ein scharfes AugeFür die Förderung des Jihad und die Einflussnahme in der Welt hat die Führung des Islamischen Staates ab 2016 ihr Propagandanetzwerk, das seit 2014 besteht, erweitert. Dieses Netzwerk wird von Experten als das virtuelle Kalifat des IS bezeichnet.[1] Dank diesem Netzwerk ist es dem IS gelungen, den regionalen Krieg im Irak und in Syrien in ein weltumspannendes Phänomen zu transformieren und durch die Ausnützung der sozialen Medien, der Veröffentlichung von Publikationen und der Verwendung verschiedener Sprachen weltweit fremde Kämpfer zu mobilisieren. Das virtuelle Kalifat hat über die digitale Welt die Aufmerksamkeit der gesamten Welt erreicht und gleichzeitig die Muslime in der islamischen Welt und im Westen zur Anerkennung des rechtmässigen Kalifats des IS aufgefordert. Auch nach einem allfälligen Untergang des wirklichen Kalifats im Irak und in Syrien wird das virtuelle Kalifat über die IS-Provinzen in Saudi-Arabien, im Iran, in der Türkei, in Ägypten und die Jihad-Salafisten in Europa, in Asien und in den USA weiter bestehen:[2]

No, defeat is losing the will and the desire to fight, and you will be victorious and the Mujahideen will lose in one case: We will be defeated and you victorious if you could remove the Qur’an from the heart of the Muslims, and that [is not possible].

Mit seiner Propaganda führt das virtuelle Kalifat einen eigentlichen Informationskrieg durch. In seinen Publikationen und Meldungen in Cyberspace, so über die Amaq News Agency, wird Desinformation durch die Vertreibung übertriebener Meldungen oder eigentlichen Falschmeldungen betrieben. Als Publikationen verbreitet der IS die englischsprachigen Zeitschriften Dabiq und Rumiyah. Über das virtuelle Kalifat verfolgt der Islamische Staat verschiedene Ziele. Dazu gehören:[3]

  • Beeinflussung der Bevölkerung in den durch den IS kontrollierten Gebieten;
  • Einflussnahme auf die Salafisten, die ausserhalb des Islamischen Staates leben;
  • Rekrutierung von fremden Kämpfern und deren Familien für den Krieg;
  • Einschüchterung potentieller Rivalen durch militärische Informationen, die übertrieben sind;
  • Täuschungen und Irreführung der gegnerischen Streitkräfte;
  • Verbreitung der Einflussnahme des IS und Polarisierung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in der übrigen Welt;
  • Verbreitung des Ziels der globalen Kriegs;
  • Radikalisierung der Salafisten in der übrigen Welt;
  • Bildung von Zellen und Aufforderung der Jihadisten zu Anschlägen in der übrigen Welt.

 

Das virtuelle Kalifat wird durch den Islamischen Staat straff geführt, wirkt und arbeitet aber dezentral. Die Mitwirkenden und Unterstützenden nützen sämtliche Online Plattformen aus. Sollte das wirkliche Kalifat tatsächlich besiegt werden, wird der Islamische Staat weiterhin über sein virtuelles Kalifat existieren. Die Strategie und die Ziele des IS werden im Westen immer noch unterschätzt, wenn nicht sogar falsch eingeschätzt.[4]

 

[1]Gambhir, H., The Virtual Caliphate: ISIS’s Information Warfare, Institute for the Study of War, Washington DC, December 2016, P. 9.

[2]Gambhir, H., P. 10.

[3]Gambhir, H., P. 11-20.

[4]Gambhir, H., P. 33.

Print Friendly, PDF & Email