In welche Zukunft blicken diese syrischen Kinder?
In welche Zukunft blicken diese syrischen Kinder?

Seit März 2011 sind infolge des Krieges in Syrien von der ursprünglichen Bevölkerung von 22 Millionen Menschen 4.8 Millionen Syrerinnen und Syrer in die Nachbarstaaten geflohen.[1] Mehr als 6.4 Millionen werden als interne Vertriebene bezeichnet. Diese gehören zu den 13.5 Millionen Menschen, die dringend humanitäre Hilfe benötigen.

In diesem Krieg werden die Armee von Assad und die verschiedenen Kampfgruppen der syrischen Opposition durch Drittmächte unterstützt. Ohne die Berater und Eliteeinheiten der islamischen Republik Iran und ihrer schiitischen Söldner aus dem Libanon – den Hisbollah -, aus dem Irak und aus Afghanistan – die letzteren stellen eine ganze Division von 10‘000 Mann – sowie den russischen Flächenbombardierungen wären Armee und Regime von Bashar al-Assad schon vor einiger Zeit vernichtet worden.[2]

Entsprechend ihrer politischen und ideologischen Ausrichtung werden die Kampfgruppen der syrischen Opposition durch verschiedene Drittmächte wie die Türkei, Saudi-Arabien, die Golfstaaten und die USA, mit Ausrüstungen und Panzerabwehrwaffen versorgt. Dazu gehören:[3]

  • Free Syrian Army: Die FSA verfügt über eine organisierte Kommandostruktur. Viele der Kämpfer sind Soldaten, die ursprünglich von der Armee von Assad desertiert sind;
  • Ahrar al Sham (freie Männer der Levante): Die Kämpfer der AAS werden als Salafisten bezeichnet;
  • Jaysh al Islam (Armee des Islams): Die Gruppe kämpft insbesondere in den östlichen Bezirken von Damaskus und wird von den Saudis mit Waffen versorgt;
  • Southern Front: Das Hauptquartier dieser Gruppe befindet sich in Jordanien. Sie wurden unter der Obama-Administration mit Panzerabwehrwaffen versorgt. Ihr Schwerpunkt ist die südliche Region von Syrien mit Dera;
  • Syrian Democratic Forces: Zu den Kämpfern der SDF gehören Kurden, sunnitische Araber und Angehörige anderer Minderheiten. Die Führung der SDF, die Ende 2015 gebildet wurde, haben die Kurden der YPG inne. Beraten wird die SDF im nördlichen Syrien durch die USA. Die Türkei ist wegen den mutmasslichen Beziehungen der YPG zur türkischen PKK gegen diese Zusammenarbeit;
  • New Syrian Army: Die NSA wurde Ende 2015 gebildet und kämpft im Südosten Syriens gegen den Islamischen Staat;
  • Kurdish Democratic Unity Party (Partiya Yekîtiya Demokrat, PYD): Die PYD ist die politische Partei der YPG;
  • Popular Protection Units (Yekîneyên Parastina Gel, YPG): Die YPG ist der militärische Arm der PYD und kämpft entlang der syrisch-türkischen Grenze mit Erfolg gegen den Islamischen Staat;
  • National Coalition of Revolutionary and Opposition Forces (aka Etliaf, Syrian Opposition Coalition, SOC): Die Kämpfer der SOC sind Angehörige der Muslimbrüder und ihr Hauptquartier ist in der Türkei. Die Türkei leistet der SOC Unterstützung;
  • National Coordination Body for Democratic Change (NCB): Zur NCB gehören frühere linke und kurdische Aktivisten. Die NCB ist bereit mit Assad über die Zukunft Syriens zu verhandeln.

Nicht zur syrischen Opposition werden die Jihadisten des Islamischen Staates (IS) und von Jabhat Fatah al Sham (die Eroberungsfront der Levante, früher Nusrah Front) gerechnet. Diese Jihadisten werden vor allem durch die SDF und die YPG bekämpft.

Für den Zerfall Syriens ist die gescheiterte Strategie der Obama-Administration mit ihrer zögerlichen Unterstützung der Kampfverbände der YPG symbolhaft. Die Trump-Administration muss nicht nur die Lage in Syrien neu analysieren, sondern vor allem eine neue Strategie der USA für Syrien definieren. Dabei müssen die strategischen Ziele, die die USA im Mittleren Osten verfolgen, beachtet werden. Die USA unter Trump dürften inskünftig folgende Ziele verfolgen:

  • Vernichtung des Islamischen Staates (IS);
  • Rollback des ausufernden Machtbereichs des Irans im Irak und in Syrien;
  • den Einfluss Russlands im Mittleren Osten durch eine verstärkte US-Präsenz ausgleichen.

 

Die Verwirklichung dieser Ziele könnte möglicherweise durch folgende Strategien erreicht werden:

  1. Konzentration auf die Bekämpfung des IS im Irak, Abseitsstehen der USA in Syrien unter Inkaufnahme der Folterung und Ermordung von Gefangenen durch das Assad-Regime[4];
  2. Bekämpfung des IS im Irak durch die US-geführte Koalition und Bekämpfung des IS in Syrien durch Unterstützung der Kämpfer der SDF und der YPG, Inkaufnahme des Abgleitens der Türkei unter russischen Einfluss;
  3. Bekämpfung des IS in Syrien durch Unterstützung der Türkei;
  4. Einsatz von US-Bodentruppen in Syrien.

 

Nach den Erfahrungen der USA im Irak von 2003 bis 2011 wird jeder US-Präsident den Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht in Erwägung ziehen. Deshalb dürfte die vierte Strategie nicht in Frage kommen. Aber auch die Ausdehnung des iranischen Machtbereiches dürfte für eine Trump-Administration nicht akzeptabel sein. Abgesehen davon dürfte es für die USA auf die Dauer kaum akzeptabel sein, wenn Russland im Mittleren Osten zur wichtigsten Macht würde. Trump und sein Kabinett werden deshalb die erste Strategie verwerfen.

In Anbetracht der gesetzten Ziele dürfte die Trump-Administration eine Kombination der Strategien 2 und 3 wählen.[5] Bei dieser Kombination wird Washington D.C. einen Ausgleich zwischen der Ablehnung der YPG durch die Türkei und der Unterstützung der YPG durch die USA erreichen müssen. Realistisch betrachtet sind die syrischen Kurden die einzigen Kämpfer, die bis anhin mit Erfolg die Jihadisten des Islamischen Staates in Syrien bekämpft haben. Als Gegenleistung für die Zustimmung der Türkei zu dieser Lösung dürfte die Trump-Administration die YPG zwingen müssen, sich mit dem bisher eroberten Territorium zu begnügen.

 

 

 

[1] Humud, C.E., Blanchard, Chr.M. and M.B.D. Nikitin, Armed Conflict in Syria: Overview and U.S. Response, Congressional Research Service, Washington D.C., January 6, 2017, P. A.

[2] Humud, C.E., et al, P. 1/38.

So auch Cordesman, A.H. and A. Nerguizian, The Case For and Against a „Realist“ Strategy in Syria, CSIS, Washington D.C., January 24, 2017, P. 1/2.

[3] Humud, C.E., at al, P. 39-41.

[4] Amnesty International, Human Slaughterhouse, Mass Hangings and Extermination at Saydnaya Prison, London, 2016.

[5] Cordesman, A.H. and A. Nerguizian, P. 8/9.