Libanon-2011-189Alle Religionen beinhalten ein Strafrecht, dank dem das Zusammenleben einer Gemeinschaft, die zu dieser Religion gehört, geregelt wird. Im Islam ist es die Schari‘a. Dieses Strafrecht dürfte durch das Gesetz des babylonischen Herrschers Hammurabi (1728-1686 v. Chr.)[1] wesentlich beeinflusst worden sein.

Das Geburtsdatum Mohammed entspricht im christlichen Kalender dem Jahr 570 n.Chr. Er entstammte dem Clan der Haschem, die zum Stamme der Quraisch gehörte. Dieser Stamm beaufsichtigte den Kult um die Ka’ba in Mekka und gehörte zum Establishment von Mekka. Sein Reichtum beruhte auf seinen Handelsbeziehungen zwischen Jemen und Petra.

Als Waise wuchs Mohammed bei seinem Onkel Abu Talib auf. Er wurde zum Kaufmann und Karawanenführer. Mit 25 heiratete er die reiche Witwe Chadidscha. Dieser Ehe entstammte Fatima, die später Ali, den Cousin von Mohammed, heiratete. Mohammed suchte in der Einsamkeit nach dem Sinn des Lebens. Im Alter von 40 Jahren erschien ihm in einer Höhle am Berge Hira der Erzengel Gabriel und erteilte ihm den Auftrag, die göttliche Botschaft vorzutragen, arabisch Qur’an. Mit seinen Predigten stiess Mohammed in Mekka auf Ablehnung und wurde mit seinen Anhängern in die Stadt Yathrib, die später als Medinat an-Nabi, die Stadt des Propheten bezeichnet wurde, vertrieben. Mit dieser Auswanderung und dem Austreten aus der Stammesgesellschaft erfolgte die Gründung der islamischen Gemeinschaft, der Umma. Diese Auswanderung wird als Hidschra bezeichnet. Mit der Hidschra, 16. Juli 622 der christlichen Zeit, beginnt die islamische Zeitrechnung.

Neben den religiösen und politischen Vorschriften kodifizierte Mohammed Ehe-,   Erb-, Handels- und Strafrecht für die Umma. Dadurch entstand ein neues Gesellschaftssystem, das die bisherige Stammesgesellschaft abzulösen hatte. 630 kehrte Mohammed als religiöser und politischer Führer der Umma nach Mekka zurück, wo er 632 verstarb. Begraben wurde er in Medina.

Der Qur‘an, der als das ewig gültige Wort Gottes nicht verändert werden darf, wurde von 570 bis 650 n.Chr. niedergeschrieben und beinhaltet 114 Suren. Neben dem Qur‘an sind für die Gläubigen die Aussprüche und Handlungen des Propheten, die in den Hadithen zusammengefasst worden sind, für den Weg – arabisch Schari‘a – zur Verwirklichung von Glauben und Handeln massgebend. Als umfassendes religiöses und staatliches Rechtsystem – Familien-, Erb-, Handels- und Strafrecht – wurde die Schari‘a 300 Jahre nach dem Tod des Propheten kodifiziert. Nur Rechtsgelehrte dürfen auf der Grundlage der Schari‘a Rechtsgutachten, Fatwa, verabschieden.

Zu den schlimmsten Verbrechen gehören jene Vergehen, hadd, die der Qur‘an als solche bezeichnet und für die er ein bestimmtes Strafmass verlangt. Es wird das Recht Gottes umgesetzt. Gemäss dem Qur’an gehören u.a. dazu:[2]

  1. Ehebruch und Unzucht Sure 24, 2:[3]

„Die Hure und den Hurer, geisselt jeden von beiden mit hundert Hieben (…).“

  1. Verleumdung einer Frau wegen Ehebruch Sure 24, 4:[4]

„Diejenigen, welche züchtige Frauen verleumden und hernach nicht vier Zeugen beibringen die geisselt mit achtzig Hieben (…).“

  1. Apostasie Sure 5, 33 (37):[5]

„Siehe, der Lohn derer, welche Allah und Seinen Gesandten befehden und Verderben auf der Erde betreiben, ist nur, dass sie getötet oder gekreuzigt oder an Händen und Füssen wechselseitig verstümmelt oder aus dem Lande vertrieben werden.“

Bei anderen Vergehen, die auch im Qur’an aufgeführt werden, ist vielfach eine Wiedergutmachung durch den Täter oder dessen Familie möglich.

Die Schari‘a ist, in jenen Staaten, in denen sie Teil der Gesetzgebung ist, für das islamische Strafrecht grundsätzlich massgebend.

[1] Randa, A.(Hrsg.), Handbuch der Weltgeschichte, Erster Band, Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, dritte Auflage, 1962, S. 212.

[2] Der Koran, aus dem Arabischen übersetzt von M. Henning, mit Einleitung und Anmerkungen von A. Schimmel, Philipp Reclam jun., Stuttgart. Durchgesehene und verbesserte Auflage, 1991.

[3] Der Koran, S. 334.

[4] Der Koran, S. 335.

[5] Der Koran, S. 119.

Print Friendly, PDF & Email