Auch nach der auf Initiative Russlands und der USA abgeschlossenen Waffenpause ist die politische und militärische Lage in Syrien durch Unsicherheit und Instabilität bestimmt. Nach wie vor wird der Osten Syriens durch den Islamischen Staat (IS) kontrolliert. Die mit al-Kaida liierte al Nusrah-Front beherrscht vor allem einzelne Gebiete im Westen Aleppos. Überall dort, wo diese beiden Organisationen die Kontrolle inne haben, werden religiöse Minderheiten, zu denen auch Christen verschiedener Konfessionen gehören, vertrieben, unterdrückt oder gar zur Konvertierung gezwungen. Neben den Fundstätten aus der Antike werden Kirchen und Klöster in diesen Gebieten zerstört.

Die direkte Folge des Krieges und der Zerstörungen ist die Fluchtbewegung in die Türkei, in den Libanon und nach Jordanien. Neben einzelnen Christen gehört die Mehrheit dieser Flüchtlinge der sunnitischen Richtung des Islams an. Jene Flüchtlinge, die aus dem Raum Aleppo stammen, sind zu den konservativen Sunniten Syriens, den Salafisten, zu rechnen. Vor allem diese Sunniten flüchten in die Türkei. Viele von ihnen sind bereits Ende 2015 über Griechenland und die Balkanroute nach Österreich, Deutschland und Schweden gelangt.

Folgendes Szenario über die zukünftige Entwicklung in Mitteleuropa erscheint plausibel. Diese Sunniten werden mit oder ohne Zustimmung ihrer Gastländer sehr bald ihre zahlreichen Familien nachziehen. Dank ihrer massiven Einwanderung könnten sie schrittweise die Dominanz über die übrigen Muslime in Mitteleuropa, insbesondere über jene in Deutschland, erlangen. Nach 10 oder 20 Jahren könnten sie definitiv das Leben der Muslime im säkularen Mitteleuropa bestimmen und sehr bald das übriggebliebene Christentum ins Abseits verdrängen.

Wie könnte eine solche Entwicklung abgewendet werden? Russland ist vor über 5 Jahrhunderten durch Ivan IV. Vasiljevic mit der Eroberung von Kasan (1552) und mit der Eroberung von Astrachan (1557) von der Herrschaft der islamischen Tartaren befreit worden.[1] Offenbar hat Russland auch heute noch eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den islamischen Terrorismus inne, denn im Gegensatz zum wirkungslosen Luftkrieg der US-geführten Koalition unter Barack Obama gegen den Islamischen Staat betreibt Russland auf Anordnung von Präsident Putin einen massiven Luftkrieg gegen die al Nusrah-Front in Syrien. Eine Rettung Mitteleuropas könnte in einer engeren politischen und militärischen Zusammenarbeit mit dem christlichen Russland bestehen.

[1] Randa, A. (Hrsg.), Handbuch der Weltgeschichte, Erster Band, Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1954, S. 959.