SLCM Tomahawk und 40.6 cm Granate
SLCM Tomahawk und 40.6 cm Granate

Die USA sind in der Gegenwart damit konfrontiert, dass sie als Folge der Finanzkrise von 2008 und der gescheiterten Kriege im Irak und in Afghanistan ihre unbestrittene Stellung als Weltmacht verloren haben. Diesen Zustand nützen China und Russland durch eine massive Aufrüstung im nuklearen sowie im konventionellen Bereich für den Ausbau der eigenen Machtstellung aus. Beide fordern in verschiedenen Konfliktregionen der Welt mit ihren Waffenarsenalen die USA heraus. Zu diesen Regionen gehören Osteuropa, der Mittlere Osten und das Südchinesische Meer.

In der Ostukraine führt Russland einen sogenannten „hybriden Krieg“ gegen die Ukraine und demonstriert damit die Machtlosigkeit der USA in dieser Region. Diese Demonstration ist auch eine verklauselte Drohung an die baltischen Staaten. Nur dank ihrer Mitgliedschaft in der NATO geniessen diese drei Republiken vorderhand einen gewissen Schutz gegenüber der zunehmenden Aggression Russlands.

Russland führt seit September 2015 in Syrien einen Luftkrieg mit Freifallbomben gegen die bewaffnete Opposition des Regimes. Das Ziel dieser Bombardierungen ist die Machterhaltung des Minderheitenregimes der Alawiten unter Präsident Baschar Al-Assad in Syrien. Diese Bombardierungen haben einerseits die Flüchtlingsbewegung aus Syrien in die Türkei und nach Jordanien beschleunigt und anderseits dem Islamischen Staat (IS), der durch die russischen Bombardierungen beinahe geschont wird, ermöglicht Dörfer und Ortschaften, die bisher durch die syrische Opposition kontrolliert wurden, zu erobern. Dem US-Präsidenten ist es nicht gelungen, die russische Intervention zu verhindern. Angesichts dieser Situation führen die USA mit ihren engsten Alliierten beinahe ohnmächtig einen gezielten und präzisen Luftkrieg gegen die Stellungen des IS im Irak und in Syrien. Gleichzeitig bilden die USA kurdische Hilfstruppen als Bodentruppen gegen den IS aus. Diese Strategie ist sehr zeitintensiv und wird nur langfristig zum Sieg über den IS führen.

Die Volksrepublik China rüstet vor allem ihre Seestreitkräfte mit U-Booten, Überwasserkriegsschiffen und ballistischen Flugkörpern gegen Flugzeugträger aus. Mit ihrer Küstenwache und ihren Seestreitkräften übt die Volksrepublik China einen massiven Druck auf die Anrainerstaaten im Südchinesischen Meer aus. Das geopolitische Ziel Chinas dürfte, ausgehend von der Kontrolle der Archipel der Paracel- und Spratley-Inseln, die Beherrschung des gesamten Südchinesischen Meeres und damit die Kontrolle der Schifffahrtswege durch dieses Meer sein. Die Seemacht USA, die  die freie Schifffahrt aufrechterhalten will, versucht mit der Präsenz der U.S. Navy einen Gegendruck aufzubauen. Der Erfolg dieser amerikanischen Strategie ist bis jetzt beinahe ausgeblieben. China besetzt ein Inselchen nach dem andern im Südchinesischen Meer, vergrössert diese durch Aufschüttung und baut darauf See- und Luftstützpunkte.

Durch die strategischen und militärischen Herausforderungen von Russland und China werden die USA in Europa, im Mittleren Osten und im Südchinesischen Meer in ihrer geostrategischen Handlungsfreiheit eingeschränkt. Die ehemalige Weltmacht kann lokale und regionale Konflikte, wie jene in der Ost-Ukraine und im Mittleren Osten als Folge dieser geopolitischen Lähmung nicht mehr direkt bewältigen. Dazu kommt noch, dass die Obama-Administration den USA bei der Bewältigung von Konflikten eine Selbsteinschränkung auferlegt hat. Unter keinen Umständen sollen bei Interventionen der USA eigene Bodentruppen eingesetzt werden. Grundsätzlich sollen Verluste in lokalen Konflikten soweit als möglich vermieden werden.

Da aber die Sicherheit der USA auch durch diese regionalen Konflikte tangiert wird, so durch Terroranschläge des Islamischen Staates aus dem Mittleren Osten, kann Präsident Obama diesen Gefahren nicht tatenlos zusehen und muss über Optionen für die Vergeltung gegenüber Anschlägen dieser Art verfügen. Mit diesen Optionen muss der Präsident gleichzeitig die Einschränkungsstrategien der beiden Rivalen Russland und China (Anti-Access and Area Denial (A2/AD)) vor Ort überwinden können. Bereits unter der Administration von Bush jr. wurden Vergeltungsschläge mit konventionellen Waffen, sogenannten Conventional prompt global strikes (CPGSs) weapons, die innert Stunden auszuführen sind, untersucht und entwickelt.[1] Als Trägermittel werden seither die Einsatzmöglichkeiten von modifizierten U-Boot-gestützten ballistischen Flugkörpern (Submarine-Launched Ballistic Missile(s),SLBMs) Trident II und Interkontinentalen ballistischen Flugkörpern (Intercontinental Ballistic Missile(s),ICBMs) Peacekeeper, ausgerüstet mit konventionellen Gefechtsköpfen, geprüft. Diese Studien und Untersuchungen werden auch durch den Kongress unterstützt. Bei diesen Trägermitteln muss allerdings auf die Kompatibilität mit dem mit Russland abgeschlossenen Abrüstungsvertrag der nuklearstrategischen Waffen New START von 2010 geachtet werden. Zwischen einem Einsatz von Trägersystemen mit konventionellen Gefechtsköpfen und solchen mit nuklearen Gefechtsköpfen darf es keine Missverständnisse geben.

In Zukunft könnten aber den USA für die Ausführung von CPGSs neben den ballistischen Flugkörpern noch andere Trägersysteme zur Verfügung stehen, die keinen Widerspruch zu New START bilden werden. Dazu gehören insbesondere Hypersonic Vehicles HTV-2 – Gleitflugkörper, die im Hyperschall auf das Ziel zufliegen – und der neue Langstreckenbomber (Long-Range Strike Bomber, LRS-B) B-3 sowie neue Marschflugkörper.[2] An der Entwicklung der Hypersonic Vehicles, die vor allem durch die Obama-Administration befürwortet werden, wird mit Hochdruck gearbeitet. Allerdings sind viele Tests mit diesen Flugkörpern bisher gescheitert. Gleichzeitig werden die Modifikationen von U-Boot-gestützten ballistischen Flugkörper weiter entwickelt und auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft. Auch die Entwicklung des neuen Langstreckenbombers schreitet voran.

Bis aber Gleitflugkörper und Bomber entwickelt und für CPGSs einsatzbereit sein werden, bietet sich als Übergangslösung der Einsatz von seegestützten Marschflugkörpern (Sea-Launched Cruise Missile(s),SLCMs) mit konventionellen Gefechtsköpfen auf nuklearangetriebenen Angriffs-U-Booten der Virginia-Klasse an.[3] Durch den Einsatz von SLCMs würde das Risiko einer Fehlbeurteilung durch die beiden Rivalen Russland und China und damit die Auslösung eines unbeabsichtigten Nuklearkrieges vermieden. Bereits Präsident Clinton hatte 2008 die Anschläge gegen die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) mit dem Vergeltungsschlag von SLCMs gegen die Ausbildungslager von Al-Kaida in der afghanischen Provinz Khost beantwortet.

[1] Woolf, A.F., Conventional Prompt Global Strike and Long-Range Ballistic Missiles: Background and Issues, Congressional Research Service, October 2, 2015.

[2] Woolf, A.F., P. 1.

[3] Woolf, A.F., P. 12.