Mohnfelder, so weit das Auge reicht
Mohnfelder, so weit das Auge reicht

Nach wie vor ist in Afghanistan die Landwirtschaft der wichtigste Faktor für das Wachstum der Volkswirtschaft. 2012 soll die Landwirtschaft zu 50% das wirtschaftliche Wachstum bestimmt haben.[1] Ein nicht unerheblicher Anteil der landwirtschaftlichen Fläche wird aber für die Produktion von Schlafmohn und Cannabis benützt. Der Anbau von Schlafmohn und damit die Produktion von Opium wachsen weiterhin jährlich. So soll 2013 im Vergleich zu den Vorjahren die Produktion von Opium um 50% auf 5‘500 Tonnen und die Anbaufläche für Schlafmohn um 36% auf 209’000 Hektaren zugenommen haben.[2] Für den Anstieg der Produktion gibt es verschiedene Ursachen. Dazu gehören die Einführung neuer Bewässerungsmethoden und die abnehmende Bekämpfung des Drogenanbaus durch internationale Organisationen und Streitkräfte. In Abhängigkeit der in Afghanistan erreichten Erlöse aus der Drogenproduktion dürfte deren Anteil am Bruttosozialprodukt je nach Jahr 4.1 bis 13 % betragen. 2012 stammten 10% der Einnahmen aus dem Export des Drogenhandels.[3]

Seit 2002 sollen die beiden Provinzen Helmand und Nangarhar als die grössten Anbaugebiete für Schlafmohn in Afghanistan sein.[4] Vor allem dank diesen beiden Provinzen dürfte Afghanistan bis zu 85% der weltweiten Opium- und Heroinproduktion decken.[5]

Die Drogenproduktion (Opium, Heroin, Morphin,Hasch) in Afghanistan und der Handel damit werden durch die Organisierte Kriminalität (OK) des Landes kontrolliert. Diese ist eng mit der Politik und der Polizei vernetzt. Die afghanische OK wiederum ist Teil des internationalen Netzwerks der organisierten Kriminalität. Zu diesem gehören die OK-Banden der Nachbarstaaten, die Mafia in Europa, die chinesischen Triaden, die russischen Banden und die amerikanische Cosa Nostra. Dank diesen Beziehungen können die Drogen ungehindert über Zentralasien nach Russland, über den Iran und die Türkei nach Europa, über Pakistan nach China und über Afrika nach Nordamerika verschoben werden.[6]

Pro Jahr dürften die weltweiten OK-Banden 200 bis 300 Milliarden US-Dollars aus dem afghanischen Drogenhandel erwirtschaften. Diese Einnahmen können dank der boomenden Bauindustrie am Persischen Golf und in Südostasien gewaschen werden. Trotz der lückenlosen Luftüberwachung des Landes durch die USA und ihre Alliierten ist der Drogenanbau in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban-Herrschaft ungehindert angestiegen. Die Hypothese, dass diese riesigen Geldmengen jährlich in das amerikanische Finanz- und Bankensystem fliessen und dieses dadurch immer wieder mit frischem Geld versorgen, erscheint plausibel.

[1] Cordesman, A.H., Afghanistan: The Uncertain Impact of a Year of Transition, CSIS, Washington DC, February 22, 2016, P. 157.

[2] Cordesman, A.H., P. 158.

[3] Cordesman, A.H., P. 159.

[4] Cordesman, A.H., P. 163.

[5] Cordesman, A.H., P. 166.

[6] Cordesman, A.H., P. 164, 165, 167.