Marokkanisches Patrouillenboot, 307-Commandant-Azouggarh, Lazage-Klasse
Marokkanisches Patrouillenboot, 307-Commandant-Azouggarh, Lazage-Klasse

Zwischen den beiden Staaten Marokko und Algerien bestehen seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich mehrere Grenzkonflikte, die auch zu Kriegen geführt haben und heute noch das Verhältnis zwischen den beiden Staaten bestimmen, das immer noch durch Misstrauen geprägt ist.[1] Als Folge der unklaren Grenzziehungen brach im Oktober 1963 der sogenannte Sandkrieg zwischen den beiden Staaten aus. Dieser Krieg konnte durch die Bestimmung der Grenzen 1972 offiziell beendet werden. Wegen dieser Grenzziehung herrscht aber zwischen Algerien und Marokko nach wie vor eine stille Feindschaft.

1975 brachen zwischen den beiden Staaten wegen des Krieges in der Westlichen Sahara neue Spannungen aus. Die spanische Kolonie war von Marokko zuerst einvernehmlich mit Mauretanien und anschliessend vollständig durch Marokko besetzt worden. Algerien unterstützte die Polisario, die als Bewegung der Einwohner der Westlichen Sahara die vollständige Unabhängigkeit von Marokko mit Waffengewalt suchte. Algerien unterstützte die Polisario mit schweren Waffen und stellte das eigene Gebiet als Rückzugsgebiet zur Verfügung. Mit seiner Unterstützung wollte Algerien die Expansion und den regionalen Einfluss Marokkos eindämmen. 1976 eskalierte die Konfrontation mit der Schlacht von Amgala. Im September 1991 wurde der Krieg der Westlichen Sahara offiziell mit einem Waffenstillstand beendet. Marokko behielt 80% der Westlichen Sahara und die Polisario musste sich mit dem Rest begnügen. Da die folgenden Verhandlungen ergebnislos blieben, bestimmt dieser Konflikt nach wie vor die Beziehungen zwischen Marokko und Algerien.

Dieser Konflikt ist auch der Motor, der die Aufrüstung der beiden Staaten bestimmt. Durch die Ausrüstung seiner Berufsarmee mit modernen Waffen will Marokko jedem Angriff seitens Algerien begegnen können. Während Jahrzehnten war Marokko mit seiner Armee in der Lage, Algerien von jeglicher Aggression abschrecken zu können. Seit 2003 setzt nun Algerien zunehmend einen erheblichen Teil seiner Einnahmen aus der Erdöl- und Erdgasförderung für die Aufrüstung seiner Streitkräfte ein. Noch 2000 übertrafen die Verteidigungsausgaben Marokkos jene von Algerien. Dies ist nun nicht mehr der Fall.[2]

Seit 2009 übertreffen die Verteidigungsausgaben von Algerien sogar jene von Südafrika, die bis zu diesem Zeitpunkt zu den höchsten Verteidigungsausgaben in Afrika gehörten. 2015 gab Algerien für seine Verteidigung $10.8 Milliarden aus.[3] Im gleichen Jahr setzte Marokko $3.29 Milliarden für seine Streitkräfte ein.[4] Ende 2016 dürfte Algerien noch mehr für seine Streitkräfte ausgeben. Im Januar 2016 gab die algerische Regierung bekannt, dass sie 12 hochmoderne Jagdbomber Su-34 in Russland (dieser Bombertyp ist in Syrien im Einsatz) bestellt habe und im April 2016 wurde publik, dass Algerien die Zahl der russischen Kampfhelikopter Mi-28NE von 8 auf 42 steigern werde. Gleichzeitig würden mit Russland Verhandlungen über den Kauf moderner Mehrzweckkampfflugzeuge Su-35 und andere Rüstungsgüter geführt.

Bereits heute ist das militärische Übergewicht von Algerien gegenüber Marokko eindeutig. Dies lässt sich anhand des Potentials an schweren Waffen erkennen. So verfügte Algerien 2015 über:[5]

  • 1‘195 Kampfpanzer, davon waren 300 hochmoderne T-90 aus russischer Produktion;
  • 1‘091 Artillerieeinheiten (Geschütze, mechanisierte Artillerie, Mehrfachraketenwerfer)
  • 4 dieselelektrische Angriffs-U-Boote
  • 4 Fregatten
  • 24 Patrouillen- und Küstenkampfschiffe
  • 119 Kampfflugzeuge, davon waren 44 hochmoderne Jagdbomber des Typ Su-30MKA.

Im Vergleich dazu sah das Kampfpotential von Marokko teilweise bescheiden aus:[6]

  • 434 Kampfpanzer (ältere T-72, M60A1 und M60A3)
  • 2‘141 Artillerieeinheiten (vor allem mechanisierte und gezogene Geschütze)
  • 1 Zerstörer
  • 5 Fregatten
  • 50 Patrouillen- und Küstenkampfschiffe
  • 90 Kampfflugzeuge, davon 22 ältere F-5E/F Tiger II und 23 F-16C/D Fighting Falcon.

Die Überlegenheit von Algerien gegenüber Marokko bezüglich Feuerkraft (Kampfpanzer, Artillerie, Kampfflugzuge) ist eindeutig. Marokko muss diese Überlegenheit so bald als möglich durch die Unterstützung seiner Alliierten (USA, u.a.) mit dem Kauf neuerer Waffen ausgleichen. Andernfalls kann Marokko aufgrund seiner militärischen Unterlegenheit früher oder später durch Algerien erpresst werden.

[1] Bad Blood Still Flows Between Algeria and Morocco, Stratfor, May 3, 2016, 09:30 GMT.

[2] The Balance of Power Shifts Between Algeria and Morocco, Stratfor, May 4, 2016, 17:02 GMT.

[3] The Military Balance 2016, The International Institute For Strategic Studies, London, 2016, P. 320.

[4] The Military Balance 2016, P. 344.

[5] The Military Balance 2016, P. 320/321.

[6] The Military Balance 2016, P. 344-346.