Die Sklaveninsel Ile de Gorée vor Dakar in Senegal
Die Sklaveninsel Ile de Gorée vor Dakar in Senegal

Der französische Präsident François Mitterand hat vor dem Ende des Kalten Krieges das frankophone Westafrika als eine Zukunft Frankreichs bezeichnet. Ihm nachfolgende Präsidenten haben diese Beurteilung allerdings relativiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat Frankreich aber wieder zunehmend militärische Operationen und damit Interventionen in Westafrika ausgeführt.[1] Bereits 1990 intervenierte Frankreich gegen einen von Libyen initiierten Aufstand im Tschad. Seither nimmt der Tschad in der Afrikapolitik Frankreichs eine hohe Bedeutung ein. 2008 wurde wiederum mit der Unterstützung französischer Truppen, im Tschad ein durch den Sudan ausgelösten Aufstand niedergeschlagen. 2012 half Frankreich dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik bei der Beseitigung eines anderen Aufstandes. Zwei Jahre später erfolgte der Einsatz in Mali gegen die Sezession der Tuareg, die dabei von Al-Kaida unterstütz wurden.

Mit verschiedenen westafrikanischen Staaten (vermutlich Mauretanien, Mali, Senegal, Elfenbeinküste, Niger, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kamerun, Gabun, Burkina Faso, Togo) soll Frankreich jetzt ein geheimes Verteidigungsabkommen abgeschlossen haben. Als Gegenleistung für die Zusicherung der Verteidigung ihrer nationalen Souveränität darf Frankreich in diesen Staaten militärisch präsent sein, dabei ihre wirtschaftlichen Infrastrukturen und ihre sozialen Netzwerke und Institutionen (einschliesslich des Bildungswesens) fördern. Vor kurzem ist in fünf dieser Staaten die Operation Barkhane mit mehr als 3‘000 französischen Soldaten für die Terrorismusbekämpfung ausgelöst worden.

Gemäss dem International Institute for Strategic Studies in London ist Frankreich in westafrikanischen Staaten wie folgt präsent:[2]

Burkina Faso: Operation Barkhane mit einem Bestand von 220 Soldaten

Zentralafrikanische Republik: Operation Sangaris  mit einer gepanzerten Battle Group und einem Helikopterdetachement (insgesamt 900 Soldaten)

Tschad: Operation Barkhane mit einer mechanisierten Battle Group, vier Kampfflugzeugen Rafale F3, verschiedene Transportflugzeuge und Helikopter (Bestand 1‘250 Soldaten)

Elfenbeinküste: eine gepanzerte Battle Group, 1 Transportflugzeug (Bestand 600 Soldaten)

Gabun: ein Luftlandebataillon, eine Transportflugzeugstaffel (Bestand 450 Soldaten)

Golf von Guinea: Operation Corymbe mit einem amphibischen Landungsschiff

Mali: Operation Barkhane mit einer mechanisierten Battle Group, einem logistischen Bataillon, zwei Tiger-Kampfhelikoptern (Bestand 1‘680 Soldaten)

Niger: Operation Barkhane mit vier Kampfflugzeugen Mirage 2000C/D und einem Kampfdrohnendetachement (Bestand 350 Soldaten)

Senegal: ein Detachement mit Transportflugzeugen (Bestand 350 Soldaten)

Der abgeschlossene Verteidigungsvertrag und die gegenwärtige Truppenpräsenz lassen erkennen, dass Frankreich, trotz seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem BREXIT, auch in Zukunft seine geostrategischen Interessen in Westafrika aufrechterhalten wird.

[1] Where France Would Intervene Next in Africa, Stratfor, May 9, 2016, 09:00 GMT.

[2] The Military Balance 2016, The International Institute for Strategic Studies, London 2016, P. 99/100.