in den Schluchten von Tadschikistan
in den Schluchten von Tadschikistan

Während sechs Monaten hat Russland seine Streitkräfte in Syrien eingesetzt. Neben dem spektakulären Luftkrieg hat Moskau dabei die Wirkung neuer seegestützter Marschflugkörper „Kalibr“, seiner Artillerie, seiner Eliteeinheiten und seiner modernisierten Logistik demonstriert. Während Russland im Krieg von 2008 vier Kampfflugzeuge durch die georgische Fliegerabwehr verlor, wurde diesmal nur ein russischer Jagdbomber Su-24 durch türkische Kampfflugzeuge F-16 abgeschossen. Bis vor kurzem im Westen noch unbeachtet, hat Russland ab 2010 eine „militärische Revolution“ seiner Streitkräfte durchgeführt.[1] Bereits bei der Einnahme der Krim-Halbinsel haben sich die russischen Streitkräfte als sehr professionell und wirksam erwiesen. Neben neuen Waffensystemen wie dem Jagdbomber Su-34, dem Mehrzweckkampfflugzeug Su-35 und dem Fliegerabwehrsystem S-400 sind im Krieg in Syrien in Ergänzung zur Artillerie und der Kampfpanzer auch hochmobile Eliteeinheiten zum Einsatz gelangt. Durch den russischen Feldzug sind die syrische Armee und die iranischen Söldner sehr wirksam unterstützt worden.

Nach diesem, für die russischen Streitkräfte erfolgreichen Krieg, wird aufgrund der geopolitischen Ziele Putins in Fachkreisen über andere Einsatzorte der Streitkräfte diskutiert. Für die NATO ist die Bedrohung des Baltikums evident. Mit den in der Enklave Kaliningrad stationierten Luftverteidigungssystemen S-400 könnte Russland über dem Baltikum eine „no-fly zone“ errichten und damit die NATO-Abwehr mit ihren Kampfflugzeugen behindern. Gleichzeitig könnte die russische Führung mit seegestützten Marschflugkörpern Kalibr aus der Ostsee die Fliegerstützpunkte der NATO in Europa bekämpfen. Diese Marschflugkörper wären im Vergleich zu den über Syrien abgeworfenen Freifallbomben bedeutend zielgenauer. Gleichzeitig könnte Russland dadurch auch Verluste an eigenen Kampfflugzeugen durch die NATO-Luftverteidigung vermeiden.

Ein russischer Eroberungsfeldzug des Baltikums ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt immer noch mit dem Risiko der Eskalation bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen verbunden. Deshalb ist es denkbar, dass Putin im Augenblick andere Zielgebiete vorziehen könnte. Aufgrund neuer Manöver sieht es ganz danach aus, als ob der russische Präsident in der nahen Zukunft die Terrorismusbekämpfung in Zentralasien oder gar in Afghanistan plant. Russland hat vor kurzem in Tadschikistan eine Übung zwecks Abwehr von Kampfeinheiten des Islamischen Staates aus Afghanistan ausgeführt.[2]

Wie auch immer, Moskau hat mit Syrien seine militärische Fähigkeit zur Intervention ausserhalb des russischen Territoriums bewiesen.

[1] Roth, A., Syria shows that Russia built an effective military. Now how will Putin use it?, in: The Washington Post, March 18, 2016, 7:05 AM, P. 1 /2.

[2] Roth, A., P. 3.