Golf von Thailand
Golf von Thailand

Seit Ende 2013 hat China mit der Aufschüttung von Riffen des Spratley-Archipels im Südchinesischen Meer zu künstlichen Inseln angefangen und errichtet auf diesen militärische Stützpunkte. Diese Stützpunkte, mittlerweile sollen es mehrere sein, verfügen über Landebahnen und Häfen und sind teilweise bereits gegen Luftangriffe durch Fliegerabwehrlenkwaffenstellungen geschützt. Da auch die Philippinen, Indonesien, Malaysia, Vietnam und Brunei einzelne Riffe und Inseln des Spratley-Archipels für sich beanspruchen, ist das Vordringen Chinas ins Südchinesische Meer nicht unbemerkt geblieben. Mit dem Bau der Stützpunkte will die Volksrepublik offenbar ihren Anspruch auf die Herrschaft über das gesamte Südchinesische Meer demonstrieren. Kann China diesen Herrschaftsanspruch unwidersprochen durchsetzen, dann verfügt Beijing im Frieden wie auch im Krieg über die Fähigkeit, die Seeverbindungen von der Malakkastrasse nach Taiwan, Japan und Korea zu kontrollieren und jederzeit auch zu unterbrechen. Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch von Taiwan, Japan und Südkorea wäre in einem solchen Fall absehbar. Der territoriale Anspruch von China über das Südchinesische Meer wird aufgrund der territorialen Ausdehnung als Kuhzunge bezeichnet.

Die einzige Macht, die dem Anspruch Chinas auf das Südchinesische Meer entgegentreten könnte, sind die USA. Nur die USA können mit ihren Trägerkampfgruppen das chinesische Vordringen behindern und evtl. gar unterbinden. Trotz der Verkündigung einer Neuorientierung der US-Strategie in Bezug auf Asien und den Pazifik durch die frühere Aussenministerin Hillary Clinton hat die Obama-Administration gegenüber dem chinesischen Vordringen und den Ansprüchen Chinas nichts unternommen. Obama fürchtete sich offenbar, Beijing zu provozieren. Diese Untätigkeit wurde in Asien als Schwäche der USA und als deren machtpolitischen Niedergang interpretiert. Nur so können die Freundschaftserklärungen des philippinischen Präsidenten Duarte an Beijing interpretiert werden. Offenbar will die neue Trump-Administration aber gegenüber China wieder aktiv werden. Bereits jetzt ist eine Trägerkampfkampfgruppe in den Westlichen Pazifik abkommandiert worden.

Wenig bekannt ist, dass China auch auf Inseln und Riffen des weiter nördlich gelegenen Paracel-Archipels Stützpunkte errichtet hat. Mittlerweile soll China zwanzig dieser Aussenposten besetzt haben. Auch hier hat Beijing Häfen und Helikopterlandeplätze, die durch Fliegerabwehrlenkwaffen HQ-9 gegenüber Luftangriffen geschützt sind, errichten lassen.[1] Auf Woody-Island, das Teil des Paracel-Archipels ist, soll die Volksrepublik Marschflugkörperstellungen für den Einsatz gegen Schiffe stationiert haben.[2] Der einzige andere Staat, der auch einzelne Inseln und Riffe dieses Archipels für sich beansprucht, ist Vietnam. Bis zum Ende des Vietnamkrieges von 1964-73/75 hielt das damalige Südvietnam auf einzelnen Inseln des Paracel-Archipels Garnisonen. Von diesen Inseln wurden die Vietnamesen durch die Chinesen vertrieben.

Die Kuhzunge ist ein zentraler Teil der Seestrategie Chinas im Westlichen Pazifik. Mit der Herrschaft über die Kuhzunge will Beijing die Vorherrschaft Chinas über den Westlichen Pazifik durchsetzen und die Seemacht USA aus diesem Raum verdrängen. Da die USA den chinesischen Machtanspruch nur schon aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht akzeptieren werden, könnte die Konfrontation in diesem Gebiet sehr schnell in einem Krieg enden.

[1] The Paracels: Beijing’s other South China Sea Buildup, The Asia Maritime Transparency Initiative and the Center for Strategic and International Studies, 2016, 24.02.17, 08:28, P. 1.

[2] The Paracels, P. 2.