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Der Felsendom beim Eindunkeln
Der Felsendom beim Eindunkeln

Die Volkswirtschaft

Trotz der jährlichen Wachstumsrate von 2.5-2.6% hat das Bruttosozialprodukt von 306 Milliarden US$ im Jahre 2014 auf 299 Milliarden US$ im Jahre 2015 abgenommen. Der Grund für diese Abnahme ist der Wechselkurs von Dollar zu Schekel. Parallel dazu hat das Volkseinkommen pro Kopf von 37‘222 US$ auf 35‘702 US$ abgenommen.[1]

Das Wachstum der israelischen Volkswirtschaft beruht auf der Ausrichtung des Landes auf High-Tech. Israel verfügt, was die Ausrichtung seiner Industrie auf High-Tech betrifft, nicht nur in der Region eine dominante Rolle, sondern übertrifft dabei auch verschiedene europäische Staaten. Nicht von ungefähr strebt die israelische Computerindustrie enge Beziehungen zu Staaten wie Deutschland und die Schweiz an.

Was die Produktivität betrifft, so nimmt Israel in der Welt eine Spitzenstellung ein.[2] Israel weist im Vergleich zu anderen OECD-Staaten eine hohe Beschäftigungsrate und mit 65% des Bruttosozialproduktes eine geringe Verschuldungsrate des Staates auf.[3]

Bevölkerung und Bildung

Das Problem von Israel ist die Bevölkerungsstruktur. Von einer Bevölkerung von 8‘049‘314 sind über 15% israelische Araber und 10% ultraorthodoxe Juden, den sogenannten Haredim. Aufgrund des Kinderreichtums dieser beiden Gruppen wird damit gerechnet, dass bis 2060 die israelischen Araber und die Haredim zusammen 50% der Bevölkerung ausmachen werden.[4] Beide Gruppen werden je 25% der Bevölkerung ausmachen und beide Gruppen leisten aufgrund ihrer Erziehung und Bildung bereits heute nur einen geringen Beitrag für die auf High-Tech ausgerichtete Wirtschaft. Damit Israel auch in der Zukunft eine High-Tech-Wirtschaft aufrechterhalten kann, müssten in der gesamten Bevölkerung die Bildungsbereiche Mathematik, Naturwissenschaft und technische Wissenschaft gefördert werden. Durch die bisherigen PISA-Studien sind sowohl bei den israelischen Araber wie auch bei den Haredim die Vernachlässigung der Fächer Mathematik, Naturwissenschaft und technische Wissenschaft festgestellt worden.[5] Dagegen ist die Bildung der israelischen Araber und der Haredim primär auf das Erlernen und das Studium der Literatur und damit der Geisteswissenschaften ausgerichtet.[6]

Was die Immatrikulation zu den Hochschulen und Fachhochschulen betrifft, so stellen sich im Gegensatz zu Hebräisch-sprechenden Nicht-Haredim nicht ganz 20% der Haredim den Anforderungen der Immatrikulationsprüfung. Bei den Arabischsprechenden Israeli stellen sich beinahe 80% den Prüfungen. Dabei scheitern allerding beinahe 40% dieser Gruppe den Anforderungen, dies wiederum im Gegensatz zur Gruppe der Hebräisch sprechenden Nicht-Haredim. Bei der letzteren Bevölkerungsgruppe stellen sich gegen 90% den Prüfungen. Ca. 20% scheitern dabei.[7] Dank diesem zukunftsorientierten Bevölkerungsanteil hat Israel heute weltweit eine Spitzenstellung in der Informatik erreicht.

Sollte aber der erwähnte Trend in der Bevölkerungszusammensetzung bis 2060 anhalten, dann muss damit gerechnet werden, dass Israel im High-Tech einen Rückschlag erleiden wird. Dazu kommt noch das Problem der zunehmenden Integration von Arbeitskräften aus den besetzten Gebieten in die israelische Wirtschaft. Nur wenige unter ihnen weisen eine höhere Ausbildung auf.[8]

Angesichts dieser Entwicklung und damit einhergehend der Aufsplitterung der Gesellschaft sind eine Schwächung der israelischen Wirtschaft bis 2060 und damit ein Absinken des Landes in die Armut durchaus vorstellbar.[9]

Die konventionelle Streitmacht Israels

2015 gab Israel insgesamt 15.5 Milliarden US$ für seine Streitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) aus. Die konventionellen Streitkräfte der IDF werden vom Londoner Institut für Strategische Studien wie folgt beurteilt:[10]

„…remain the most capable force in the region, with the motivation, equipment and training to considerably overmatch the conventional capability of other regional armed forces.”

Die IDF verfügt bei den aktiven, jederzeit einsetzbaren Streitkräften über 176‘500 Männer und Frauen. Die Dienstzeit beträgt bei den wehrpflichtigen Offizieren 48 Monate, bei den Unteroffizieren und Soldaten 36 Monate und bei den Frauen 24 Monate. Nur Juden und Drusen sind wehrpflichtig, Christen und arabische Muslime können sich freiwillig melden. Dazu kommt noch eine Reservestreitmacht von 464’00 Männer und Frauen, die bis zum 40 Altersjahr jedes Jahr für einen Wiederholungskurs aufgeboten werden.

Das Kampfpotential der konventionellen Streitkräfte ist beeindruckend. So ist das Heer mit 26‘000 Berufssoldaten und 107‘000 Wehrpflichtigen wie folgt gegliedert:[11]

  • 1 unabhängiges Aufklärungsbataillon
  • 3 Panzerbrigaden
  • 3 mechanisierte Infanteriebrigaden
  • 1 motorisierte Infanteriebrigade
  • 1 unabhängiges mechanisiertes Infanteriebataillon
  • 1 unabhängiges Infanteriebataillon
  • 1 Fallschirmjägerbrigade

Entsprechend dieser Gliederung verfügt das Heer über 500 Kampfpanzer, davon sind über 220 des modernsten Typs Merkava MkIV. Dazu kommen noch1‘200 Kampfschützenpanzer.

Die israelischen Streitkräfte verfügen neben vier U-Booten deutscher Herkunft über 55 Patrouillen- und Küstenkampfschiffe.[12]

Beindruckend ist die israelische Luftwaffe mit 440 Kampfflugzeugen, von denen hochmoderne Typen wie F-15A/B/C/I Eagle und F-16C/D/I.[13]

Die IDF hat auch ein Kommando für Einsätze im Cyberwar und –defense. 2017 soll ein Cyber Command operationell sein.[14]

Mit dieser Kampfkraft kann die IDF jederzeit die beiden Organisationen HAMAS und Hisbollah im Gazastreifen bzw. Libanon schwächen und deren Einsatzfähigkeit mindern. Wie aber die bisherigen Ereignisse und Kriege bewiesen haben, kann die IDF, trotz ihrer Leistungsfähigkeit, keine der beiden Organisationen vernichten.

Israel, die Nuklearmacht des Mittleren Ostens

Sehr bald nach seiner Gründung hat sich die politische Führung des Landes für die Entwicklung und den Aufbau einer Nuklearstreitmacht als eigentliches Abschreckungsmittel entschieden. Dieser Aufbau wurde auch durch den Technologietransfer aus Frankreich in den 50er Jahren erleichtert. Heute ist Israel neben den USA und Russland der einzige Staat in der Welt, der neben einer nukleare Triade über ein funktionsfähiges Abwehrsystem gegenüber angreifenden ballistischen Flugkörper verfügt. Die nukleare Triade beruht auf dem Einsatz der folgenden drei Trägersysteme:[15]

  1. 24 landgestützte ballistische Flugkörper des Mittelstreckenbereichs Jericho 2;
  2. 25 Jagdbomber F-15I Ra’am und 99 Jagdbomber F-16I Sufa. Diese dürften nukleare Freifallbomben und/oder Marschflugkörper mitführen können;
  3. 4 Dolphin/Tanin-U-Boote deutscher Herkunft, ausgerüstet mit Marschflugkörper grosser Reichweite.

Das Abwehrsystem gegen ballistische Flugkörper besteht aus

  • 3 Batterien mit Arrow/Arrow 2-Lenkwaffen
  • 6 Batterien mit MIM-104 Patriot-Lenkwaffen

Für die Abwehr von iranischen Kurzstrecken-Lenkwaffen, mit denen die HAMAS im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon ausgerüstet sind, verfügt Israel dank der Zusammenarbeit mit den USA über 9 Batterien des Systems Iron Dome.

 

Beziehungen zu den USA und zu Russland

Israel hat zu beiden Grossmächten grundsätzlich gute Beziehungen. Bis zur Amtseinsetzung der ersten Administration von Obama waren die Beziehungen zu den USA sogar hervorragend. Bereits von 2009-2013 haben sich diese Beziehungen abgekühlt. Offenbar besteht eine gegenseitige Abneigung zwischen Obama und Netanjahu. Seit die Obama-Administration 2015 zusammen mit den übrigen ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland mit der Islamischen Republik Iran einen sogenannten Nukleardeal abgeschlossen haben, verfolgt Israel die Politik der USA im Mittleren Osten mit Argwohn. Gleichzeitig hat Netanjahu wegen der russischen Intervention in Syrien intensivere Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin aufgenommen. Offenbar versucht der israelische Ministerpräsident die beiden Grossmächte gegeneinander auszuspielen.

Der Feind Iran

Das Ayatollah-Regime propagiert in der Öffentlichkeit die Vernichtung Israels. Nur schon deshalb erkennt Israel im Iran den Erzfeind, der auch mit Nuklearwaffen in Schach gehalten werden muss. Seit dem Nukleardeal von 2015 ist Israel über ein zukünftiges Nukleararsenals des Irans sehr besorgt. Um gegen diese Möglichkeit gewappnet zu sein, bereitet sich Israel stillschweigend auf einen Präventivschlag vor, der zur Ausschaltung eines iranischen Nukleararsenals führen sollte. Bis anhin fehlten Israel Bomben, die eine bunker-burst-Wirkung aufweisen und mit denen auch unterirdische Bunker zerstört werden könnten. Es besteht keine eindeutige Information darüber, ob die USA bereits solche Bomben an Israel geliefert haben.

Die gegenwärtige Lage im Mittleren Osten

Nur schon wegen der eigenen Sicherheitslage verfolgt Israel den Krieg in Syrien mit hoher Aufmerksamkeit. Schon wegen den machtpolitischen Zielen des Irans in Syrien und im Irak ist für die israelische Führung die militärische Intervention des Iran zugunsten des Assad-Regime problematisch. Mit Luftschlägen versucht die IDF immer wieder die Aufrüstung der Hisbollah mit iranischen Boden-Boden-Flugkörper und Fliegerabwehrlenkwaffen zu verhindern.

Wegen der ausgreifenden Ziele von Teheran im Irak und Syrien dürfte Israel an der Abwehrfähigkeit der sunnitischen Staaten der Region gegenüber dem Iran sehr interessiert sein. Dazu gehören insbesondere Saudi-Arabien, die Golfstaaten und Ägypten. Dabei dürfte das alt bekannte Sprichwort „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ zutreffen. Israel könnte heute als Schutzmacht der sunnitischen Staaten des Persischen Golfs bezeichnet werden.

Zukunft

Die Lage im Mittleren Osten ist gegenwärtig sehr instabil. Diese Instabilität ist auch die Folge der nicht immer durchdachten Politik der Obama-Administration. Die Möglichkeit, dass der Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran, auch wegen den Kriegen im Irak, in Syrien und im Jemen, zu einem grösseren Krieg in der Region eskalieren könnte, ist nicht auszuschliessen. In dieser Lage gibt es in der Region nur einen Staat, der politisch und militärisch als zuverlässig bezeichnet werden kann. Dies ist Israel. Allerdings könnte sich diese Beurteilung aufgrund der sich abzeichnenden Bevölkerungsverschiebung in Israel zugunsten der israelischen Araber und der Haredim ab 2060 ändern.

[1] The Military Balance 2016, The International Institute for Strategic Studies, London, 2016, P. 333.

[2] Israel, OECD Economic Survey, January 2016, P. 10.

[3] Israel, P. 15.

[4] Israel, P. 20.

[5] Israel, P. 36.

[6] Israel, P. 37.

[7] Israel, P. 38.

[8] Israel, P.39.

[9] Markoe, L., Israel fractures by faith on politics and society, in: Religion New Service, March 8, 2016.

[10] The Military Balance 2016, P. 333.

[11] The Military Balance 2016, P. 333/334.

[12] The Military Balance 2016, P. 334.

[13] The Military Balance 2016, P. 335.

[14] The Military Balance 2016, P. 336.

[15] The Military Balance 2016, P. 333-335.

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