Noch 2013 verkündete US-Präsident Obama grossspurig eine rote Linie für den Fall, dass das Assad-Regime weitere Gasangriffe gegen die Opposition führen würde, und drohte mit dem Einsatz seiner Luftstreitkräfte gegen die Militärmacht von Assad. Dank der schlauen Diplomatie des russischen Präsidenten Putin bezüglich einer überwachten Vernichtung der chemischen Waffen von Assad konnte Obama von seinem angedrohten Luftkrieg Abstand nehmen. Anstelle von C-Waffeneinsätzen werden nun aber gemäss Dokumentationen von Human Rights Watch seit 2015 von russischen und syrischen Jagdbombern immer mehr Streu- und Brandbomben über die Stellungen der Opposition, so vor allem über Aleppo abgeworfen. Dabei sollen nicht nur die Stellungen der Aufständischen bombardiert werden, sondern auch Marktplätze, Bäckereien und Krankenhäuser.[1]

Im Kessel von Aleppo harren neben den Kampftruppen der Opposition vermutlich noch bis zu 300‘000 Zivilisten aus.[2] Sollte der Kessel von Aleppo durch die libanesischen, iranischen, kurdischen und afghanischen Söldner von Assad, unterstützt von russischen und syrischen Jagdbombern, eingenommen werden, dann müsste mit einer weiteren Fluchtbewegung sunnitischer Araber gerechnet werden. Am Ende würden diese Flüchtlinge vermutlich ihr Heil in Europa suchen wollen.

Neben Assad dürften die Jihadisten die eigentlichen Profiteure der Schlacht um Aleppo sein. Zu diesen gehört die al-Nusrah-Front, die sich jetzt durch einen taktischen Schachzug von Al-Kaida als unabhängig erklärt hat und sich neu als „Jabhat Fatah al-Sham“ (Front zur Eroberung Gross-Syriens) bezeichnet. Ihre Waffen werden durch gläubige Geldgeber aus den Golfstaaten finanziert.[3] In Konkurrenz zum Islamischen Staat (IS) könnten diese Jihadisten sich aufgrund ihrer militärischen Erfolge, so durch den Abschuss syrischer Kampfpanzer und russischer Helikopter in der Schlacht um Aleppo durch waffentechnisch einfache Waffen wie Raketenrohre RPG-7, als die eigentliche Opposition zum Regime von Assad und seiner Alliierten profilieren. Am Ende könnte die „Jabhat Fatah al-Sham“ ihren Machtanspruch über ganz Syrien ausdehnen und einen Jihadisten-Staat errichten, der sogar jenen des Islamischen Staates überdauern könnte.

Schliesslich müssten die fehlenden Reaktionen von Obama und einzelnen europäischen Staatschefs wie der Bundeskanzlerin Merkel gegenüber den in Syrien begangenen Kriegsverbrechen und der Zerstörung von Aleppo für diese Entwicklung als verantwortlich bezeichnet werden.

[1] Böhm, A., Im Kessel. In Aleppo tobt die Entscheidungsschlacht um Syrien. Das Ergebnis wird man in Europa spüren. Zeit Online, 4. August 2016, S. 2.

[2] Böhm, A., S. 1.

[3] Böhm, A., S. 1.