Tu 22M3MR Backfire C
Tu 22M3MR Backfire C

Die Einsätze der Mittelstreckenbomber Tu-22M3 gegen Ziele in Syrien sind bisher von russischen Stützpunkten aus erfolgt. Dabei warfen diese Bomber über Syrien Freifallbomben ab. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 900 km/h und einer internen Bombenzuladung von bis zu 12 Tonnen (Freifallbomben FAB-250, 250 kg Sprengkraft) erreicht ein solcher Bomber einen maximalen Aktionsradius von bis zu 2‘200 km. Wird die Möglichkeit der externen Zuladung ausgenützt, können bis zu 24 Tonnen (insgesamt 69 FAB-250, davon 36 extern) mitgeführt werden. Der maximale Aktionsradius beträgt in diesem Fall 1‘500 km.[1]

Durch den Einsatz von Freifallbomben können grössere Flächenziele in einem einzigen Bombenabwurf zerstört werden. Freifallbomben wurden in vielen Kriegen der Vergangenheit für die Vernichtung ganzer Städte eingesetzt. Das Ziel der Flächenbombardierungen bestand darin, durch die Demoralisierung der Bevölkerungen des Dritten Reichs und Japans die Unterstützung ihrer Regime zu beenden. Aus dem Zweiten Weltkrieg sind die strategischen Bombardierungen des British Bomber Command von Köln, Hamburg und Dresden sowie die Atombombenabwürfe der USAAF (U.S. Army Air Force) auf Hiroshima und Nagasaki bekannt.[2] Mit dieser Taktik des Luftkrieges dürften zum gegenwärtigen Zeitpunkt die syrische und die russische Luftwaffe ein ähnliches Ziel verfolgen. Offenbar soll Aleppo durch den Abwurf von Freifallbomben zerstört, die noch dort lebende Bevölkerung demoralisiert und ihre Unterstützung für die Aufständischen beendet werden. Durch empirische Untersuchungen der strategischen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg konnte allerdings die Hypothese über die Wechselbeziehung der Wirkung der Bombardierungen auf die Bevölkerungen und des Abbruchs ihrer Unterstützung für ihre Regime nicht validiert werden. Vielleicht könnte diese Art von Luftkrieg auch im Fall von Aleppo scheitern.

Für das Auftanken ihrer Mittelstreckenbomber Tu-22M3 bei den Einsätzen gegen Ziele in Syrien durfte bis vor kurzem die russische Luftwaffe, mit Zustimmung des obersten geistlichen Führers der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Ali Khamenei, den iranischen Fliegerstützpunkt Hamedan benützen.[3] Ob die Tu-22M3 auch dort hätten stationiert werden sollen, geht aus den offiziellen Erklärungen aus dem Iran nicht hervor. Durch dieses Zwischenauftanken wäre der Einsatzflug der Tu-22M3 verkürzt worden und die Bomber hätten die maximale Zuladung an Bomben mitführen können. Die Leistungsfähigkeit der Überschallbomber wäre dadurch voll ausgenützt worden.

Offenbar ist diese Zustimmung jetzt zurückgezogen worden. Der Einsatz der Tu-22M3 ab dem Fliegerstützpunkt Hamedan wäre auch ein Hinweis auf die immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran im Krieg gegen die syrischen Aufständischen zwecks Erhaltung des Regimes von Assad gewesen.[4] Auch ohne die Benützung des Stützpunktes Hamedan können Russland und der Iran aber ihre Kriege in Syrien wie im Irak, ohne eine US-Intervention befürchten zu müssen, betreiben. Diese Veränderung der geopolitischen Lage wird nicht mehr umkehrbar sein.

[1] Gunston, B., Tupolev Aircraft since 1922, Putnam Aeronautical Books, London, 1995, P. 211/213.

[2] Buckley, J., Air Power in the Age of Total War, UCL Press, London, 1999, P. 153-197.

[3] Ben Taleblu, B. and Amir Toumaj, Russian warplane to reportedly use Iranian air base for refuelling, amir_toumaj@longwarjournal.org, August 18th, 2016.

[4] Hodge, N., Putin Keeps Up Syria Airstrikes From Iranian Base, in: The Wall Street Journal, August 18, 2016, P. A3.