Der Absturz eines Kampfhelikopters Mi-28N Havoc nahe der syrischen Stadt Homs, bei dem der Pilot und der Bordschütze getötet worden sind, ist ein Hinweis darauf, dass die russische Führung neben den bewährten Kampfhelikoptern Mi-24 auch die modernen Mi-28 für die Gefechtsfeldunterstützung zugunsten der syrischen Truppen und ihrer iranischen Alliierten gegen die Aufständischen einsetzt. Der Erstflug der Mi-28 erfolgte 1982. Seit 2005 werden die zweisitzigen Kampfhelikopter Mi-28N produziert. Gemäss dem Military Balance 2016 des Londoner Institutes für Strategische Studien verfügen die russischen Streitkräfte heute über 54 Mi-28N.[1]

Ein Kampfhelikopter Mi-28 erreicht dank der leistungsfähigen Triebwerke eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Das Cockpit ist gegenüber Geschossen 12.7 mm geschützt. Interessant ist die Vielfalt an Waffen, die ein Kampfhelikopter Mi-28 mitführen kann. Dazu gehört das Buggeschütz 30mm, sowie an den vier Waffenstationen Luft-Luft-Lenkwaffen, gelenkte und ungelenkte Luft-Boden-Lenkwaffen, Freifallbomben und an externen Behältern weitere Kanonen. Dank diesem Arsenal ist mit einem Kampfhelikopter Mi-28 eine hochflexible Gefechtsfeldunterstützung möglich.

Während die russischen Streitkräfte für die Gefechtsfeldunterstützung nach wie vor Kampfhelikopter einsetzen, befürworten die Amerikaner in zunehmendem Masse auch für diese Einsatzart bewaffnete Drohnen (UCAV, Unmanned Combat Aerial Vehicle). Dazu gehören die schweren Drohnen MQ-1 Predator und MQ-9 Reaper. Die US Air Force soll gemäss dem MB 2016 über 110 MQ-1B Predator und 194 MQ-9A Reaper verfügen.[2]

Die kleinere Drohne Predator flog zum ersten Mal 1994 und wurde ab 1995 serienmässig hergestellt. Zu Beginn wurde dieser Drohnentyp nur für die Aufklärung eingesetzt. Erst ab 2001 führten die US Air Force und die CIA mit Predator-Drohnen bewaffnete Einsätze über Afghanistan und den pakistanischen Stammesgebieten durch. Seither erfolgen regelmässig Einsätze gegen gegnerische Führer im Irak, in Jemen, Somalia, Syrien und den Philippinen. Die Drohne Predator erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 217 km/h, eine Reichweite von 1‘100 km und verfügt über eine Einsatzdauer von 24 Stunden. Aufgrund der zwei Waffenstationen kann dieser Drohnentyp zwei Panzerabwehrlenkwaffen AGM-114 Hellfire mitführen und einsetzen.

Die grössere Drohne Reaper hatte bereits 2001 den Erstflug, wurde aber erst 2007 in Dienst gestellt. Seither setzen die Amerikaner Reaper überall dort ein, wo sie Krieg führen oder „Terroristen“ bekämpfen. Dank der stärkeren Triebwerkleistung erreicht diese Drohne eine maximale Geschwindigkeit von 482 km/h, eine Reichweite von 1‘852 km und verfügt voll beladen über eine Einsatzdauer von 14 Stunden. An den 7 Waffenstationen kann diese Drohne vier Lenkwaffen Hellfire oder/und zwei lasergelenkte Bomben GBU-12 Paveway II oder GPS-gelenkte Bomben GBU-38 JDAM (Joint Direct Attack Munition) mitführen.

Der Grund, warum die US-Führung Drohnen für die Gefechtsfeldunterstützung oder für das Töten gegnerischer Kommandanten bevorzugt, ist die Vermeidung von Pilotenverlusten. Vor allem die gegenwärtige Obama-Administration will die risikohafte Gefechtsfeldunterstützung mit Piloten und damit eine Wiederholung des Vietnamkrieges vermeiden. Der gegenwärtige Vizepräsident Joe Biden soll, wie der frühere Verteidigungsminister Robert M. Gates in seinen Memoiren festhält, Drohneneinsätze als Mittel der Verlustminimierung bevorzugen. Gates bezeichnet diese Art von „Gefechtsfeldunterstützung“ und „Enthauptungsschlägen“ gegen Taliban-Kommandanten als wenig wirksam:[3]

„This was why I could not sign on to Biden’s counterterrorism strategy: „whack-a-mole“ hits on Taliban leaders were not a long-term strategy.“

Aufgrund der geringeren Waffenzuladung von Drohnen im Vergleich zu jener der leistungsfähigeren Kampfhelikoptern ist Gates zuzustimmen. Die Gefechtsfeldunterstützung der russischen Kampfhelikopter in Syrien dürfte wirkungsvoller sein als jene der amerikanischen Drohneneinsätze.

[1] The Military Balance 2016, The International Institute for Strategic Studies, London, 2016, P. 195.

[2] The Military Balance 2016 (MB 2016), P. 47.

[3] Gates, R.M., Duty, Memoirs of a Secretary at War, WH Allen, Croydon, 2014, P. 570.