Die Anwesenheit einer grossen Zahl palästinensischer Flüchtlinge in libanesischen Lagern ist die Folge zweier grösserer Kriege:

  • dem israelisch-arabischen Krieg von 1948/49
  • dem Sechstagekrieg von 1967 und den nachfolgenden kriegerischen Ereignissen von 1969 im Libanon

Bereits 1969 wurde die Zahl die Palästinenser im Libanon auf 400’000 geschätzt.[1] Die Tatsache, dass es diesen Flüchtlingen bis heute untersagt ist, Arbeit anzunehmen, und dass sie die libanesische Staatsbürgerschaft nicht erwerben können, verunmöglicht bis anhin ihre Integration im Libanon, die vermutlich auch nicht gewollt ist. Sie sind bis heute Fremde im Libanon geblieben. Des Weiteren trug die Anwesenheit der bewaffneten Palästinenser der PLO bis 1982 immer wieder zur Destabilisierung des Libanons bei. Im Bürgerkrieg von 1976 bis 1991 wurden sie durch libanesische Milizen entweder bekämpft oder als willkommene Alliierte im Krieg gegen feindliche Milizen umworben. Der Libanon wurde gleichzeitig auch durch die Anschläge der PLO auf israelisches Gebiet, die Vergeltungsschläge Israels auslösten, in Mitleidenschaft gezogen.

Seit dem erzwungenen Rückzug der PLO-Streitkräfte1982 aus dem Libanon und ihrer Neutralisierung durch die israelische Armee sind die Palästinenser im Libanon kein entscheidender Machtfaktor mehr. Ihre Lager sind heute Brutstätten der Armut und der Kriminalität, und die Palästinenser selbst werden insbesondere durch sunnitische Milizen für deren Zwecke missbraucht. Der eigentliche Machtfaktor im Libanon sind heute die Streitkräfte der schiitischen Hisbollah.

Nach dem Rückzug der PLO-Streitkräfte wurden am 18. September 1982 wehrlose Zivilisten und Kinder in den palästinensischen Lagern von Sabra und Shatilla durch die Milizionäre der Phalangen aus Rache für die Ermordung ihres Anführers Bashir Gemayel massakriert. Dabei sollen 1’000 bis 2’000 Menschen (Frauen, Kinder und Männer) getötet worden sein.[2] Bis heute ist die Rolle der israelischen Streitkräfte, die zu diesem Zeitpunkt West- und Süd-Beirut kontrollierten, unklar geblieben. An diesen Tag wird jedes Jahr in Sabra und Shatilla dem Massaker gedacht. Das menschenunwürdige Leben in diesen, aber auch in anderen Lagern, ist ein Hohn gegenüber der Menschlichkeit. Dass die Palästinenser im Libanon von einer Rückkehr in ihr Palästina träumen, kann ihnen angesichts dieses menschunwürdigen Lebens niemand verwehren. Ohne diesen Traum würde ihnen nur das blosse Vegetieren übrigbleiben.

[1] Lee, J., Lebanon, Footprint Handbook, Bath, 2011, P. 264.

[2] Lee, J., P. 266.

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