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Die strategische Lage dürfte 2017 durch das Verhältnis zwischen den drei Grossmächten USA, Russland und China bestimmt sein. Während 2016 die Beziehungen zwischen Russland und China durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin teilweise als Folge der westlichen Sanktionen intensiviert wurden, könnte nach der Inauguration von Donald Trump eine Machtbalance zwischen den drei Grossmächten entstehen. Trump hat bereits während den Wahlen seine Bereitschaft zu einer Intensivierung der Beziehungen der USA zu Russland bekundet und auch die Aufhebung der Sanktionen gegenüber Russland angekündigt. Eine Gegenleistung Russlands dafür wäre eine intensive Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des islamischen Terrorismus.

Im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Terrorismus hat Trump das Ungenügen der NATO in diesem Kampf kritisiert. Nicht nur würden die europäischen Staaten im Vergleich zu den USA zu wenig für die gemeinsame Verteidigung leisten, sondern die NATO sei als Organisation obsolet. Mit seiner Aussage hat Donald Trump darauf hingewiesen, dass die Organisation der NATO als solche überdacht und reformiert werden müsste. Sollte es zu einer Annäherung zwischen den USA und Russland unter Präsident Trump kommen, dann könnte sich auch die Frage nach der weiteren Existenzberechtigung der NATO stellen. Wegen der Infragestellung der NATO durch Trump blicken bereits heute verschiedene europäische Staaten panikartig auf Russland. Zu diesen Staaten gehören vor allem die baltischen Republiken, Polen und die Ukraine.

In einem Interview mit der deutschen Bild-Zeitung hat Donald Trump BREXIT und damit den Austritt der Briten aus der EU begrüsst. Gleichzeitig hat er auch die Zukunft der EU mit einem Fragezeichen versehen. Dabei er hat er weitere Austritte aus der EU prognostiziert. Für Präsident Trump hat die EU keine Zukunft. Im gleichen Atemzug hat er die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Merkel kritisiert. Mit dem unkontrollierten Hereinlassen von Menschen hätte Frau Merkel dem Terrorismus in Europa und insbesondere in Deutschland Tür und Tor geöffnet. Mit dieser Situation gelte es sich abzufinden.

Die Annäherung an Russland und die Infragestellung der Existenz der NATO bedeutet aber nicht, dass Donald Trump die Verteidigungsbereitschaft der USA unterminieren wird. Im Gegenteil, als Antwort auf die Verschärfung der Konflikte in der Welt und die Aufrüstung durch die anderen Grossmächte werden die USA ihre Verteidigungsleistung massiv verstärken. Dazu gehört die Anhebung der Personalbestände der US Army und des US Marine Corps sowie die Vergrösserung der Zahl der Kriegsschiffe der US Navy und der Kampfflugzeuge der US Air Force. Nach der unter Barack Obama vernachlässigten Verteidigungsbereitschaft der USA will Donald Trump vor allem mit einer verstärkten US Navy der Volksrepublik China im Südchinesischen Meer Paroli bieten. In diesem Zusammenhang stellt Donald Trump auch die Ein-China-Politik in Frage. Offenbar denkt er daran, den strategischen Wert von Taiwan im amerikanischen Dispositiv des westlichen Pazifiks aufzuwerten.

Dank einem verteidigungspolitisch stärkeren Amerika will die Trump-Administration offenbar auch den imperialen Ansprüchen der Islamischen Republik Iran im Mittleren Osten begegnen. Zu diesem Zweck wird Trump die unter Obama vernachlässigten Beziehungen zu Ägypten und Saudi-Arabien militärisch wieder aufwerten. Ob es 2017 zu einer militärischen Konfrontation mit dem Iran kommen wird, ist angesichts der Tatsache, dass zwischen dem Iran und Russland eine Art Allianz besteht, noch ungewiss. Ein anderer Kandidat für eine Konfrontation mit den USA ist Nordkorea. Auf welche Weise Trump die nukleare Herausforderung durch Nordkorea bewältigen wird, ist bis jetzt ungewiss.

Neben der Annäherung an Russland und der Bewältigung der aussenpolitischen Konflikte stellt die Sanierung der amerikanischen Volkswirtschaft für Donald Trump die eigentliche Herausforderung dar. Sein Motto „America First“, das er auch in seiner Amtseinführungsrede wiederholt hat, lässt sich als Wirtschaftsprogramm wie folgt zusammenfassen. Mit angedrohten Strafzöllen will er wichtige US-Unternehmen dazu zwingen, Produktionsstätten wieder in die USA zurück zu verlagern um damit die Zahl der Arbeitsplätze in den USA zu erhöhen. Zu diesen Unternehmen gehören Autogiganten wie Ford, GM und Chrysler. Aber auch ausländische Autohersteller wie BMW sollen wegen ihren Produktionsanlagen in Mexiko nicht straffrei davon kommen. Auch IT-Grössen wie Apple sollen zur Rückverlagerung der Produktion in die USA gezwungen werden.

Ein wichtiges Element des Wirtschaftsprogramms von Trump sind die angedrohten Strafzölle auf chinesische Importe. Die Volksrepublik soll zur Korrektur des Verhältnisses zwischen der eigenen Währung und dem Dollar gezwungen werden. Teil der Wirtschaftspolitik dürfte auch der angekündigte Mauerbau an der Grenze zu Mexiko sein. Dank einer verbesserten Kontrolle soll die ungehinderte Zuwanderung aus Lateinamerika, die zu Lasten der amerikanischen Arbeitnehmer geht, gestoppt werden.

Zur Wirtschaftspolitik von Donald Trump gehören auch die Sanierung der Infrastruktur der USA sowie die Infragestellung von Freihandelsabkommen wie NAFTA. Die unter Clinton und Obama forcierte Globalisierung hat gemäss Donald Trump der US-Wirtschaft geschadet. Zu den Hauptleitragenden der ungezügelten Globalisierung wurden die amerikanischen Arbeitnehmer. Mit seiner Wirtschaftspolitik kündigt Donald Trump für die USA das Ende der Globalisierung an.

Das Jahr 2017 dürfte zu einem strategisch turbulentes Jahr werden.

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