Times Square in New York
Times Square in New York

In der Geschichte der USA ist der Verrat an „Alliierten“ keine Ausnahme. So haben sie in den Kriegen gegen die nordamerikanischen Indianer immer wieder ihre indianischen Verbündeten nach einem erfolgreichen Krieg fallengelassen und verraten. Das bekannteste Beispiel ist aber ihr Verrat an Nationalchina. Nachdem sich die Nixon-Administration 1969 dem kommunistischen China angenähert hatte, wurde die Volksrepublik China durch die UN-Resolution 2758 der UN-Generalversammlung als die einzige legitime Vertreterin Chinas anerkannt. Beijing übernahm im Sicherheitsrat den Sitz von Taiwan. Dieses wurde aus der UNO ausgeschlossen. 1972 besuchte Präsident Nixon die Volksrepublik. Die USA anerkannten damit offiziell die Volksrepublik als die einzige legitimierte Vertretung von China und liessen Taiwan, das sich seit 1949 immer als treuer Alliierter der USA erwiesen hatte, fallen.

Das nächste Beispiel war Südvietnam unter dem Präsidenten Thieu. Nachdem sie sich 1973 militärisch aus Südvietnam zurückgezogen hatten, verfolgten die USA 1975 die Eroberung Südvietnams durch die Streitkräfte des Nordens. Damit überliessen sie das Land der kommunistischen Diktatur von Hanoi.

Ab 1978 rüsteten die USA die afghanischen Mujaheddin in ihrem Kampf gegen die kommunistische Regierung von Kabul mit Waffen aus. Diese Handlung zielte offenbar darauf ab, die Sowjetunion zu einem Einmarsch nach Afghanistan zu verleiten. Als das sowjetische Politbüro sich für die Hilfe an Kabul entschied, marschierte im Dezember 1979 die 40. Armee in Afghanistan ein. Nun ermunterte Washington die Mujaheddin zu einem Abnützungskrieg gegen diese kampfstarke Armee. Als die finanziellen und menschlichen Aufwendungen für diesen Krieg nicht mehr tragbar wurden, zog Moskau 1989 seine Armee aus Afghanistan ab. Dieser Krieg trug zu einer erheblichen Schwächung der UdSSR bei. Die afghanischen Mujaheddin hatten aus der Sicht Washingtons ihren Auftrag erfüllt. Die USA überliessen das Land dem 1992/93 ausbrechenden Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Fraktionen der Mujaheddin.

1994 erschienen auf dem afghanischen Kriegstheater die Taliban als neue politische und militärische Organisation. Nun schien es so, als ob diese in der Lage sein könnten, Afghanistan unter ihre Herrschaft zu zwingen und damit zu einigen. Jetzt bekundete der amerikanische Erdölmulti UNOCAL sein Interesse an einer Konzession für eine Gaspipeline von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan. Die Clinton-Administration wandte ihre Aufmerksamkeit den Taliban zu und sprach 1995 der Mujaheddin-Regierung von Präsident Rabbani offenbar die Legitimität Afghanistan zu vertreten ab.

Nach den Anschlägen von 9/11 auf die beiden Türme in New York und das Pentagon verlangte die Bush-Administration von den Taliban die Auslieferung des mutmasslichen Drahtziehers der Anschläge, des Saudis Osama bin Laden. Als die Taliban die Auslieferung verweigerten, beschloss Washington D.C. das Taliban-Regime durch einen Krieg zu stürzen. Der Luftkrieg der USA wurde terrestrisch durch Kampfgruppen der Mujaheddin unterstützt, die dazu durch die CIA rekrutiert worden waren. Die Mujaheddin eroberten im Dezember 2001 die Hauptstadt Kabul und vertrieben die Taliban von der Macht. Anstatt die Wiedereinsetzung der Regierung Präsident Rabbanis zuzulassen, wurde dieser durch die USA zum Rücktritt gezwungen und durch den zuerst pflegeleicht erscheinenden Paschtunen Hamid Karzai ersetzt. Erst Jahre später zeigte sich, dass die Amerikaner sich in der Manipulationsfähigkeit von Karzai getäuscht hatten.

In ihrem Krieg gegen den Islamischen Staat (IS) hat die Obama-Administration 2015 die Kampffähigkeit der syrischen Kurden erkennen müssen. Bei der Rückeroberung der Grenzstadt Kobane bewiesen die syrischen Kurden der YPG ihre eindrucksvolle Kampfkraft. Der türkische Machthaber Erdogan hat die syrischen Kurden jedoch als Feinde der Türkei deklariert und geht militärisch auch gegen ihre Kampfgruppen in Syrien vor. Die syrischen Kurden sind durch Washington D.C. daher nun offensichtlich zugunsten der Ambitionen des türkischen Gewaltherrschers geopfert worden.

Der nächste Akt im Trauerspiel der durch die USA initiierten Geschichte von Verraten wäre nun jener an der syrischen Opposition. Aus dem Drang heraus, den IS bald besiegen zu können, hat sich die Obama-Administration in Syrien zur Koordination des Luftkrieges und damit zu einem Quasi-Bündnis mit Moskau entschieden. Der Preis dafür hätte die syrische Opposition zu leisten, die bisher durch die USA mit Waffen versorgt worden ist und die an das Versprechen von Washington D.C. zum gemeinsamen Sturz von Assad glaubte.