Luft-Boden-Lenkwaffe SLAM-ER
Luft-Boden-Lenkwaffe SLAM-ER

Die Seestreitkräfte der USA heute

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben beinahe alle US-Administrationen in der Regel bis zu drei Trägerkampfgruppen der USA im Mittleren Osten und im Pazifik stationiert. Eine Ausnahme war die Obama-Administration, die aufgrund ihrer Befürchtung, den Iran und China zu provozieren, am Ende ihrer Amtszeit beinahe alle Flugzeugträger in die Heimathäfen der USA zurückzog.[1]

Die Seemacht der USA beruht auf einer eindrücklichen Streitmacht an Kriegsschiffen:[2]

  • 14 nuklearangetriebene Ohio U-Boote (SSBN, Nuclear-Powered Ballistic Submarine(s))[3] (Einsatzverdrängung 16’764-18’750 Tonnen)[4] mit je 24 ballistischen Flugkörpern Trident D-5 (SLBM, Submarine-Launched Ballistic Missile(s))[5];
  • 46 nuklearangetriebene Marschflugkörper-U-Boote (SSGN, Nuclear-Powered Cruise Missile Submarine(s)) der Ohio-, Los Angeles- und Virginia-Klassen mit seegestützten Marschflugkörpern (SLCM, Sea-Launched Cruise Missile(s))[6] Tomahawk LACM;
  • 8 nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote (SSN, Nuclear-Powered Attack Submarine(s))[7] der Los Angeles– und Seawolf-Klassen (Einsatzverdrängung 6’080-12’139 Tonnen)[8];
  • 10 nuklearangetriebene Flugzeugträger (CVN, Nuclear-Powered Aircraft Carrier(s))[9] der Nimitz-Klasse (Einsatzverdrängung 80’753-104’242 Tonnen, mit 53+ Kampfflugzeugen)[10];
  • 22 nuklearangetriebene Lenkwaffen-Kreuzer (CGN, (Nuclear-Powered Guided-Missile Cruiser(s))[11] der Ticonderoga-Klasse (Einsatzverdrängung 6’997-10’010 Tonnen);
  • 63 Lenkwaffen-Zerstörer (DDG, Guided-Missile Destroyer(s))[12] der Zumwalt (Einsatzverdrängung 15’482 Tonnen) – [13] und der Arleigh Burke-Klasse (Einsatzverdrängung 6’731-9’515 Tonnen)[14];
  • 8 Fregatten (FFG, Guided-Missile Frigate(s))[15] (Einsatzverdrängung 3’101-3’204 Tonnen)[16];
  • 57 Patrouillen- und Küstenschiffe/-boote;
  • 11 Minenverlegungs- und -räumungsboote;
  • 2 Kommandoschiffe der Blue Ridge-Klasse für die amphibische Kriegführung (Einsatzverdrängung 13’038 Tonnen)[17];
  • 1 Helikopterträger für die amphibische Kriegführung der America-Klasse (LHA, Amphibious Warfare Helicopter Carrier(s), Einsatzverdrängung 44’971 Tonnen) und 8 Träger der Wasp-Klasse (LHD, Helicopter/Dock Landing Ship(s), Einsatzverdrängung 27’565-28’295 Tonnen)[18];
  • 10 amphibische Transportschiffe der San Antonio-Klasse (LPD, Amphibious Transport (s)-, Dock, Einsatzverdrängung 19’208-25’883 Tonnen) und 12 amphibische Landungsschiffe (LSD, Dock Landing Ship(s), (Einsatzverdrängung 11’099-16’568 Tonnen)[19] der Harpers Ferry– und Whidbey Island-Klassen;
  • 245 Landungsboote;
  • 22 Schiffe für die Logistik und die Versorgung.

Unter der Trump-Administration sind wieder ein Flugzeugträger mit Begleitschiffen und U-Booten im Persischen Golf und zwei Trägerkampfkampfgruppen im Westlichen Pazifik im Einsatz. Die übrigen Träger sind entweder in den Heimathäfen in den USA stationiert oder zur Überholung in den Docks. Mit diesen drei Trägerkampfgruppen betreibt die Trump-Administration wieder die Abschreckungspolitik früherer Administrationen.

Russlands Seestreitkräfte: Heute und 2020

Im Gegensatz zu den Jahrzehnten nach dem Kalten Krieg sind die USA in der Gegenwart mit den maritimen Herausforderungen durch Russland und China konfrontiert. Die Seestreitkräfte der Russischen Föderation sind in vier Flotten organisiert:

  • Nordflotte
  • Pazifikflotte
  • Baltische Flotte
  • Flottille auf dem Kaspischen Meer.

An Mitteln verfügen die russischen Seestreitkräfte über:[20]

  • 13 nuklearangetriebene U-Boote (SSBN) für U-Boot-gestützte ballistische Flugkörper (SLBM) (so 1 bis 3 SSBN der TyphoonAkula-Klasse, Einsatzverdrängung 23’200-33’800 Tonnen)[21];
  • 9 nuklearangetriebene Marschflugkörper-U-Boote (SSGN) für seegestützte Marschflugkörper (SLCM) (so 8 SSGN der Oscar-II/Antey-II-Klasse, Einsatzverdrängung 14’700-19’400 Tonnen)[22];
  • 17 nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote (SSN);
  • 23 dieselelektrische Angriffs-U-Boote (SS, Diesel-Powered Attack Submarine(s))[23];
  • 1 Flugzeugträger Kuznetsov der Orel-Klasse (CVG, Guided-Missile Aircraft Carriers, Einsatzverdrängung 43’000-55’000 Tonnen)[24];
  • 2 nuklearangetriebene Lenkwaffenkreuzer der Kirov-/Orlan-Klasse (CGN, Nuclear-Powered Guided-Missile Cruiser(s), Einsatzverdrängung 24’300-24’500 Tonnen)[25];
  • 3 Lenkwaffenkreuzer der SlavaAtlant-Klasse (CG, Guided-Missile Cruiser(s), Einsatzverdrängung 9’380-11’490 Tonnen)[26];
  • 15 Lenkwaffen-Zerstörer (DDG, Guided-Missile Destroyer(s));
  • 12 Lenkwaffen-Fregatten (FFG, Guided-Missile Frigate(s));
  • 95 Patrouillen- und Küstenkriegsschiffe;
  • 45 Minenverlegungs- und -räumungsboote;
  • 19 amphibische Landungsschiffe;
  • 28 amphibische Landungsboote;
  • 269 Schiffe für die Logistik und Versorgung.

Gemäss dem russischen Rüstungsprogramm für die Zeitperiode 2011-2020 sollen die russischen Seestreitkräfte bis 2020 folgende neue Waffensysteme erhalten:[27]

  • 8 nuklearangetriebene SSBN-U-Boote;
  • 7 nuklearangetriebene Marschflugkörper- und Angriffs-U-Boote (SSGN/SSN);
  • 6-10 dieselelektrische Angriffs-U-Boote (SS);
  • 50 Lenkwaffen-Fregatten u.a..

Die Grosskampfschiffe (CVG, CGN, CG, DDG) sollen modernisiert und erhalten bleiben. Das Rüstungsprogramm wie auch die Erhaltung der bisherigen Grosskampfschiffe weisen darauf hin, dass Russland im nächsten Jahrzehnt vor allem eine Strategie des Schutzes seiner Küsten betreiben wird. Wie zur Zeit des Kalten Krieges könnten die nuklearangetriebenen Marschflugkörper- und Angriffs-U-Boote allerdings auch für die Unterbrechung der Nachschublinien der NATO über den Atlantik vorgesehen sein. Die nuklearangetriebenen SSBN-U-Boote werden Teil des nuklearstrategischen Abschreckungspotentials Russlands sein.

 

Chinas Vorstoss in den Westlichen Pazifik

Die Seestreitkräfte der Volksrepublik China sind auf drei Flotten verteilt:

Nordseeflotte, Ostseeflotte und Südseeflotte.[28]

Gemäss dem Military Balance 2017 und neueren Hinweisen soll China über folgende Kriegsschiffe verfügen:[29]

  • 4 nuklearangetriebene SSBN-U-Boote der Xia– und der Jin-Klasse (SSBN, Einsatzverdrängung 7’000-9’000 Tonnen)[30];
  • 5 nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote der Shang– und der Han-Klasse (SSN, Einsatzverdrängung 6’100/5’500 Tonnen)[31];
  • 47 dieselelektrische Angriffs-U-Boote der Yuan– und der Kilo-Klasse (SS, Einsatzverdrängung 2’000-3’076 Tonnen)[32];
  • 1 Flugzeugträger (Ex-Träger der Orel-/Kuznetsov-Klasse, CV, Aircraft Carrier(s), Einsatzverdrängung 43’000-59’100 Tonnen)[33];
  • 21 Lenkwaffen-Zerstörer (DDG);
  • 57 Lenkwaffenfregatten (FFG);
  • 207 Patrouillen- und Küstenkriegsschiffe;
  • 41 Minenräumungs- und -verlegungsboote;
  • 1 amphibisches Transportschiff (LPD);
  • 52 amphibische Landungsschiffe;
  • 84 amphibische Landungsboote;
  • 180 Schiffe für die Logistik und die Versorgung.

Genaue Angaben über den weiteren Ausbau der chinesischen Seestreitkräfte sind nicht verfügbar. Allerdings weist die Kiellegung eines selbst gebauten Flugzeugträgers daraufhin, dass China durch die Einführung neuer Kriegsschiffe zu einer wirklichen Seemacht im Westlichen Pazifik werden will und damit die Vorherrschaft im Süd- wie auch im Ostchinesischen Meer erlangen will.

Zukunft der Seemacht USA

Zwecks Begegnung der Herausforderungen durch die Seestreitkräfte Russlands und Chinas sollte gemäss dem Center for Strategic und Budgetary Assessments die U.S. Navy neu strukturiert und zu einer Seemacht mit 340 Kriegsschiffen werden.[34] Bis anhin gab es für drei Trägerkampfgruppen der U.S. Navy die zwei Schwerpunkte Persischer Golf und Pazifik. Diese Trägerkampfgruppen dienten sowohl der Abschreckung von Herausforderern wie auch Einsätzen in regionalen Kriegen. Neu sollten die beiden Aufträge Abschreckung und Kriegführung eindeutig voneinander getrennt werden. Dies betrifft insbesondere das «Indo-Asia-Pacific» Theater (einschliesslich Mittlerer Osten). Die Konsequenz der Trennung der beiden Aufträge wäre die Aufteilung der Flotten in eine «Deterrence Force» für die Abschreckung allfälliger Herausforderer und eine «Maneuver Force» für die Unterstützung einer Deterrence Force im Kriegsfall. Eine solche Aufteilung sollte bis 2030 erfolgen.[35]

Da die nuklearangetriebenen Flugzeugträger – ihre Zahl sollte auf 12 erhöht werden[36] – vor allem zu einer Maneuver Force gehören würden, müssten zwecks Abschreckungswirkung die Deterrence Forces im Mittelmeer, im Persischen Golf, im Indischen Ozean und im Westlichen Pazifik auch über eine Offensivkapazität verfügen. Zu diesem Zweck müssten die Helikopterträger (LHA/LHD) entweder zu kleinen Flugzeugträgern (CVL, Light Aircraft Carrier(s)) umgerüstet oder durch solche ersetzt werden.[37] Ausgerüstet mit Katapulten würden die CVL den Einsatz von Kampfflugzeugen und Kampfdrohnen (UCAV, Unmanned Combat Aerial Vehicle(s)) ermöglichen.[38] Neben diesen CVL sollten die Deterrence Forces auch über grosse Drohnen für die Überwasserkriegführung (XLUSV, Extra-Large Unmanned Surface Vehicle(s)) und die Unterwasserkriegführung (XLUUV, Extra-Large Unmanned Underwater Vehicle(s)) verfügen.[39] Boeing hat mit dem Echo Voyager bereits ein XLUUV entwickelt.[40] Dieses weist einen Durchmesser von 2 Metern, eine Länge von über 9 Metern auf und kann für die Kriegführung unter Wasser eine ganze Reihe von Waffensystemen wie Kampfdrohnen (UAV) und Minen mitführen. Im Prinzip handelt es um ein unbemanntes U-Boot mit einer Einsatzdauer von mehr als 6 Monaten und einer Einsatzreichweite von 2’780 km.[41]

Das vorgeschlagene Aufrüstungsprogramm sollte in den nächsten Jahrzehnten zu einer grösseren Seestreitmacht führen:[42]

12 CVN, 10 CVL, 3 DDG-1000 (eine neue Klasse von Zerstörern), 71 DDG, 71 FFG, 42 Patrouillenboote, 66 SSN, 12 SSBN, 29 kleine amphibische Landungsschiffe (LPD, LX(R)).

Diese neue Flotte sollte neben Schiffen für die Logistik und Versorgung mit 40 XLUSV und 40 XLUUV für die Kriegführung über und unter Wasser ausgerüstet werden. Die gesamte Seestreitmacht würde 340 Kriegsschiffe umfassen. Mit dieser neuen Streitmacht sollten die USA gegenüber den beiden Herausforderern Russland und China wieder eine unumschränkte Seapower auf den Weltmeeren ausüben können.

Folgerungen für die Zukunft

Für die Umsetzung der vorgeschlagenen Aufrüstung und Errichtung der neuen Flottenstruktur müssten einige neue Kriegsschiffe, unbemannte Systeme, Waffensysteme und Sensoren entwickelt und in Dienst gestellt werden. Neben der Bestandserhöhung der Flotte an nuklearangetriebenen Flugzeugträgern (CVN) und der Angriffs-U-Boote (SSN), müssten insbesondere die 10 kleinen Flugzeugträger und verschiedene unbemannte Systeme und Präzisionswaffen entwickelt und in Dienst gestellt werden. Zu den Letzteren würden neben weiterentwickelten Marschflugkörpern Tomahawk auch Lenkwaffen des Typs SLAM-ER für den Einsatz durch trägergestützte Kampfflugzeuge gehören. Mit diesem Lenkwaffentyp können auf einer Reichweite von 280 km gehärtete Landziele ausgeschaltet werden.[43]

Für die Umsetzung des vorgeschlagenen Programms rechnen die Autoren mit einem Aufwand von US-$23.2 Milliarden im Durchschnitt pro Jahr. Dies wäre verglichen mit den bisher budgetierten Kosten von US-$19.7 Milliarden pro Jahr ein Mehraufwand von 18 Prozent.[44] Ob der Kongress angesichts der bisher verfolgten Sparpolitik und Steuersenkungen einer solchen massiven Steigerung der Ausgaben für die U.S. Navy zustimmen würde, ist alles andere als sicher. Abgesehen davon werden die USA auch mit einer grösseren Seestreitmacht in Zukunft mit den Herausforderungen durch Russland und China auf den Weltmeeren konfrontiert sein. Diese Herausforderungen und ihr Ausgang werden die zukünftige geopolitische Lage auf dieser Welt bestimmen.

 

[1] Lubold, G., Military to Build U.S. Presence In Asia, in: The Wall Street Journal, May 8, 2017, P. A3.

[2] The Military Balance 2017, The International Institute for Strategic Studies, London, 2017, P. 48/49.

[3] Stahel, A.A., USA-UdSSR Nuklearkrieg?, Die Arsenale der beiden Supermächte 1945-1982, Verlage Huber, Frauenfeld, 1983, S. 138.

[4]  Wertheim, E., Combat Fleets of the World, Their Ships, Aircraft, and Systems, 16th Edition, Naval Institute Press, Annapolis, P. 843.

[5] Stahel, A.A., S. 137.

[6] Stahel, A.A., S. 137/138.

[7] Stahel, A.A., S. 138.

[8] Wertheim, E., P. 845-848.

[9] Clark, B., Haynes, P., McGrath, N., Hooper, G., Sloman, J. and T.A. Walton, Restoring American Seapower, A New Fleet Architecture fot the United States Navy, CSBA, Center for Strategic and Budgetary Assessments, Washington, D.C., January 23, 2017, P. 135.

[10] Wertheim, E., P. 832.

[11] Wertheim, E., P. 848/849.

[12] Clark, B., et al, P. 135.

[13] Wertheim, E., P. 849/850.

[14] Wertheim, E., P. 850-854.

[15] Clark, B., et al, P. 135.

[16] Wertheim, E., P. 954-856.

[17] Wertheim, E., P. 863.

[18] Wertheim, E., P. 863-866.

[19] Wertheim, E., P. 866-869.

[20] The Military Balance 2017, P. 213-215.

So auch Wertheim, E., P. 564-643.

[21] Wertheim, E., P. 578.

[22] Wertheim, E., P. 579.

[23] The Military Balance 2017, P. 574.

[24] Wertheim, E., P. 573/574.

[25] Wertheim, E., P. 586-588.

[26] Wertheim, E., P. 588/589.

[27] The Military Balance 2017, P. 195.

[28] The Military Balance 2017, P. 281.

[29] The Military Balance 2017, P. 281-283.

So auch China’s Navy Takes a Bow, Assessments, Washington, D.C., May 4, 2017.

So auch Wertheim, E., P. 104-138.

[30] Wertheim, E., P. 109.

[31] Wertheim, E., P. 109/110.

[32] Wertheim, E., P. 110-114.

[33] Wertheim, E., P. 108.

[34] Clark, B., et al, P. 44ff and 110/111.

[35] Clark, B., et al, P. 44.

[36] Clark, B., et al, P. 71,

[37] Clark, B., et al, P. 49ff and 96ff.

[38] Clark, B., et al, P. 98.

[39] Clark, B., et al, P. 54-65.

[40] Clark, B., et al, P. 74.

[41] Clark, B., at al, P. 74/75.

[42] Clark, B., et al, P. 110/111.

[43] Wertheim, E., P. 823.

[44] Clark, B., et al, P. 111.

Print Friendly, PDF & Email