Istanbul-blaue_MoscheeDie Republik Türkei wurde am 29. Oktober 1923 durch Marschall Mustafa Kemal (1881-1923) ausgerufen und begründet. Am 3. März 1924 wurde auch das Kalifenamt abgeschaffen. Mustafa Kemal setzte als Präsident eine Gesellschaftsreform mit einer prowestlichen Säkularisierung für die moderne Türkei durch. Dazu gehörten die Frauenemanzipation, die Durchsetzung des Prinzips „gleiche Rechte für Mann und Frau“, die Neuordnung des Scheidungsrechts und die Gleichstellung in der Schulausbildung. Er verbot die osmanische Kopfbedeckung des Fez für Männer und den Schleier für Frauen. Mit aller Härte ging er gegen innenpolitische Gegner und auch gegen die Kurden vor. Er erhielt 1934 von der Nationalversammlung den Beinamen „Atatürk“, „Vater der Türken“. Am 10. November 1938 verstarb er in Istanbul.

Diese kemalistische Republik mit ihrer säkularen Ausrichtung wird jetzt durch Erdogan demontiert, in dem er den gescheiterten Putsch als Vorwand für seinen Rachefeldzug und die Umwandlung der Republik in eine Islamische Republik ausnützt. Seine Basis sind die Menschen aus Anatolien, die Bazaris, die Polizei, die Mullahs sowie die Flüchtlinge sunnitischen Glaubens aus dem Norden Syriens. Aussenpolitisch wird Erdogan aus opportunistischen Gründen durch die Bundeskanzlerin Merkel und den US-Präsident Obama unterstützt. Merkel hofft immer noch mit Hilfe von Erdogan die durch sie initiierte Völkerwanderung kontrollieren zu können. Obama hofft durch die Benutzung des türkischen Stützpunktes Incirlik ungehindert die Stellungen des Islamischen Staates bombardieren zu können. Beide verkennen bewusst das Ziel von Erdogan, das er durch die Abschaffung der kemalistischen Türkei verfolgt. Er will am Ende einen islamisch-faschistischen Staat, der ihm die Alleinherrschaft ermöglichen wird. Die durch ihn in Gang gesetzte Zerstörung des kemalitischen Staates könnte allerdings zu einem Chaos führen und damit mit dem Ende der Türkei als Staat und NATO-Mitglied zwischen Europa und Asien enden.

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