Darulaman-Palast Kabul 2006
Darulaman-Palast Kabul 2006

Vom 12. bis 14. Dezember 1979 wurde in Russland durch den KGB die Operation Kabul vorbereitet.[1] Am 23. Dezember wurde der Einsatz der KGB-Einheit Alpha ausgelöst. Ziel der Operation war die Liquidierung des afghanischen Machthabers Hafizullah Amin im Darulaman-Palast.[2] Am 24. Dezember wurde die Einheit zum sowjetischen Stützpunkt Bagram, nahe von Kabul, geflogen.[3] Mit der Unterstützung eines moslemischen Bataillons der sowjetischen Streitkräfte stiessen die Schützenpanzer der KGB-Einheit zum Palast vor[4] und griffen an.[5] Das geplante Ergebnis der Operation war die Liquidierung von Amin und eines Teils seiner Wachmannschaft sowie seiner Familie. Der Rest der Wachmannschaft wurde gefangen genommen.[6] Allerdings gab es auch auf sowjetischer Seite Verluste. Ab dem 28. Dezember wurde der politische Gegner von Amin, Babrak Karmal, schrittweise durch die sowjetische Führung als neuer Machthaber von Afghanistan eingesetzt.[7]

Ab dem 27. Dezember 1979 erhielten die Botschafter in den kommunistischen Bruderländern sowie die Botschafter in den übrigen Staaten Direktiven betreffend die Rechtfertigungen der Liquidierung von Amin und des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan. Die Bruderländer waren wie folgt zu informieren:[8]

«Ungeachtet dessen, dass das afghanische Volk und seine Streitkräfte während einer schon längeren Zeit standhaft die bewaffnete Intervention imperialistischer und reaktionärer Kräfte abwehren, wachsen die ihm drohenden Gefahren weiter. … Unter Berücksichtigung all dessen und der Bitte der neuen afghanischen Regierung um Hilfe und Unterstützung bei der Abschlagung der äusseren Aggression, hat die Sowjetunion, geleitet von ihrer internationalen Pflicht, den Entschluss gefasst, ein begrenztes Kontingent sowjetischer Streitkräfte nach Afghanistan zu entsenden, welches wieder abgezogen wird, sobald die Gründe entfallen sind, die eine solche Aktion nötig machten.»

Bei der neuen afghanischen Regierung handelte es sich um Babrak Karmal, der soeben durch die UdSSR als neuer Machthaber in Kabul eingesetzt worden war. Entgegen den Verlautbarungen dauerte die Besetzung Afghanistans bis Mitte Februar 1989 und endete mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte.

Interessanterweise weist die verdeckte Intervention und Annexion der Krim-Halbinsel im Februar/März 2014 durch die Russische Föderation verschiedene Gemeinsamkeiten mit der Operation Kabul durch die UdSSR auf. Ähnlich wie im Falle von Kabul wurden während Wochen Angehörige von Spezialeinheiten (SPEZNAZ) auf die Halbinsel eingeschleust. Nachdem diese den Widerstand der ukrainischen Einheiten ausgeschaltet hatten, wurde im Sinne eines Fait-accomplit die politische Macht von Russland auf der Krim gefestigt. Anschliessend erfolgte eine Volksabstimmung, welche den Anschluss der Krim an Russland forderte. Die Zustimmung der beiden russischen Kammern war nur noch eine Farce. Mit Hinweisen auf die russische Mehrheit auf der Krim und die jahrhundertlange Zugehörigkeit der Halbinsel zu Russland wurde anschliessend eine Rechtfertigungskampagne in den internationalen Medien lanciert. Diese Kampagne scheiterte allerdings und Russland wurde durch die EU und die USA mit Sanktionen belegt, die bis heute andauern.

[1] Boltunow, M., Terror Profis, Geschichte der geheimsten KGB Einheit, Sachbuch, Verlag Das Neue Berlin, Berlin, 1994, S. 48.

[2] Boltunow, M., S. 52.

[3] Boltunow, M., S. 58.

[4] Boltunow, M., S. 62.

[5] Boltunow, M., S. 68.

[6] Boltunow, M., S. 81-90.

[7] Boltunow, M., S. 96-101.

[8] Sowjetische Geheimdokumente zum Afghanistankrieg (1978-1991), Allan, P., Bucherer, P., Kläy, D., Stahel, A.A. und J. Stüssi-Lauterburg (Hrsg.), vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich, 1995, S. 132-135.

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