SU 27 der russischen Kunstflugstaffel Russkije Witjasi
SU 27 der russischen Kunstflugstaffel Russkije Witjasi

Nach wie vor wird die Lage in der Ost-Ukraine durch den Krieg bestimmt. Die Umsetzung des Abkommens von Minsk-II ist beinahe zu einer Chimäre verkommen. Bis vor kurzem führte Moskau Flächenbombardierungen gegen den Ost-Teil von Aleppo durch. Die russischen Bomber und Jagdbomber warfen dabei Freifallbomben ab. Gleichzeitig versucht Russland offenbar via Wikileaks mit Informationen russischer Hacker, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zu diskreditieren und damit den US-Wahlkampf im Sinn der Moskauer Führung zu beeinflussen.

Zur gleichen Zeit dringen russische Bomber und Jagdbomber in den Luftraum europäischer NATO- und Nicht-NATO-Staaten ein. Dabei soll die Reaktionslosigkeit von Washington D.C. und der NATO demonstriert werden. Durch die Stationierung operativ-taktischer Boden-Boden-Flugkörper Iskander-M in der russischen Enklave Kaliningrad und durch Manöver an den Grenzen der baltischen Staaten versucht Moskau, diese Staaten sowie Polen politisch einzuschüchtern oder gar zu Konzessionen zu zwingen.

Ausgehend von dieser Lage, die zunehmend einem neuen Kalten Krieg gleicht, wäre theoretisch eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und den USA denkbar. Dazu muss bemerkt werden, dass beide Staaten Nuklearmächte sind, die über bedeutende Arsenale grosser Vernichtungswirkung verfügen. Diese Nukleararsenale garantieren den beiden Mächten vorderhand eine gegenseitige Abschreckung. Ein Krieg zwischen ihnen ist deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durchführbar. Dagegen nehmen regionale und lokale Kriege zu. Gleichzeitig nimmt auch die Teilnahme Russlands und der USA in diesen Kriegen zu. In Anbetracht der Tatsache, dass viele Staaten auf dieser Welt in der Vergangenheit und in der Gegenwart russische Waffen gekauft haben, werden die USA in Zukunft in regionalen und lokalen Kriegen in zunehmendem Masse mit russischen Waffensystemen konfrontiert.[1]

Die erste und vermutlich auch entscheidende Phase in einem Krieg dürfte immer noch der Luftkrieg sein. Russland setzt in seinem Luftkrieg in Syrien moderne Luftüberlegenheitsjäger Su-35S Flanker E, die ursprünglich aus dem Kampfflugzeug Su-27 entwickelt worden sind, für den Begleitschutz seiner Bomber und Jagdbomber ein. Dank der Schubvektorsteuerung verfügt ein Su-35S über eine hohe Manövrierfähigkeit. Mit Ausnahme der amerikanischen Stealth-Kampfflugzeuge F-22A Raptor von Lockheed Martin könnte ein Su-35S für jedes andere US-Kampfflugzeug gefährlich werden. Sowohl China wie auch Nord-Korea könnten in absehbarer Zeit Su-35S in Dienst stellen.

Bekannt ist, dass Russland neue nuklearangetriebene U-Boote der Borey-Klasse für den Einsatz ballistischer Flugkörper und nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote der Sewerodwinsk-Klasse in Dienst stellt. Wenig beachtet wird, dass Russland auch neue dieselelektrische U-Boote der Amur-Klasse konstruiert. Die Amur-U-Boote sind mit hochmodernen Torpedos und Lenkwaffen ausgerüstet und könnten wegen des leisen Antriebs auch nuklearangetriebenen Angriffs-U-Booten der Amerikaner gefährlich werden. An U-Booten der leistungsfähigen Amur-Klasse sind offenbar verschiedene Staaten interessiert.

Der Kampfpanzer T-90 ist, bis der Kampfpanzer Armata einsatzbereit sein wird, der modernste Kamppanzer im russischen Arsenal. Der T-90 stellt eine Weiterentwicklung des T-72 dar und ist bedeutend billiger als die westlichen Kampfpanzer, so der deutsche Leopard 2 oder der amerikanische M1A2 Abrams. Der T-90 verfügt über moderne Sensoren, ein modernes Feuerleitsystem, eine neue Reaktivpanzerung und ein modernes Selbstschutzsystem. Die russischen Streitkräfte haben über 350 T-90 einsatzbereit (+200 in Depots)[2]. Die Streitkräfte von Indien, Aserbaidschan, Algerien, Turkmenistan und Uganda haben T-90. Vietnam könnte am Kauf von T-90 interessiert sein.

Die Anti-Schiffs-Lenkwaffe P-800 Oniks/BraMos fliegt beinahe Mach 3 und wurde durch Russland und Indien gemeinsam entwickelt. Sie kann von Kriegsschiffen, Flugzeugen oder vom Land aus gegen gegnerische Kriegsschiffe eingesetzt werden. Mit der Reichweite von 300 km übertreffen diese Lenkwaffen jene der amerikanischen Harpoon-Lenkwaffen. Neben Russland ist diese Lenkwaffe in den Streitkräften von Vietnam und Indonesien im Einsatz. Auch andere Staaten sind am Erwerb dieser Lenkwaffe interessiert.

Der russische Torpedo 53-65 ist eine sehr gefährliche Waffe, mit der Kriegsschiffe der U.S. Navy in einem regionalen oder lokalen Krieg konfrontiert werden könnten. Die Volksrepublik China hat einige Exemplare davon gekauft.

Russland hat in den letzten acht Jahren die USA in vielen Bereichen waffentechnologisch eingeholt, wenn nicht sogar überholt. Wie der Krieg in Syrien beweist, sind die russischen Waffen heute sehr wirkungsvoll und deshalb ernst zu nehmen.

 

[1] These are the 10 Killer Weapons Russia and America Would Use in a war, in: The National Interest, October 10, 2016.

[2] The Military Balance 2016, The International Institute for Strategic Studies, London, 2016, P. 190.

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