilisieren.

 

[1] Kozak, Chr., Escalation in Eastern Syria, ISW, Institute for the Study of War, Washington D.C., September 2017.

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