HellebardeDie Umsetzung des Kriegertums als Mittel der Kriegführung von Völkern ist durch historische Beispiele belegt. Aus der Antike ist Sparta mit seiner Armee von Hopliten bekannt. Diese wurden mit äusserster Härte ausgebildet. Die Hopliten-Armee von Sparta erreichte in den Perserkriegen (5. Jahrhundert v. Christus) und im Peloponnesischen Krieg (457-404 v. Chr.)[1]  durch die Bezwingung der Gegner von Sparta ihren Zenith.[2] Die Anführer von Sparta vernachlässigten mit der Zeit die Weiterentwicklung der Kriegstechnik und Taktik ihrer Hopliten. Ihre Hopliten-Armee wurde deshalb durch die Phalanx von Theben besiegt (371 v. Chr.).[3]

Das Kriegertum von Sparta und der griechischen Demokratien kopierten Philipp und Alexander von Mazedonien, allerdings ohne deren demokratischen Kern zu beachten. Mit der Phalanx der Griechen und der mazedonischen Kavallerie besiegte Alexander in den Schlachten von Granicus (334 v. Chr.), Issus (333 v. Chr.) und Gaugamela (331 v. Chr.) die Armeen des persischen Grosskönigs Darius und eroberte dessen Reich.[4] Seine Nachfolger, die despotischen Diadochen, gingen aber schlussendlich unter.

Die Republik Rom übernahm das Kriegertum der demokratisch geführten Griechen und errichtete mit ihren Legionen ein Grossreich. Als Folge der Machtübernahme durch die Cäsaren, der inneren Dekadenz und des Ansturms der Völkerwanderung ging Westrom 476 n.Chr. unter. Die durch die Germanenfürsten auf weströmischem Gebiet begründeten Reiche waren nicht von langer Dauer. Sie zerfielen unter der Führung von Despoten und wurden durch die Heere des oströmischen Kaisers Justinian erobert. Ostrom mit seiner Hauptstadt Konstantinopel bezwangen die Osmanen 1453 dank ihrer Artillerieüberlegenheit.[5]

Die Tradition des Kriegertums im Westen wurde zuerst durch die fränkische Dynastie der Merowinger und später durch Karl den Grossen, der 800 n. Chr. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, wiederentdeckt.[6] Nach dessen Tod wurde sein Reich an der Nord- und Westgrenze aber durch den Ansturm der Wikinger erschüttert. Die Kriegszüge der Wikinger wurden durch gewählte Anführer geführt. Das Zeitalter der Wikinger und deren Kriegertum dauerte von 793 bis 1241. Die Seeangriffe auf Friesland, das heutige Holland und Frankreich, England, Schottland und Irland dienten der Erbeutung von Schätzen und Sklaven. Mit Ausnahme ihrer demokratisch geführten Kolonien in Island und auf den atlantischen Inseln von Orkney, Shetland und der Färöer verloren die Wikinger am Ende aber alle ihre Eroberungen in England, Schottland und Irland. Die Reiche der schwedischen Waräger in Russland und der Ukraine wurden durch die Slawen assimiliert. Bis zur Gründung der Königreiche von Dänemark, Norwegen und Schweden blieb die Wikinger-Tradition des Kriegertums in Skandinavien erhalten. Die Errichtung dieser Königreiche beendete das Kriegertum der Wikinger.[7]

Eine Renaissance erlebte das demokratisch bestimmte Kriegertum in Europa durch die Feldzüge der Alten Eidgenossen.[8] Ab Gründung der Alten Eidgenossenschaft bis zum Beginn der norditalienischen Kriegszüge (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) überrannten die Eidgenossen mit der Infanterietaktik ihrer Gewalthaufen und ihrer Kampfformationen von bis zu 50 Gliedern die berittene Gegnerschaft. Vorne kämpften die Pikeniere mit 5 Meter langen Spiessen, dann die Hellebardenträger und die Schwertkämpfer mit den Zweihändern. Angriffstaktik und Kriegertum hielten die Eidgenossen beinahe bis zum Ende der Fremde Dienste, 1792/1859, aufrecht.

Bewaffnung und Taktik der Eidgenossen kopierten die deutschen Landsknechte. Deren Kampfformationen gründete Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Die Landsknechte entwickelten Bewaffnung und Taktik der Eidgenossen weiter.[9]

In den europäischen Kriegen des 17. bis 19. Jahrhunderts versuchten viele Monarchen und Kriegsherren das Kriegertum wieder zu beleben. Zu diesen gehörten Gustav Adolph II. von Schweden (1594-1632), Albrecht von Wallenstein (1583-1634), Oliver Cromwell (1599-1658), Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715), Karl XII. von Schweden (1682-1718), Friedrich II. von Preussen (1713-1786) und Napoleon Bonaparte (1769-1821).[10] Da sie aber alle die demokratische Tradition des Kriegertums nicht beachteten, scheiterten sie mit ihren Versuchen.

Auch im 20. Jahrhundert ist es keinem Staat, mit Ausnahme der Schweiz, gelungen, das Kriegertum als Mittel der Kriegführung eines demokratisch regierten Volkes wiedereinzuführen. Die Geschichte der Alten Eidgenossenschaft lässt aber erkennen, dass ein Volk, das sein Kriegertum vernachlässigt, sich bald einer fremden Herrschaft unterwerfen und damit untergehen wird.

 

[1] The Timechart of Military History, Foreword by David G. Chandler, Prospero Books, Rickmansworth, England, 1999, P. 26.

[2] Warry, J., Warfare in the Classical World, a Salamander book, London, 1980, P. 46/7.

[3] Warry, J., P. 60.

[4] Warry, J., P. 76 und 80.

[5] Warry, J., P. 216.

So auch The Timechart of Military History, P. 33.

[6] Warry, J., P. 216/217.

So auch Funcken, L. and Funcken, Historische Waffen und Rüstungen, Ritter und Landsknechte vom 8. bis 16. Jahrhundert, Weltbild GmbH, Augsburg, S. 160-172.

[7] Haywood, J., North Men, The Viking Saga 793-1241, Head of Zeus Ltd, Clerkenwell House, London, 2015.

[8] Koch, H.W., Mediewal Warfare, Crescent Books, New York, 1978, P. 188-191.

[9] Koch, H.W., P. 191-199.

[10] Chandler, D.G., Atlas of Military Strategy, The art, theory and practice of war, 1618-1878. Arms & Armour Press, London and Melbourne, 1980.

So auch Dupuy, T.N., Johnson, C. and D.L. Bongard, The Harper Encyclopedia of Military Biography, Castle BookS, New York, 1995.