Palmyra
Palmyra

Am 27. März hat das Regime von Assad die Rückeroberung der Oasenstadt Palmyra dank russischer Luftunterstützung verkündet. Anstatt eines Frontalangriffes sollen dieses Mal die Abwehrstellungen des Islamischen Staates (IS) durch einen dreifachen Zangenangriff überwunden worden sein.[1] Gemäss dem Verteidigungsministerium in Moskau sollen die russischen Kampfflugzeuge zwischen dem 22 und dem 24 März in 41 Einsätzen 146 Ziele des IS nahe von Palmyra zerstört haben. Gemäss Berichten in den Medien wurde für diese Rückeroberung aber eine grosse Zahl an Bodentruppen eingesetzt. Diese Truppen sollen direkt durch das Feuer russischer Mehrfachraketenwerfer TOS-1 und BM-30 Smerch und russischer Kampfhelikopter Mi-24 Hind unterstützt worden sein. Beobachter vor Ort behaupten, dass durch die russischen Bombardierungen mit Freifallbomben und durch das massive Unterstützungsfeuer bis zu 50% der Stadt Palmyra zerstört worden sei. Der IS wiederum behauptet, dass die Jihadisten am 18. März bis zu 5 russische SPEZNAZ-Elitesoldaten getötet hätten. In den sozialen Medien ist ein Bild eines getöteten Soldaten, der vor dem Symbol des GRU, dem Geheimdienst des russischen Generalstabes, stand, erschienen. Etwas später gab Russland den Tod eines Offiziers der SPEZNAZ zu, der offenbar den Einsatz der russischen  Luftunterstützung gegen Ziele nahe von Palmyra leitete.

Gemäss dem ISW-Mitarbeiter Chris Kozak hat das Regime für die Rückeroberung der Oasenstadt mindestens 5‘000 Mann eingesetzt. Dazu gehörten einige Hundert Kämpfer der libanesischen Hisbollah, der schiitischen Milizen aus dem Irak und afghanische Söldner schiitischen Glaubens. Die Tatsache, dass am 16. März ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarde nahe von Palmyra getötet worden ist, weist daraufhin, dass auch iranische Verbände an der Rückeroberung beteiligt waren.

Aufgrund der verfügbaren Bilder über die Rückeroberung im Internet können folgende Folgerungen abgeleitet werden:

  1. Die Rückeroberung erfolgte primär durch den Einsatz von Bodentruppen mit Kampfpanzern T-62 und Kampfschützenpanzern, unterstützt durch das Feuer der schweren Artillerie (Kanonenhaubitzen und Mehrfachraketenwerfer);
  2. Die Bedienung der Kanonenhaubitzen bestand offenbar aus afghanischen Söldnern (Hazarah, schiitische Minderheit in Afghanistan);
  3. Kämpfer des Islamischen Staates sind auf diesen Bildern nicht sichtbar. Gemäss dem Beitrag von Gladstone und Saad in der New York Times sollen sich diese sich rechtzeitig aus Palmyra zurückgezogen haben, wobei sie vor ihrem Rückzug Minen und Improvisierte Sprengkörper in grosser Zahl verlegt haben.[2]

Die Überprüfung dieser verschiedenen Meldungen ist nicht möglich. Sicher ist, dass die Kriegspropaganda der Russen wie auch jene des Islamischen Staates mehrheitlich aus Desinformationen bestehen dürfte. Tatsache ist auch, dass Wladimir Putin und Assad mit der Rückeroberung von Palmyra einen gewaltigen Sieg auf der Weltbühne erlangt haben. Die psychologische Wirkung dieses Sieges ist noch durch die unüberlegten Gratulationswünsche der Obama-Administration und jene des UN-Generalsekretärs verstärkt worden.

[1] Kozak, Chr., Russian-Syrian-Iranian Coalition Seizes ISIS-Held Palmyra, Institute for the Study of War, ISW, March 27, 2016.

[2] Gladstone, R., and H. Saad, ISIS Fighters Laid Mines Around Palmyra’s Ancient Ruins Before Retreating, Syrian Say, In: New York Times, March 30, 2016, P. A7.