Shanghai, aufsteigende Seemacht
Shanghai, aufsteigende Seemacht

Schrittweise festigt China durch den fortgesetzten Ausbau bereits errichteter künstlicher Inseln seinen Machtanspruch auf das Südchinesische Meer. Gegenwärtig demonstriert Beijing diesen Machtanspruch durch Flüge chinesischer Mittelstreckenbomber H-6K und Kampfflugzeuge Su-30 über die künstliche Insel „Scarborough Shoal“, die als Teil der Spratley Islands auch von den Philippinen beansprucht wird.[1] China hat im Südchinesischen Meer neben „Scarborough Shoal“ durch Aufschüttungen von Riefen eine ganze Reihe künstlicher Inseln errichtet. Dazu gehören gemäss amerikanischen Angaben:[2] Mischief Reef Outposts (North and South), Johnson Reef South Outpost, Hughes Reef Outpost, Subi Reef Outpost, Cuarteron Reef Outpost, Fiery Cross Reef Outpost, Gaven Reef Outpost. Auf diesen künstlichen Inseln hat China militärische Infrastrukturen wie Hauptquartiere, Flugplätze und Häfen erstellt. Verschiedene dieser Inseln sollen bereits über Fliegerabwehreinrichtungen verfügen.

Dank seiner konsequenten Aufrüstung markiert China neben dem Bau der künstlichen Inseln seinen Machtanspruch auch durch eine ständige militärische Präsenz in diesem Meer. Dazu gehört neben den Flügen von Mittelstreckenbombern die Anwesenheit von Kriegsschiffen der chinesischen Seestreitkräfte, so auch von U-Booten. Gleichzeitig haben die Patrouillenboote und Kriegsschiffe der chinesischen Küstenwache den Auftrag, die Fischerboote der übrigen Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres zu verjagen und allfällige Erdöl-Prospektionen dieser Staaten zu behindern bzw. zu verhindern. China kann diese Einschüchterungs- und Nötigungspolitik grenzenlos durchsetzen, verfügt Beijing doch gegenüber allen Anrainerstaaten über eine eindeutige militärische Überlegenheit an konventionellen Streitkräften.

Die einzige Macht, die China dank ihrer überlegenen Seestreitkräfte in Schach halten könnte, wären die USA. Anstelle einer demonstrativen Verlegung von Trägerkampfgruppen in das Südchinesische Meer setzt die Obama-Administration lieber auf die Diplomatie und die schönen Worte ihres Aussenministers John Kerry. Mit dieser demonstrierten Ohnmacht dürfte die amerikanische Seemacht langfristig bei ihren Alliierten und Verbündeten im Westlichen Pazifik, ähnlich wie im Mittleren Osten, jegliche geopolitische Glaubwürdigkeit verlieren.

[1] Larano, Cr. and J. Page, Beijing Flies Bombers Over Disputed South China Sea, in: The Wall Street Journal, August 8, 2016, P. A5.

So auch Browne, A., The Spectre of an Accidental China-U.S. War, in: The Wall Street Journal, August 17, 2016, P. A2.

[2] Department of Defense, Annual Report to Congress, Military and Security Developments Involving the People’s Republic of China 2016, Washington DC, 2016, P. 14-20.

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