der kleine MannIn Brüssel sind an zwei verschiedenen Orten Sprengstoffanschläge erfolgt, erstens beim Flughafen und zweitens in der U-Bahn. Die dafür eingesetzten Sprengkörper waren mit Nägeln angefüllt. Diese Art von Anschlägen ist nicht neu. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert versuchten russische Terroristen ihre Gegner, die zaristischen Despoten Russlands, mit Bombenanschlägen zu beseitigen. Wegen diesen Bombenanschlägen, deren Taktik vor allem durch den russischen Anarchisten Michail Bakunin (1814-1876) konzipiert wurde,[1] erhielt diese terroristische Kriegführung die Bezeichnung der „philosophie de la bombe“. Die heutigen Jihadisten führen im Prinzip die von den terroristischen Vorfahren des 19. Jahrhunderts vorgezeichnete Taktik und Gefechtstechnik aus. Was bei den heutigen Anschlägen neu ist, ist die Verwendung der Kalaschnikow AK-47. Dieses durch den russischen Konstrukteur Kalaschnikow entwickelte Sturmgewehr ist im Einsatz äusserst robust, verfügt über eine ausgezeichnete Feuerkraft und schafft mit dem Kaliber 7.62mm eine hervorragende Mannstoppwirkung. Der einzelne Schütze kann an dieser Waffe schnell ausgebildet werden. Die Kalaschnikow AK-47 ist zur von Terroristen und Guerillakriegern geschätzten Waffe geworden.

Im Gegensatz zur Taktik der Anschläge ist die Strategie, die diese Anschläge bestimmt, durchdacht, während die Anordnungen von Bakunin und seinen Genossen eher rudimentär waren. Die Umsetzung gegenwärtiger Terroranschläge beginnt mit der Rekrutierung von fremden Kämpfern, die in Europa über Anwerber und soziale Medien für den Islamischen Staat angeworben werden. Nachdem die Jihadisten in spe durch ein Schleusernetz nach Syrien gelangen, werden sie dort ausgebildet. Der anschliessende Einsatz in Syrien oder im Irak erfolgt anschliessend situativ. Im Sinne einer durchdachten Kriegführung werden die Jung-Jihadisten entsprechend der Lage entweder für terroristische (Selbstmord-) Anschläge in Bagdad und Damaskus oder für den Guerillakrieg in den rückwärtigen Gebieten des Feindes oder für die konventionelle Kriegführung und Abwehr gegen die syrischen oder irakischen Streitkräfte eingesetzt. Zurecht können diese Jihadisten aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer anschliessenden Kriegserfahrung als kampferprobte Berufskämpfer und -killer bezeichnet werden.

Nach einer gewissen Zeit werden einzelne unter ihnen durch das Schleusernetz unter Ausnutzung der Völkerwanderung wieder nach Europa zurückgeschickt. Unter einem bewährten Anführer werden sie in Netzwerke intergiert. Die primäre Aufgabe dieser Netzwerke ist die Planung und Ausführung von Anschlägen, die mit den Zielen der obersten Führung des Islamischen Staates abgestimmt sind. In den Zielfokus dürften jene Staaten geraten, die vor allem Krieg gegen den Islamischen Staat führen und demzufolge als Feinde und Kreuzfahrer deklariert sind. Staaten, die mit den Feinden und Kreuzfahrern liiert sind, geraten, wie es der Fall Belgien aufzeigt, ebenfalls zu Feinden des IS. Die auf sie abgestimmten Anschläge erfolgen gegen weiche Ziele. Dazu gehören grosse Menschenansammlungen. Die Ausführung erzielt die gewünschte psychologische Breitenwirkung und löst Angst in den europäischen Bevölkerungen aus. Die Planung von Anschlägen gegen geschützte Personen und gehärtete Ziele wird, da beinahe nicht durchführbar oder ohne Wirkung, von vornherein verworfen.

[1] Stahel, A.A., Terrorismus und Marxismus, Marxistisch-Leninistische Konzeptionen des Terrorismus und der Revolution, ASMZ, Huber & Co. AG; Frauenfeld, 1987, S. 23.

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