Hl. SERGIOS und Hl. BACCHOS im Kloster Mar SarqisVor dem Ausbruch des Krieges lebten 2010 in Syrien 20‘960‘577 Menschen. Davon waren 90% ethnische Araber. Der Anteil der Kurden, Armenier und anderer Minderheiten machte 10% aus. Während die Kurden zu einem grossen Teil entlang der türkischen Grenze lebten, bewohnten die meisten Armenier Aleppo und Damaskus. Andere Minderheiten waren die Turkmenen um Aleppo oder die Tscherkessen im Raume von Kuneitra. Die Aramäer gehörten zur Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und die Assyrer waren mehrheitlich chaldäische Christen. Liturgie- und Alltagssprache war Aramäisch, die lingua franca der Levante zurzeit von Christus.

Was die Religion betrifft, so waren 74% der Bevölkerung sunnitische Muslime. Während die Sunniten von Damaskus als liberal galten, waren die Einwohner von Hama, Palmyra und anderen Städten eher konservativ. Der Anteil der Alawiten (Nusairier), Angehörige der Siebener-Schiiten, betrug 12 % der Bevölkerung. Sie bestimmen heute noch die politische Elite des Regimes. Viele Offiziere der Armee von Assad sind Alawiten. Die Zwölferschiiten, 2 % der Bevölkerung, lebten vor allem in Damaskus. Die Drusen, die auch zu den Siebener-Schiiten gerechnet werden, lebten im Dschebel ad-Druz.

Die Minderheit der Yeziden lebte in den Bergen zwischen Aleppo und Afrin und im äusserten Nordosten.

Zehn Prozent der Bevölkerung waren Christen. Sie lebten in und um Damaskus, Homs und Aleppo, teilweise in Dörfern. Die grösseren christlichen Gemeinschaften waren die Melkitischen Kirchen, die Armenisch-Apostolische Kirche und die mit Rom unierte Syrisch-Katholische Kirche sowie die Griechisch-Katholische Kirche. Die Angehörigen der Syrisch-Orthodoxen Kirche bewohnten den Nordosten des Landes, jene der Assyrischen Kirche des Ostens auch im Nordosten und jene der Chaldäischen Kirche in Nordsyrien. Daneben existierten weitere christliche Konfessionen. So waren die Armenier entweder Angehörige der Armenisch-Apostolischen Kirche oder der Armenisch-Katholischen Kirche.

2011 brachen in Syrien Demonstrationen gegen das Regime aus. Wer diese Demonstrationen finanziert und ausgelöst hat, ist bis auf den heutigen Tag ungeklärt geblieben. Sicher ist, dass sehr schnell die Obama-Administration wie in Tunesien, Ägypten und Libyen ein Regime-Change und damit den Sturz des Assad-Regimes in Syrien forderte. Die Herrscher Saudi-Arabiens und der türkische Ministerpräsident Erdogan forderten wie ihre amerikanischen Schutzherren den Sturz des Alawiten-Regimes und die Einsetzung einer durch Sunniten dominerte Herrschaft.

Als sich das Alawiten-Regime mit Polizei-Einsätzen den Forderungen der Demonstranten erwehrte, eskalierten die Ereignisse in Syrien sehr schnell zum allgemeinen Krieg, in dem sehr bald verschiedene sunnitisch geprägte „Widerstandsgruppen“ gegen die Armee von Assad kämpften. Diese wurden und werden immer noch von den Saudis, wie auch von den USA und der Türkei finanziert. Seit 2014 hat der Islamische Staat (IS) den Osten und damit ein Drittel Syriens erobert. Heute gilt Syrien als ein zerstörter, nicht mehr existierender Staat.

Durch den Krieg sind über 4 Millionen Syrer und Syrerinnen ins Ausland geflohen, so vor allem in die Türkei und nach Jordanien und von da aus nach Europa oder nach Nordamerika. Sieben Millionen gelten als Vertriebene im Landesinneren. Die verschiedenen christlichen Gemeinschaften, die sehr lange den Schutz des Regimes genossen, sind ins Ausland vertrieben worden oder nach Damaskus geflohen. Im Prinzip sind diese alten christlichen Gemeinschaften, die ab dem zweiten Jahrhundert die Entstehung des Weltchristentums bestimmten, nicht mehr existent.

Was nun mehr als störend wirkt, ist, dass ausgerechnet die Obama-Administration, die mit der Regime-Change-Politik ihrer Beraterinnen Susan Rice und Semantha Power, eigentlich für das Chaos in Syrien verantwortlich ist, es tunlichst vermeidet, das Drama der Christenheit in Syrien zu erwähnen und diesen Christen zu Hilfe zu eilen.[1] Noch störender ist es, dass die gleiche Administration, die ursprünglich den IS als eine Bande irregeleiteter junger Männer bezeichnete, aus Gründen der Political Correctness nur mit Zögern den IS mit seinem selbst gewählten Namen, Islamischer Staat bezeichnet.[2] In diesem Fahrwasser des politischen und religiösen Opportunismus schwimmen aber auch europäische Regierungen. Im Sinne einer falsch verstandenen Toleranz sind diese Politiker bereit, alle christlichen Werte ihrer Länder über Bord zu werfen.

[1] Kasmer-Jacobs, J., Trying to Save Christians From ISIS Extermination, in: The Wall Street Journal, December 14, 2015, P. A13.

[2] Nawaz, M., How to Beat This Enemy, in: The Wall Street Journal, December 14, 2015, P. A8/A9.