Libanon 2011
Libanon 2011

1979 unterstützte die Islamische Republik Iran die Gründung der schiitischen Organisation Hisbollah von Scheich Muhammed Hussein Fadlallah im Libanon. Offiziell verkündete die Hisbollah als ihr Ziel die Errichtung einer Islamischen Republik Libanon entsprechend dem iranischen Beispiel. In Tat und Wahrheit wollte der Iran schon damals mit Hilfe der Hisbollah seinen machtpolitischen Einfluss in der Levante vergrössern.[1] Junge Mitglieder der Organisation sollten zu Selbstmord- und Kommandoaktionen gegen die Feinde des Islams befähigt werden. Für deren Ausbildung wurden Lager in der Bekaa-Ebene errichtet. In kurzer Zeit führte die Hisbollah spektakuläre Anschläge durch:[2]

18.04.1983 Autobombe gegen die US-Botschaft in Beirut: 49 Tote und 120 Verletzte
23.10.1983 Selbstmordaktion gegen das Hauptquartier des US Marine Corps in Beirut: 241 Tote und mehr als 50 Verletzte
23.10.1983 Selbstmordaktion mit Autobombe gegen das Hauptquartier der französischen Truppen in Beirut: 56 Tote
04.11.1983 Autobombe gegen das Hauptquartier der israelischen Streitkräfte in Tyre, Südlibanon: 80 Tote
10.03.1985 Autobombe im südlibanesischen Grenzgebiet zu Israel: 12 tote israelische Soldaten, 20 Verwundete

Diese Serie von Anschlägen wurde fortgesetzt. Sie fand schlussendlich ihren Höhepunkt im Krieg zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee im Südlibanon 2006. Israel unterstützte den Bodenangriff seiner Landstreitkräfte durch Luftschläge gegen das Hauptquartier der Hisbollah in Beirut. Während die Hisbollah den israelischen Luftschlägen nichts entgegen zu setzen hatte, konnten ihre Streitkräfte dank einem ausgeklügelten Verteidigungssystem, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schweizerischen System vor 2001 aufwies, dem terrestrischen Angriff der Israeli standhalten. Diese wurden im Verteidigungssystem der Hisbollah regelrecht abgenützt.

Die Hisbollah konnte dank den finanziellen Zuwendungen der Islamischen Republik Iran sehr schnell wieder aufrüsten und die in Beirut erlittenen Schäden beheben. 2011 waren keine Auswirkungen der israelischen Luftangriffe in Beirut mehr sichtbar. Die Hisbollah war in Libanon zum massgebenden Machtfaktor und zur Schutzmacht der libanesischen Christen geworden. Ab 2007 bestimmte die Hisbollah die Kampfkraft der libanesischen Streitkräfte.

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien 2011 ist die Hisbollah zum entscheidenden Machtfaktor im Nachbarland geworden. Ohne die Söldner der Hisbollah hätte Assad den Krieg schon längst verloren. Die Kampfkraft der Hisbollah in Syrien wird auf 4’000 bis 8’000 Söldner geschätzt.[3] Die Kommandanten der Hisbollah sollen auch den Angriffsplan der syrischen, iranischen, libanesischen und afghanischen Streitkräfte auf Aleppo konzipiert haben.[4] Dank der im syrischen Bürgerkrieg gewonnen Kriegserfahrungen dürfte die Hisbollah heute zum wichtigen Akteur in der Levante mutiert sein. Die israelischen Streitkräfte werden in einem zukünftigen Krieg mit der Hisbollah, angeführt von Hassan Nasrallah, einem kriegserprobten Gegner gegenüberstehen.

 

[1] Stahel, A.A., Terrorismus und Marxismus, Marxistisch-Leninistische Konzeptionen des Terrorismus und der Revolution, ASMZ, Huber u. Co. AG, Frauenfeld, 1987, S. 151/152.

[2] Stahel, A. A., S. 151/152.

[3] The Military Balance 2017, The International Institute for Strategic Studies, London, 2017, P. 407.

So auch Humud, C.E., Blanchard, Chr.M. and M.B.D. Nikitin, Armed Conflict in Syria: Overview and U.S. Response, Congressional Research Service, Washington, D.C., January 6, 2017, P. 38.

[4] Abi-Habib, M., Syria War’s Winner: Hezbollah, in The Wall Street Journal, April 3, 2017, P. A1/A8.