Jalalabad 2004
Jalalabad 2004

Im März 2003 soll der damalige Major General David Petraeus angesichts der andauernden Gewalttaten im Irak die Frage gestellt haben:[1]

«Tell me, how does this war end?»

Bis heute haben drei Präsidenten der USA, George W. Bush jr., Barack Obama und Donald Trump, diese Frage den Irak wie auch Syrien betreffend nicht beantworten können. Nach wie vor sind die USA im Mittleren Osten mit Luftkrieg und Beratern im Einsatz, und nach wie vor ist es den Administrationen in Washington D.C. bis heute nicht gelungen diese Kriege erfolgreich zu beenden. Im Irak wird der Krieg auch nach der definitiven Vertreibung des Islamischen Staates (IS) weitergehen. Bereits heute bereiten sich der Iran, die Türkei und die irakischen Kurden auf die Übernahme der Kontrolle des bis vor kurzem durch den IS beherrschten Territoriums vor. Auch der Krieg in Syrien wird seine Fortsetzung in Auseinandersetzungen zwischen den Alliierten des syrischen Machthabers Assad, Iran und Hisbollah, mit den syrischen Kurden finden. Was den Krieg im Jemen betrifft, so erübrigt sich eine detaillierte Analyse über die Zukunft des Landes. Die jemenitischen Stämme werden durch die direkten und indirekten Einmischungen der Kontrahenten Saudi-Arabien und Iran aufgerieben und vernichtet werden.

Eine ähnliche Prognose trifft auch für den Krieg in Afghanistan zu. Nach dem Beinahe-Abzug der US-Truppen und der Alliierten der USA unter Barack Obama und der kleinen Aufstockung des US-Mannschaftsbestandes unter Donald Trump, wird der Krieg in Afghanistan beinahe endlos weitergehen. Ein Ende dieses Krieges ist nicht in Sicht. Die USA werden, wie die frühere Besatzungsmacht UdSSR, in den Tälern des Hindukush ohne Ergebnis zahlreiche Soldaten und viel Volksvermögen verlieren.

Unter Beachtung früherer Kriege der USA hätte Petraeus seine Frage ausweiten müssen: Wann haben die USA jemals einen Krieg erfolgreich beenden können?. Die Ereignisse in Korea sind ein Beispiel für das Nichtende eines u.a. durch die USA geführten Krieges. Seit 1953 sind die beiden Koreas nur durch eine Waffenstillstandslinie getrennt. Angesichts der nuklearen Drohungen durch Nordkorea wäre ein Wiederausbrechen des Krieges jederzeit denkbar.

Einen anderen Krieg, den die USA nur durch ihren Abzug für sich beenden konnten, war ihr Vietnamkrieg von 1964-73. Bereits Monate nach ihrem Abzug entbrannte der Krieg von Neuem und wurde erst durch die Eroberung von Südvietnam durch Nordvietnam beendet.

Selbst das Ende des Zweiten Weltkrieges war kein eigentliches Kriegsende. Bereits 1946/7 zeichnete sich der Ausbruch des Kalten Krieges zwischen Ost und West ab. Dieser Kalte Krieg könnte heute sogar seine Fortsetzung in einem neuen Kalten Krieg zwischen Russland und den USA finden.

In beinahe allen ihren Kriegen haben sich die jeweiligen Verantwortlichen in Washington D.C. auf die Führung des Krieges konzentriert und die Vorbereitungen auf das Ende des Krieges dabei vernachlässigt.

[1] Cordesman, A.H., Afghanistan, Iraq, Syria, Somalia, and Yemen: Is Half a Strategy better than None?,  CSIS, Washington D.C., September 2017, P. 1.

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