Mehrfachraketenwerfer-Uragan
Mehrfachraketenwerfer Uragan

Am letzten Montag hat der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Besprechung mit dem Verteidigungsminister Sergey Shoigu und dem Aussenminister Sergey Lavrov verkündet, dass der Auftrag an das Verteidigungsministerium für Syrien grundsätzlich erreicht sei und dass die russischen Streitkräfte nun weitgehend zurückgezogen würden.[1] Kontrolle und Schutz der beiden Stützpunkte, den Marinestützpunkt Tartus und der Fliegerstützpunkt Hmeimim, würde Russland beibehalten. Deren Schutz sei vor allem durch das Luftverteidigungssystem S-400 gewährleistet. Putin bemerkte weiter, er hoffe, dass dieser Entscheid die Parteien in Syrien zum Friedensprozess motivieren würde.

Nach wie vor wird über die Motive von Putin für diesen Rückzug gerätselt. Sicher ist, dass Moskau mit seinem Einsatz in Syrien nicht einen Abnützungskrieg à la Afghanistan riskieren wollte und sich deshalb mit der Erfüllung begrenzter Ziele schliesslich begnügte.[2] Das Assad-Regime konnte dank der russischen Intervention an verschiedenen Fronten stabilisiert werden und militärisch wurde die Opposition erheblich geschwächt. Dafür wurde die mit al-Kaida liierte Jabhat al-Nusra gestärkt. Auch der Islamische Staat verzeichnete dank den russischen Bombardierungen auf Kosten der syrischen Opposition Geländegewinne.[3]

Sehr spektakulär für die Medien ergänzten die russischen Kampfflugzeuge die syrischen Luftstreitkräfte bei deren Bombardierungen der Stellungen der Opposition und der Bevölkerung. In begrenztem Umfang setzten die Russen Langstreckenbomber, Marschflugkörper und präzise Bomben ein.[4] Vor allem der Einsatz der schweren Artillerie mit den Mehrfachraketenwerfer TOS-1A, der Kampfpanzer und Eliteeinheiten der russischen Streitkräfte war für den Erfolg der Kampfeinsätze der afghanischen, irakischen und libanesischen Söldner des Irans ausschlaggebend.[5] Nur mit diesen Söldnern konnte die syrische Armee die in den vergangenen Jahren erlittenen Verluste ausgleichen und Gelände zurückerobern.[6]

Eine Rückeroberung des gesamten Territoriums von Syrien, wie es dem Regime offenbar bis heute noch vorschwebt, würde von Russland einen grösseren und länger andauernden Einsatz seiner Streitkräfte abverlangen. Ein grösserer Einsatz würde aber zu erheblichen Verlusten, Risiken und auch Kosten führen. Eine solche Entwicklung will Putin vermeiden. Jede Beendigung des Krieges in Syrien beruht von jetzt an auf der Zustimmung von Russland. Durch die Stationierung des Fliegerabwehrsystems S-400 ist auch die ursprünglich von den USA vorgetragene Idee der Einrichtung einer „no-fly zone“ an der türkisch-syrischen Grenze nicht mehr möglich.[7] Sollte sich die militärische Lage wieder zuungunsten des Assad-Regimes ändern, kann Russland erneut Kampfflugzeuge nach Syrien verlegen.

In der Zwischenzeit unterstützt Moskau auch zunehmend die Kampftruppen der syrischen Kurden der YPG und offenbar auch die türkischen Kurden der PKK. Damit versucht Russland die Nachschubwege der syrischen Opposition aus der Türkei zu unterbinden. Gleichzeitig heizt er den Konflikt in der Türkei mit den Kurden an.[8]

Der begrenzte Abzug der russischen Kampfflugzeuge ist vermutlich auch eine Botschaft an die Regierungsclique von Assad, dass die russische Unterstützung nicht unbegrenzt sein kann und dass Russland an einer Verhandlungslösung, die zur Ablösung von Assad führen könnte, interessiert ist.[9] Schlussendlich will Putin unter allen Umständen einen Abnützungskrieg mit dem Islamischen Staat vermeiden.[10] Einen solchen Krieg überlässt er gnädig den USA und deren Koalition, denn:[11]

„…from the narrow vantage point of Russian self-interest, Putin has pulled off another coup and shown that he is a more adept international poker player than his counterpart in Washington.”

[1] La Grone, S., Putin: Russia to Start Withdrawing Troops from Syria on Tuesday, in: USNI News, March 14, 2016, 6:55 PM, Updated: March 15, 2016, 9:32 AM, P. 2.

[2] Trombly, D., Analysis: What Russia’s Military Withdrawal From Syria Means for Fight Against ISIS, Assad Regime, in: USNI News, March 15, 2016, 11:42 AM, Updated: March 15, 2016, 1:42 PM P. 3.

[3] Trombly, D., P. 6/8.

[4] Trombly, D., P. 4.

[5] Trombly, D., P. 4/9.

[6] Trombly, D., P. 3.

[7] Trombly, D., P. 5.

[8] Trombly, D., P. 6.

[9] Trombly, D., P. 7.

[10] Trombly, D., P. 10.

[11] Boot, M., Putin’s Syria success, in: Los Angeles Times, March 16, 2016, P. A13.

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