By 不明 - Official U.S. Navy photograph 80-G-21218., パブリック・ドメイン, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1146728
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Am 8. Dezember dieses Jahres ist der 75. Gedenktag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor auf Hawaii. Dem japanischen Sieg scheint ein sorgfältig und tadellos durchgeführter Kriegsplan zu Grunde zu liegen, aber in der Planung und Ausführung lief vieles schief im kaiserlichen Japan.

Die japanische Regierung wollte zuerst den USA ein Ultimatum stellen und danach den Krieg beginnen. Japan hatte das an der Haager Konferenz 1907 abgeschlossene „Haager Abkommen“ ratifiziert und beabsichtigte, es als zivilisiertes Land einzuhalten. Das Abkommen sah vor, dass vor dem Angriff ein Ultimatum gestellt werden musste.

In diesem Ultimatum wurde jedoch eine lange Erklärung der Ereignisse beschrieben und es kam zu dem Schluss: die Japanische Kaiserliche Regierung bedauere sehr, der US Regierung mitteilen zu müssen, dass angesichts des Verhaltens der US Regierung keine Vereinbarung für die weiteren Verhandlungen erreicht werden könne, trotz guten Willens. Es war deshalb nur eine einfache Botschaft, dass Japan die im April 1941 begonnenen Verhandlungen mit den USA abbrechen würde. Keiner konnte die Botschaft als Beginn des Krieges verstehen. Der japanische Aussenminister Shigenori Togo dachte jedoch, dass die Mitteilung des Verhandlungsabbruchs als Ultimatum ausreichen würde.

Der Aussenminister Togo befahl dem japanischen Botschafter in den USA, Kichizaburo Nomura (Reserve Admiral), „das Ultimatum“ am 7. Dezember um 13 Uhr Washingtoner Zeit (3 Uhr am 8. Dezember japanische Zeit) dem Aussenminister der Vereinigten Staaten, Cordel Hull, auszuhändigen. Der Aussenminister Togo wurde bereits darüber informiert, dass das Kaiserlich-Japanische Militär den Krieg gegen die USA beginnen würde. Er wusste jedoch nicht, warum der Generalstab Japans die genaue Aushändigungszeit des Ultimatums auch noch bestimmte.

In der Tat plante die Flugzeugträgerkampfgruppe der Japanischen Kaiserlichen Marine um 13:30 Uhr Washingtoner Zeit (8 Uhr am 7. Dezember in Hawaii) Pearl Harbor auf Hawaii anzugreifen. Die festgelegte Aushändigungszeit des Ultimatums war 30 Min. vor dem Angriff auf Pearl Harbor terminiert.

Da der Aussenminister Togo den Plan nicht kannte, verstanden weder der Botschafter Nomura, noch der Sonderbeauftragte Botschafter Saburo Kurusu (Beistand leistender für Nomura) die Bedeutung der Aushändigungszeit, geschweige denn die Mitarbeiter in der Botschaft in Washington. Niemand bemerkte die Bedeutung der Zeit. Aber es wäre möglich gewesen, die eigentliche Bedeutung zu erkennen, da diesbezugliche Befehle aus Japan vorher erteilt worden waren: nämlich die amerikanischen Typisten durften das Dokument nicht fertigstellen und zwei von drei Entschlüsselungsmaschinen inklusive zwei Entzifferungsbücher waren zu vernichten. Auch lautete der letzte Satz des Schreibens ominös „Abbruch der Verhandlungen“.

Der erste Sekretär der Botschaft, Katsuzo Okumura, übernahm sämtliche Arbeiten. Dazu gehörten die Entschlüsselung auf Japanisch und die Übersetzung vom Japanischen ins Englische sowie das Maschinenschreiben. Er war aber im Schreibmaschinenschreiben nicht ausgebildet, deshalb er sehr viel Zeit dazu benötigte. Die japanische Botschaft musste deshalb eine zeitliche Verschiebung des Termins mit dem amerikanischen Aussenministerium in Kauf nehmen. Die beiden japanischen Botschafter Nomura und Kurusu warteten vor dem Gebäude ungeduldig auf das fertig geschriebene Ultimatum. Es war bereits 14:20 Uhr, als sie den Aussenminister der Vereinigten Staaten Cordel Hull trafen, um das Ultimatum auszuhändigen.

Amerika kannte bereits den Inhalt des japanischen Ultimatums

Über den Angriff der japanischen Marine auf Pearl Harbor war Washington zu diesem Zeitpunkt bereits im Bilde. Botschafter Nomura händigte dem amerikanischen Aussenminister Hull das Ultimatum ohne eigene Kenntnis über den Angriff aus. Nachdem Hull es las, soll er Nomura beschimpft haben: „Während meines 50-jährigen Dienstes habe ich noch nie ein so schamloses, lügenhaftes und verdrehtes Schreiben gelesen. Es ist nicht vorstellbar, dass ein Staat mit solch grossen Lügen und Verdrehungen auf der Welt existieren kann.“ Hull hielt Nomura, der etwas sagen wollte, zurück und zeigte mit einer Bewegung des Kinns in Richtung Tür.

Hulls Verärgerung war freilich verständlich, denn die japanische Ankündigung zum Abbruch der Verhandlungen wurde eine Stunde nach dem Angriff auf Pearl Harbor ausgehändigt. Der japanische Botschafter hat von Anfang an nichts verstanden. Die beiden japanischen Botschafter erfuhren erst danach, dass Japan Pearl Harbor bereits angegriffen hatte.

Japan hat erst nach dem Krieg erfahren, dass Hull schon vor der Aushändigung des Ultimatums über dessen Inhalt im Bilde war. Alle verschlüsselten Botschaften des japanischen Aussenministeriums waren bereits vor Kriegsausbruch in den USA dechiffriert. Der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt las das entschlüsselte Ultimatum und sagte seinen Mitarbeitern, dass es Krieg bedeute. Er verstand die Bedeutung vom Abbruch der Verhandlungen. Die Nachricht über den Überraschungsangriff auf Pearl Harbor erhielt er erst danach.

Während der US-Präsident die Kriegserklärung des Schreibens sofort erkannte, nahmen die Mitarbeiter der japanischen Botschaft dies nicht als wichtig und dringend wahr. Der Grund für ihr Verhalten ist bis heute rätselhaft geblieben. Die Frage, ob Aussenminister Togo sich vor der Zustellung des Ultimatums bemüht hatte, dem japanischen Botschafter in den USA die Lage als kritisch zu beschreiben, bleibt offen. Togo war es ja gewesen, der das Ultimatum dem Kriegskabinett vorgeschlagen hatte. Der Stab der japanischen Marine und der Armee waren dagegen gewesen. Die beiden Stäbe wollten einen Überraschungsangriff ohne Vorankündigung. Togo überredete die Stäbe zu dieser Ankündigung, weil es für Japan bei einem zukünftigen Friedensschluss vorteilhaft gewesen wäre. Sie stimmten mit Widerwillen zu.

Der Aushändigungstermin wurde von der Kaiserlichen Marine zuerst auf 12:30 festgelegt, d.h. eine Stunde vor dem Überraschungsangriff. Der Termin wurde ein paar Tage vorher auf 13:00 Uhr geändert, nur 30 Min. vor dem Angriff. Da die Kaiserliche Marine bei ihren Übungen immer Verspätung hatte, musste diese Frist reichen. Dies war der Grund für die Terminänderung. Da Aussenminister Togo bereits am 29. November über das Datum der Kriegseröffnung informiert wurde, wurde er aufgefordert seine scheinheilige Diplomatie professionell durchzuziehen. Togo war im Staatsinteresse damit einverstanden. Es gab keine Hinweise in Telegrammen an die japanische Botschaft in Washington auf den Kriegsbeginn. Die Botschafter Nomura und Kurusu bemühten sich sogar, ein Telegramm von Präsidenten Roosevelt zur Kriegsvermeidung an den Kaiser zu senden. Die Idee des persönlichen Präsidententelegramms stammte vom Geschichtsprofessor Dr. Kannichi Asakawa an der Universität Yale und wurde schliesslich Wirklichkeit. Es wurde am 6. Dezember gesendet. Deshalb erkannten die beiden Botschafter weder Gefahr noch Dringlichkeit. Da ein persönliches Telegramm an den Kaiser gesendet worden war, würde dieses durch ein persönliches Telegramm des Kaisers beantwortet werden. So dürften sich die beiden Botschafter die Sachlage vorgestellt haben. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass nur zwei Tage danach der Krieg beginnen würde.

Beachtet man diesen Verlauf der Situation, dann macht auch der Rückschlussgedanke (Trugschluss) keinen Sinn, dass der wichtige Teil des Ultimatums „Abbruch der Verhandlungen“ rechtzeitig ausgehändigt worden wäre. Könnte ein Telegramm vom Kaiser als Erwiderung erwartet worden sein?

Das persönliche Telegramm von Roosevelt kam aber aus ungeklärten Gründen erst gegen Abend des 7. Dezember im japanischen Aussenministerium an und wurde danach ins Japanische übersetzt. Als Aussenminister Togo es dem Kaiser vorlas, waren die Kampfflugzeuge der Trägerkampfgruppen für den Angriff auf Pearl Harbor schon gestartet.

Das japanische Ultimatum war nur für die amerikanische Regierung bestimmt, nicht aber für die englische. Ein Krieg gegen England hatte zur Folge, dass Japan auf der Malaiischen Halbinsel (Kolonie Englands) landen und gleichzeitig das Territorium Hong Kong angreifen würde. Die Landung in Kota Bharu auf der Malaiischen Halbinsel fand ohne Kriegserklärung mehr als eine Stunde früher als der Angriff auf Pearl Harbor statt. Die Kaiserliche Marine bemerkte erst dann, dass die Angriffstermine nicht übereinstimmten und bat die Armee um eine zeitliche Anpassung des Plans. Dennoch begann die Landung auf der Malaiischen Halbinsel um1:30 Uhr am 8. Dezember, d.h. eine Stunde und 50 Min. früher als der Angriff auf Pearl Harbor.

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