BeduinenlagerNachdem die USA die irakische Armee neu konditioniert, ausgebildet und mit neuen Waffen ausgerüstet haben, bereiten sie mit dieser Armee den Angriff auf die Hauptstadt des Kalifats des Islamischen Staates, Mosul, vor.[1] Dieser Angriff soll mit mechanisierten Einheiten der Irakis erfolgen die durch kurdische Peschmerga, sunnitische Stammesangehörige, Eliteeinheiten und Kampfhelikopter Apache der USA unterstützt werden sollen. Für die Vorbereitung dieses Sturmangriffs bombardieren bereits jetzt amerikanische B-52 Stratofortress, die vom Stützpunkt al-Udeid auf Katar starten, mit GPS-gelenkten Bomben die Stellungen des Islamischen Staates südlich von Mosul.[2] Durch den Einsatz dieser riesigen Bomber aus den 50er Jahren, die während Jahrzehnten immer wieder modernisiert worden sind und eine interne Waffenladung von bis 22‘680 kg mitführen können[3], sollen offenbar die Streitkräfte des Kalifen Ibrahim demoralisiert werden.

Mit ihrer Kriegführung gegen das Kalifat versucht die Obama-Administration den Zusammenbruch der schiitischen Regierung in Bagdad zu verhindern. Dass sie dadurch auch die machpolitischen Ziele von Teheran im Irak indirekt unterstützt, nimmt die Obama-Administration offenbar in Kauf. Sollte der Islamische Staat wirklich besiegt werden, dann hätte Teheran die Möglichkeit den gesamten Irak mit seinen Satrapen in Bagdad zu beherrschen. Dies dürfte nicht im Interesse der Mehrheit der arabischen Staaten sein, die unter der Führung von Saudi-Arabien eine sunnitische Allianz gegen das schiitische Teheran gebildet haben. Sollten die Ayatollahs in Teheran zu den wirklichen Siegern des Krieges werden, dann hätten die USA definitiv jeglichen Einfluss bei den sunnitischen Staaten im Mittleren Osten verloren.

Es besteht aber noch eine andere Gefahr. Bei der Rückeroberung der früheren Hochburg von Saddam Hussein, Tikrit, haben schiitische Milizen, die im Auftrag der Republikanischen Garde des Irans die irakische Armee bei der Rückeroberung der Stadt unterstützten, sunnitische Bewohner der Stadt bestohlen und drangsaliert. Auch die irakische Armee soll bei der Eroberung von Ramadi ähnliche Verstösse gegen das Kriegsvölkerrecht begangen haben. Sollte der irakischen Armee die Eroberung von Mosul gelingen, so muss damit gerechnet werden, dass die Soldateska auch in Mosul wüten wird. Denkbar ist sogar, dass die Wut der schiitischen Irakis zu einem regelrechten Genozid an den Sunniten im Irak ausarten könnte. Verantwortlich dafür wären Präsident Obama und seine Administration, die getrieben durch ihre kurzsichtige Beurteilung der Lage eine unausgegorene Unterstützung für Bagdad betreiben.

 

[1] Woodruff, J., How the U.S. military is supporting Iraq against ISIS, in: PBS NewsHour, April 19, 2016.

[2] Sisk, R., B-52 Bombers Carry Out First Airstrikes Against ISIS in Iraq, in: Military.com, April 20, 2016.

[3] Weber, O. Chr., Flugzeuge, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln, S. 169.