Die präsumtive Aussen- und Wirtschaftspolitik des Trumpismus lässt sich unter dem Motto „America First“ durch folgende zwei Inhalte umschreiben:

  • Isolationismus der USA
  • Abkehr vom Freihandel

Bereits heute dürfte die Annahme zutreffen, dass Hillary Clinton vor allem wegen unbedachten Äusserungen von Donald Trump – so seines Angriffes auf die Eltern des Kriegshelden Hauptmann Kahn – im November zur ersten Präsidentin der USA gewählt wird. Entgegen der Erwartungen der führenden Republikaner und der Vertreter der Wirtschaft dürfte sie aber als Präsidentin eine Aussen- und Wirtschaftspolitik verfolgen, die viele Gemeinsamkeiten mit den Inhalten des Trumpismus aufweisen wird: Isolationismus und Abkehr vom Freihandel.[1] Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Während ihrer Kampagne um die Vorwahlen musste sie die Angriffe von Senator Sanders abwehren. In wesentlichen Punkten entsprach aber die Kampagne von Sanders jener des Trumpismus, mit dem Unterschied, dass sich Sanders als Sozialist bezeichnete. Deshalb glich sich Hillary Clinton zunehmend den Slogans von Sanders an;
  2. Wegen des zunehmenden Drucks seitens des Heers der verarmten Mittelschicht wird sich Hillary Clinton nach ihrer Wahl an die Slogans von Sanders bezüglich Isolationismus und Abkehr vom Freihandel halten müssen. Die amerikanische Gesellschaft besteht heute im Wesentlichen aus Superreichen und einer Unterschicht, die in der Armut vegetiert. Noch vor 15 Jahren bildete die Mittelschicht das Scharnier zwischen Superreichen und der Unterschicht. Zerfällt dieses Scharnier definitiv, dann werden in den USA gravierende Unruhen ausbrechen, mit dem Ergebnis, dass die USA als Staat zerfallen könnten. Diese Entwicklung wird Hillary Clinton mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, durch Konzessionen an die verarmte Mittelschicht abwenden wollen, dies unter dem Motto „America First“.

Die Umsetzung des Trumpismus als Richtlinie der Aussen- und Wirtschaftspolitik einer Hillary Clinton dürfte das Ende des Weltpolizisten USA bedeuten. Die geopolitischen Konsequenzen einer solchen Politik sind bereits heute sichtbar geworden. Dazu gehört der Zusammenbruch der Vormachtstellung der USA im Mittleren Osten.

[1] Seib, G.F., Separating Donald Trump From Trumpism, in: The Wall Street Journal, August 9, 2016, P. A2.