2016-10-31_131448Die Abwehr des Islamischen Staates (IS) gegenüber der Eroberung der Grossstadt Mosul durch die USA und ihre schiitischen „Alliierten“ bietet einen interessanten Einblick in die Kriegführung beider Parteien. Die US-geführte Allianz setzt in einem dreifachen Zangenangriff gegen Mosul Einheiten der irakischen Kurden (Peschmerga) mit türkischer Artillerieunterstützung[1], der Armee des schiitischen Iraks und der durch Teheran geführten schiitischen Milizen (‘Asã’ib Ahl al-Haqq), mit insgesamt 50‘000 Mann (?) als Bodentruppen gegen die 4‘000 bis 7‘000 Kämpfer des IS ein.[2] In diesen Verbänden sind für die Beratung und für die Fliegereinsatzleitung Elitesoldaten und Instruktoren der USA embedded (eingebunden)[3]. Die Einheiten der Allianz werden durch die Artillerie der USA und Frankreichs sowie durch Kampfflugzeuge der „US-Allianz“ unterstützt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind dies vor allem amerikanische Erdkampfflugzeuge A-10C, Langstreckenbomber B-52 und Kampfhelikopter AH-64[4]. Der Vorstoss der Bodentruppen erfolgt u.a. mit Hilfe gepanzerter Hummwees.

Zur Verzögerung des Vorstosses setzt der Islamische Staat eine durchdachte Taktik und Gefechtsführung ein. Dazu gehören Scharfschützen, improvisierte Sprengfallen, Kämpfer mit Sprengladungen in Fahrzeugen, Tunnelkämpfe[5] sowie der Brand von Erdölförderanlagen und der Schwefelmine von Mishraq[6]. Gleichzeitig führen Kampfeinheiten des Islamischen Staates Umfassungen und Überfälle in den rückwärtigen Gebieten der US-Allianz aus, so gegen die durch die Kurden kontrollierte Stadt Kirkuk.[7] Mit diesen Umfassungen sollen nicht nur der US-geführte Angriff auf Mosul durch das Binden von Kampftruppen der Allianz verzögert, sondern auch neue Fronten gebildet werden. Bei diesen Operationen handelt es sich um die klassische Guerillakriegführung des Hit and Run. Zur gleichen Zeit führt der Islamische Staat Anschläge grosser Sprengwirkung gegen Ziele in Bagdad, wie etwa schiitische Moscheen, durch.[8]

Die Führung des Islamischen Staates nützt geschickt den zur Verfügung stehenden Raum mit den topographischen Hindernissen aus. Gleichzeitig wird der Faktor Zeit als Mittel der Kriegführung ausgenützt. Auf diesen klassischen Guerillakrieg sind die USA und ihre Alliierten nur bedingt vorbereitet. Die Einheiten des Islamischen Staates weichen der gegnerischen Überlegenheit aus und schlagen dort zu, wo die Kampftruppen der US-Allianz unaufmerksam und schwächer sind. Dies trifft vor allem für die rückwärtigen Gebiete der US-Allianz und für Bagdad zu. Entgegen den optimistischen Beurteilungen des Pentagons unter ihrem Verteidigungsminister Ashton Carter dürfte der Krieg gegen den Islamischen Staat nicht sobald beendet sein. Neben dem Kriegstheater Irak-Syrien setzt die Führung des Islamischen Staates auch das internationale Netzwerk mit Anschlägen gegen die europäischen und asiatischen Alliierten der USA ein. Während Obama und seine Berater mit dem Einsatz von Eliteeinheiten als Berater und dem Einsatz von Drohnen eine Kriegführung des taktischen Fummeln gegen den IS betreiben[9], setzt die Führung des Islamischen Staates unter dem Kalifen gegen die US-bestimmte Kriegführung eine durchdachte Strategie des Guerillakrieges und des Terrorismus ein.

Am Ende werden die 1.5 Millionen Sunniten von Mosul die Rechnung für das Fummeln der Obama-Kriegführung bezahlen.[10] Um dem Massaker durch die schiitischen Meuchelmörder der Amerikaner entgehen zu können, wird ihnen nichts anderes als die Flucht in die Türkei übrigbleiben.

[1] Karadeniz, T. and E. Toksabay, Turkey says its artillery playing role in Mosul, jets on standby, in: Reuters, October 24, 2016.

[2] Benhaida, S. and L. Barthelemy, Wave of strikes as IS puts up though defence of Mosul, in: Agence France-Presse, October 24, 2016.

[3] Tilghman, A., U.S. troops embedded with Iraqi brigades and battalions, push toward Mosul’s city center, in: Military Times Online, October 24, 2016.

[4] Tilghman, A.

[5] Benhaida, S. and L. Barthelemy.

[6] Tilghman, A.

[7] Abdul-Zahra, Q. and J. Krauss, Iraqis press toward Mosul, face questions about airstrike, in: Associated Press, October 24, 2016.

So auch Dehghanpisheh, B. and M. Georgy, Ferocity of Kirkuk attack points to tough fight for Mosul, in: Reuters, October 24, 2016.

[8] Abdul-Zahra, Q. and J. Krauss.

[9] Tilghman, A.

[10] Benhaida, S. and L. Barthelemy.

 

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