Eisenbahnschwelle
Eisenbahnschwelle

Im Rückblick dürfte das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts über die Zukunft der USA entschieden haben. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bombardierten die USA und ihre Alliierten Oktober bis Dezember 2001 Afghanistan und stürzten Ende 2001 die Herrschaft der Taliban. Sehr bald begann ein Krieg, den die Amerikaner bis heute nicht für sich haben entscheiden können. Im Gegenteil, die Taliban herrschen wieder über grosse Gebiete Afghanistans. Gleichzeitig boomt in verschiedenen Provinzen der Anbau von Schlafmohn und Hanf, und damit auch die Produktion von Heroin und Hasch, deren Milliardeneinnahmen (200 bis 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr) vermutlich in das amerikanische Finanz- und Bankensystem fliessen dürften. Durch diesen, nach dem dreihundertjährigen Indianerkrieg, längsten Krieg in ihrer Geschichte, haben die USA ihre politische und militärische Glaubwürdigkeit verloren. Im Gegensatz zum Genozid an den nordamerikanischen Ureinwohner war in diesem Krieg die Eliminierung der afghanischen Paschtunen, dem Volk, dem die Taliban angehören, nicht möglich.

Nach der erfolgten Invasion im Irak und dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein 2003 wurde sehr bald die Überdehnung des militärischen Engagements der USA erkennbar. Die Ablehnung der Besetzung des Iraks durch die US-Streitkräfte löste einen brutalen Guerillakrieg aus, der zu hunderttausenden von Toten unter der irakischen Zivilbevölkerung geführt haben dürfte. Nach dem Abzug der US-Streitkräfte 2011 riss der Islamische Staat im Nordwesten des Iraks die Herrschaft an sich. Dieser soll jetzt durch eine US-geführte Koalition bezwungen werden. Am Ende könnte dieser neue Krieg zu einer millionenfachen Flucht irakischer Sunniten führen. Des Weiteren konnte wegen den Milliardenaufwendungen für diesen Krieg bis heute die notwendige Modernisierung der US-Bodenstreitkräfte nur ungenügend vollzogen werden. Nach wie vor ist die US Army weitgehend mit Waffensystemen aus der Zeit des Kalten Krieges ausgerüstet.

Die Regime-Change-Politik der Obama-Administration dürfte auch das gegenwärtige Chaos in Libyen und in Syrien mitverursacht haben.

Der Ausbruch der Finanzkrise von 2008 hat das Fundament des Finanz- und Bankensystems der USA erschüttert. Nur mit Mühe und vielen Finanzspritzen konnte die Obama-Administration den finanzpolitischen Zusammenbruch der USA und den Kollaps der eigenen Auto-Industrie verhindern. Seither ist die amerikanische Schuldenlast noch mehr angestiegen.

Der offenbar noch nicht beendete Wahlkampf hat die USA geographisch und gesellschaftlich definitiv gespalten. Geographisch bestehen die USA heute aus einzelnen Bundestaaten, so der Staaten der Küste Neuenglands, der Westküste und des Zentrums. Gesellschaftlich sind die USA in mehrere Segmente gespalten, so aus einer arroganten intellektuellen Oberschicht, die überzeugt ist, dass sie über die Zukunft des Landes bestimmen kann, und einem verarmten Mittelstand, der den Glauben an den amerikanischen Traum definitiv verloren hat. Dieser ehemalige Mittelstand lehnt die Wunschträume der politischen und intellektuellen Elite für eine globalisierte Welt entschieden ab.

Während die USA sich innenpolitisch zerfleischen, versinkt der Mittlere Osten in einem, durch die ehemalige Weltmacht versursachten Chaos. Gleichzeitig tobt in Syrien und im Irak zwischen Sunniten und Schiiten ein brutaler Krieg. In Europa zeichnet sich bereits, durch das Desinteresse der Obama-Administration gefördert, eine militärische Dominanz von Russland ab. Eine ähnliche Entwicklung könnte auch den Staaten Ostasiens bevorstehen. Erleichtert durch die fehlende Machtausübung von Obama nimmt der Einfluss von China auf die Nachbarstaaten in Ostasien, insbesondere auf jene im Südchinesischen Meer, stetig zu.

Beschleunigt durch den machtpolitischen Aufstieg Russlands und Chinas könnte die geschilderte Entwicklung mit dem Zerfall des geographischen Kunststaates USA, der keine historische Legimitation aufweist, enden.