image001Donald Trump war bis zu seiner Wahl zum Präsidenten der USA ein Geschäftsmann. Diese Tatsache dürfte nach seiner Amtseinsetzung auch die Geopolitik der USA bestimmen.[1] Unter Präsident Trump werden die Beziehungen der USA zu anderen Staaten vor allem durch Wirtschaftsinteressen bestimmt werden. Die Rendite wird die gemeinsamen Werte ersetzen. Dazu wird der Abschluss von vorteilhaften Handelsbeziehungen für die USA gehören. In diesem Sinne dürften Freihandelsabkommen, wie TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), TPP (Trans-Pacific Partnership) und NAFTA, unter Trump neu ausgehandelt oder gar verworfen werden.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird ein Donald Trump beim Abschluss von Handelsbeziehungen nicht auf die Regierungsform der Partnerstaaten achten. Für Trump werden Autokraten, Staatskapitalisten und Demokraten gleichwertige Partner sein. Seine grössten Sympathien dürften Autokraten wie Putin, Erdogan und as-Sissi gehören. Dementsprechend wird Trump die Beziehungen der USA zu Russland verbessern. An der Bewältigung des Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland dürfte Trump nicht interessiert sein. Die Bewältigung dieses Konfliktes wird er definitiv den Europäern überlassen.

Trump dürfte seine Aufmerksamkeit und seine Interessen primär auf China fokussieren. Dabei wird es ihm um die Rückführung von Produktionsstätten wie jene von Apple in die USA gehen. Für den Ausgleich der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China ist es denkbar, dass er Strafzölle auf chinesische Importe verordnen wird. Bei den Beziehungen zu China werden die Interessen der USA und nicht die Frage der Einhaltung der Menschenrechte durch die chinesischen Machthaber in Beijing bestimmend sein.

Was die Beziehungen zu den bisherigen Alliierten der USA betrifft, so wird er sowohl von den NATO-Staaten wie auch von den Alliierten im Pazifik Mehrleistungen an Verteidigungsausgaben und damit eine Aufrüstung fordern. Sollten die NATO-Staaten diesen Forderungen nicht Folge leisten, dann könnte dies unter Präsident Trump zu einer teilweisen Aufgabe der Verpflichtungen der USA gegenüber der NATO führen. Ein solcher Schritt würde zur Unterminierung der Sicherheit Europas führen.

Was Japan betrifft, so könnte Trump als Ersatz der militärischen Präsenz der USA entsprechend seinem Wahlkampf den Japanern die Nuklearisierung empfehlen. Ein amerikanisches Desengagement könnte zur Folge haben, dass sich Japan neben der Entwicklung eigener Nuklearwaffen vermehrt auf Russland hin orientieren könnte.

Das weltweite Desengagement der USA wird aber nicht bedeuten, dass Präsident Trump mit dem amerikanischen Militärapparat in der Welt nicht intervenieren wird. Im Gegenteil, sobald die Interessen der USA tangiert werden, wird Trump entsprechend der Kanonenbootpolitik des 19. Jahrhunderts US-Streitkräfte, so die der US Navy und des US Marine Corps, mit Priorität in Asien einsetzen. Trump muss als Unilateralist und darf nicht als Isolationist bezeichnet werden. Die Vorbilder von Trump dürften die britischen Imperialisten des 17. bis 19. Jahrhunderts sein, so die British East India Company (BEIC, 1600-1858) mit ihren Eroberungen und Plünderungen von Indien. Weitere Vorbilder dürften die amerikanischen Imperialisten Ende des 19. bis Anfangs des 20. Jahrhunderts sein. Zu diesen gehörten Präsident Theodore Roosevelt (1858-1919) und sein Stratege des Seekrieges Alfred Thayer Mahan (1840-1914). Diese US-Imperialisten setzten sich 1898 für die Auslösung des Krieges mit Spanien, die Eroberung der Philippinen, das Annektieren von Hawaii und 1903 die Sicherung der Panama-Route durch die USA ein. Beinahe als Axiom für den US-Imperialismus forderte Mahan im Werk „The Influence of Sea Power upon History, 1660-1805“, die Durchsetzung der Wirtschaftsinteressen der USA durch hochgerüstete Seestreitkräfte und einer zielgerichteten Seestrategie und dies sowohl im Frieden wie auch im Krieg:[2]

„Naval strategy has for its end to found, support, and increase, as well in peace as in war, the sea power of a country.”

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass durch den Unilateralisten Trump die Welt nicht sicherer werden wird.[3] Die Aufgabe der amerikanischen Verpflichtungen gegenüber Alliierten und damit die weltweite Aufgabe der Pax Americana sowie die rücksichtslose Umsetzung einer amerikanischen Kanonenbootpolitik könnte zu einer Destabilisierung der geostrategischen Lage in Europa und in Ostasien, wie vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, führen.

[1] Interview with Ian Bremmer, So long, Pax Americana, you’ve been Trumped, in: Nikkei Asian Review, November 13, 2016.

[2] Stahel, A.A., Klassiker der Strategie – eine Bewertung, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 3., überarbeitete Auflage, 2003, S. 181.

[3] Galston, W.A., Trump Threatens the Postwar Order, in: The Wall Street Journal, November 17, 2016, P. A11.