Syrien-April-2009Für die Bekämpfung des Islamischen Staates (IS) und die Eroberung der Grossstadt Mosul ist die Obama-Administration eine Quasi-Allianz mit den schiitischen Milizen im Irak und damit mit deren Mentoren, der iranischen Revolutionsgarde, eingegangen. Ohne den Einsatz deren terrestrischen Kampftruppen ist ein Sieg über den Islamischen Staat im Irak undenkbar. Nach dem Sieg der Schiiten im nordöstlichen Irak dürfte bereits heute gewiss sein, dass der Terror des IS durch den Terror der schiitischen Milizen ersetzt wird, der zur Ermordung vieler sunnitischer Araber führen dürfte. Das Ergebnis dieser Quasi-Allianz der Amerikaner wird ein Genozid an den sunnitischen Arabern im Irak sein. Der IS-Teufel dürfte im Irak sehr bald durch den Beelzebub der schiitischen Milizen abgelöst werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Allianz der Obama-Administration mit den kurdischen Peschmerga im Irak. Deren Truppen werden so schnell als möglich das früher durch sunnitische Araber besiedelte Land für sich in Anspruch nehmen wollen. Im Endergebnis wird dies die Vertreibung sunnitischer Araber aus dem nordöstlichen Irak bedeuten.

In Syrien ist die Obama-Administration in ihrem Krieg gegen den Islamischen Staat eine Allianz mit den Kurden der Partiya Yekitîya Demokrat (PYD, Partei der Demokratischen Union) eingegangen. Unter Ausnützung der Lage wollen diese Kurden am Ende einen eigenen Staat in Syrien gründen. Diese Allianz ist bereits heute für die Vertreibung von sunnitischen Arabern aus ihren angestammten Gebieten sowie für den Einmarsch der türkischen Armee in Syrien und für deren Einsatz gegen die Kampfverbände der PYD verantwortlich. Gleichzeitig hat dieses unbedachte Vorgehen der Amerikaner auch die Türkei in eine Quasi-Allianz mit Russland getrieben. Präsident Erdogan will jetzt die alte politische Ordnung im Mittleren Osten umkrempeln. Nicht nur hat er den russischen Luftstreitkräften in ihrem Luftkrieg gegen die syrischen Quasi-Verbündeten der USA die Benützung des türkischen Stützpunktes Incirlik angeboten[1], er ist offenbar auch bereit die Regierung von Assad in Syrien zu akzeptieren.

Mit ihrer Politik und Strategie tragen die USA zur Destabilisierung der regionalpolitischen Lage bei und heizen gleichzeitig den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Mittleren Osten an. Vor allem dieser Konflikt dürfte für Jahre wenn nicht sogar Jahrzehnte, die Beendigung der Kriege in Syrien, im Irak und im Jemen verunmöglichen.

Für diese geopolitischen Fehlleistungen ist die strategische Konzeption von Vizepräsident Joe Biden verantwortlich. Unter keinen Umständen sollen aufgrund der Erfahrungen im Vietnamkrieg im grösseren Umfang amerikanische Bodentruppen im Krieg gegen den IS eingesetzt werden. An ihrer Stelle nehmen die USA die Kriegführung dubioser Alliierter gegen den Islamischen Staat in Kauf und unterstützen deren Mordaktionen vor allem durch amerikanische Luftstreitkräfte. Ohne Präsenz zahlenmässig bedeutender Bodentruppen können die USA die Zukunft des Mittleren Ostens aber nicht beeinflussen. Damit ist absehbar, dass in Zukunft der ganze Raum durch Chaos und die Ermordung religiöser und ethnischer Minderheiten bestimmt sein wird. Barack Obama dürfte mit seiner Geopolitik im Mittleren Osten definitiv gescheitert sein.

[1] Vandiver, J., Turkey open to Russian planes at US Incirlik hub, in: Stars and Stripes, August 23, 2016.

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