Der Panzer der Saur-Revolution
Der Panzer der Saur-Revolution

In zunehmendem Masse nehmen die Verantwortlichen in Washington D.C. zur Kenntnis, dass die politische und militärische Lage in Afghanistan katastrophal ist. Verursacht durch diese Lage wird in der Trump-Administration wie auch im Kongress über die Aufstockung des Bestandes der US-Truppen in Afghanistan diskutiert. Den zuständigen Behörden in den USA dürfte heute bewusst sein, dass die Obama-Strategie mit der Afghanisierung des Krieges und damit der Übertragung der Kriegführung an die afghanischen Sicherheitskräfte, begleitet vom schrittweisen Abzug der Amerikaner und ihrer Alliierten, gescheitert ist. Werden jetzt keine Gegenmassnehmen ergriffen, dann dürfte das Land im Chaos versinken und den Amerikanern und ihren Alliierten wird – wie damals in Vietnam – nichts anderes als der vollständige Abzug übrigbleiben.

Der Gründer der früheren Private Military Company Blackwater, Erik D. Prince, hat in einem Beitrag als Alternative zur heutigen Lage und damit zum vollständigen Abzug die Einsetzung eines amerikanischen Militärdiktators in Afghanistan vorgeschlagen.[1] Wie im Falle von General MacArthur, der als amerikanischer Vizekönig und damit Shogun von 1945 bis 1951 uneingeschränkt über Japan herrschte, sollte dieser Militärdiktator von der Regierung in Washington D.C. mit allen Kompetenzen ausgerüstet werden. Dieser Militärdiktator wäre befugt, nicht nur die afghanische Regierung engmaschig zu kontrollieren, sondern auch afghanische Minister nach Bedarf ein- oder abzusetzen. Mit allen Vollmachten ausgerüstet könnte der Militärdiktator alle notwendigen Mittel und Truppen gegen die Feinde der Regierung von Kabul einsetzen, so die Taliban und den Islamischen Staat in Afghanistan (Provinz Khorasan), mit dem Ziel, sie rücksichtslos und damit endgültig zu vernichten. Gleichzeitig würde die Volkswirtschaft des Landes einschliesslich des Steuersystems modernisiert – wie seinerzeit in Japan – mit dem Ziel, sie dem Stand der USA anzugleichen.

Paradox an diesem Vorschlag ist die Tatsache, dass Afghanistan in der Person des Paschtunen Najibullah in neuerer Zeit bereits einen solchen Diktator hatte. Er herrschte als von der UdSSR eingesetzter Präsident von 1986 bis 1992 uneingeschränkt über Afghanistan. Mit allen Mitteln versuchte er nicht nur das Land zu modernisieren, sondern auch die gegnerischen Mujaheddin mit politischen Angeboten zu einem Waffenstillstand zu nötigen. Sein Druckmittel dazu war die damalige afghanische Armee, deren Kampfkraft jener der heutigen ANA (Afghan National Army), die von den USA und ihren Alliierten ausgerüstet und ausgebildet worden ist, eindeutig überlegen war. Die Offiziere und Soldaten Najibullahs afghanischer Armee waren diszipliniert und wiesen eine hohe Einsatzbereitschaft auf. Die USA haben aber bis 1992 alles darangesetzt, die Stellung von Präsident Najibullah zu untergraben und ihn zu stürzen. 1996 wurde er im UN-Stützpunkt – er war nach seinem Sturz dort interniert worden – von den Taliban, die gerade Kabul eroberten, brutal ermordet. Blut, Leid, die tyrannische Herrschaft der Taliban bis 2001 und der anschliessende Krieg wären Afghanistan vermutlich erspart geblieben, wenn Najibullah nicht mit US-Hilfe gestürzt worden wäre.

[1] Prince, E.D., The MacArthur Model for Afghanistan, in: The Wall Street Journal, June 2-4, 2017, P. A11.

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