Omayyaden Mosche von Damaskus (2009)
Omayyaden Mosche von Damaskus (2009)

Am 20. März 2003 setzte unter Führung der USA die Invasion des Iraks durch die Koalition der Willigen ein. Nach der Besetzung des Landes wurde das Regime von Saddam Hussein beseitigt und eine Übergangsverwaltung eingesetzt. Unmittelbar nach der Entlassung der irakischen Streitkräfte und der Baath-Verwaltung durch den US-Prokonsul Bremer setzte der bewaffnete Widerstand der Sunniten gegen die US-Besetzung ein. Dieser Widerstand eskalierte sehr bald zu einem allumfassenden Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten. Unter der Führung des Jordaniers al-Zarqawi führte al-Kaida im Irak vor allem gegen die Schiiten Anschläge aus. Nach ihrem Abzug Ende 2011 überliessen die USA den Irak einer schiitisch dominierten Regierung, auf die Teheran einen entscheidenden Einfluss ausübte. Die Spaltung des Landes in Schiiten und Sunniten dürfte den Aufstieg und die Machtausdehnung des wahhabitisch geprägten Islamischen Staates entscheidend erleichtert haben. Seither ist der Irak in drei Teile zerfallen: das durch die schiitische Regierung in Bagdad kontrollierte Territorium, das autonome Gebiet der Kurden und der Islamische Staat. Sowohl die Regierung in Bagdad wie auch die Regierung der Kurden gelten als total korrupt.[1]

Seit 2013 führt wieder eine Koalition, diesmal unter Führung der Obama-Administration, einen Luftkrieg gegen den Islamischen Staat (IS) im Irak und Syrien. Das Ziel dieses Luftkrieges soll die Vernichtung des IS sein. Der Luftkrieg dient auch der Unterstützung der Bodenoffensive der irakischen Armee, die immer noch unter iranischem Einfluss steht, und der kurdischen Peschmerga. Diese Bodenoffensive soll zur Rückeroberung der durch den IS kontrollierten Grossstadt Mosul führen. Während die irakische Armee aufgrund ihrer bis anhin begrenzten Kampfkraft nur langsam Geländegewinne erreicht, erobern die Kurden Gebiete, die in früheren Zeiten nie kurdisch besiedelt waren. Sollte der Islamische Staat wirklich durch diesen kombinierten Luft-Landkrieg vernichtet werden, dann dürften die Sunniten die eigentlichen Verlierer in diesem Krieg sein.[2] Dies trifft auch auf die Operationen der Russen und ihrer iranischen Verbündeten mitsamt deren libanesischen und afghanischen Söldner in Syrien zu. Am Ende könnten auch in Syrien die Sunniten zu den Verlierern werden.

Sowohl der durch die USA dominierte Krieg im Irak als auch der durch Russen und Iraner unterstütze Krieg des Assad-Regimes in Syrien (der übrigens eher einem Genozid gleicht) könnte am Ende zum definitiven Zerfall der beiden Staaten führen und ein Chaos mit vielen kleinen ethnischen und religiösen Kriegen hinterlassen. Während Russland mit seinem Krieg in Syrien ganz offensichtlich macht- und geopolitische Ziele verfolgt, fehlt der Obama-Administration in deren Krieg ein ganzheitlich-strategisches Denken. Die Vernichtung des IS kann allenfalls als ein taktisches Ziel bezeichnet werden und dürfte, wie erwähnt, nicht zum Ende der Kriege im Irak und Syrien führen. Die Obama-Administration wäre gut beraten, wenn sie ihr kurzfristiges Denken und Vorgehen gegen den IS aufgäbe und endlich eine Gesamtstrategie zur Beendigung der Kriege in Syrien und Irak und zur Stabilisierung der beiden Staaten formulieren würde. Dazu gehört insbesondere das Ziel des Wiederaufbaus Syriens und des Iraks. Ein solches Ziel kann auch die Weltmacht USA nur in Zusammenarbeit mit allen Staaten der Region und den internationalen Organisationen erreichen.[3]

[1] Cordesman, A.H., Syria and Iraq: How Should These Wars End?, Center for Strategic & International Studies, Washington DC, 2016, P. 2.

[2] Cordesman, A.H., P. 2.

[3] Cordesman, A.H., P. 4/5.

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