Das letzte Exemplar der Langstreckenbomber B-52 Stratofortress wurde 1964 ausgeliefert. Die heutigen B-52 gleichen nur noch bedingt den früheren Typen. So ist die ursprüngliche Avionik mehrmals ersetzt und modernisiert worden. Was gleich geblieben ist, sind die acht Turbojets in den Zwillingsgondeln und die Kabelverbindungen im Rumpf. Die B-52 sind wohl langsam und wirken vielleicht primitiv, sie gelten aber, verglichen mit den B-1B Lancer und B-2A Spirit, durch die sie ursprünglich ersetzt werden sollten, als äusserst zuverlässig und stellen deshalb immer noch den Hauptharst der Langstreckenbomber der USA dar. Gemäss der gegenwärtigen Planung der US Air Force sollen die noch verfügbaren B-52 mindestens bis 2040 im Einsatz bleiben.[1]

Verschiedene Varianten dieser achtstrahligen Bomber sind von den USA seit 1964 in diversen Kriegen eingesetzt worden, so im Vietnamkrieg, in der Operation Desert Storm von 1991, in der Operation Allied Force von 1999 gegen Serbien, in der Operation Enduring Freedom von 2001 gegen die Taliban und in der Operation Iraqi Freedom von 2003. Obwohl dieser Bombertyp ursprünglich für den Abwurf von nuklearen Bomben konzipiert worden war, wurden in den erwähnten Kriegen die B-52 in der Regel für die Gefechtsfeldunterstützung der US-Streitkräfte verwendet. Im Vietnamkrieg wie auch in der Operation Desert Storm wurden für die Flächenbombardierungen Freifallbomben abgeworfen. In den Operationen Allied Force, Enduring Freedom und Iraqi Freedom wurden sowohl Freifall- als auch GPS-gelenkte Bomben sowie Marschflugkörper eingesetzt. Ein B-52 kann intern eine Waffenlast von bis zu 22‘680 kg mitführen. Die Marschflugkörper sind an den Flügeln extern aufgehängt.[2]

In der Schlussphase des US-geführten Vietnamkrieges verliessen die Nordvietnamesen am 13. Dezember 1972 die Gespräche von Paris. Offensichtlich auf Anweisung von Henry Kissinger flogen in der Operation Linebacker II vom 18. bis 29. Dezember 1972 200 B-52G 729 Einsätze und warfen 15‘000 Tonnen Bomben über Hanoi und die Hafenstadt Haiphong ab. Die USA verloren durch den Abschuss von 1‘242 Flab-Lenkwaffen durch Nordvietnam 15 B-52. Die Nordvietnamesen kehrten zu den Verhandlungen zurück und unterzeichneten am 23. Januar 1973 das Abkommen.[3] 1975 überrannten sie allerdings mit ihren Divisionen Südvietnam und eroberten Saigon.

Im Luftkrieg der Operation Desert Storm wurden während 43 Tagen vor allem durch B-52 81‘100 Tonnen Freifallbomben auf die irakischen Divisionen im Kriegstheater Kuwait abgeworfen.[4] Dabei wurde der grösste Teil der schweren Waffen des Iraks zerstört:[5]

  • 3‘847 von 4‘550 Kampfpanzern
  • 1‘450 von 2‘880 Schützenpanzern
  • 2‘917 von 3‘257 Artilleriegeschützen.

Auch in der Schlussphase der Operation Allied Force warfen B-52H gegen die Stellungen jugoslawischer Einheiten im Grenzgebiet Kosovo-Albanien Freifallbomben ab. Insgesamt wurden im 78-Tage dauernden Luftkrieg der NATO 16‘587 nichtpräzise Bomben (vielfach Freifallbomben) und Geschosse und damit 71% aller Bomben und Geschosse (23‘315) abgeworfen und eingesetzt.[6]

Über die Zahl der Einsätze der B-52-Flotte mit Freifallbomben gegen die Taliban in der Operation Enduring Freedom vom 6. Oktober bis 7. Dezember 2001 sind zuverlässige Angaben nicht verfügbar. Dies trifft auch für die Operation Iraqi Freedom zu. Während der Krieg in Afghanistan immer noch andauert, haben die USA Ende 2011 offiziell ihre Bodentruppen aus dem Irak abgezogen.

Gegenwärtig verfügen die USA noch über 54 Langstreckenbomber B-52H.[7] Sie werden entsprechend dem mit der Russischen Föderation abgeschlossenen Abrüstungsvertrag als nukleare Waffenträger deklariert. Nach wie vor können aber diese Bomber auch für den Abwurf von konventionellen Bomben, seien dies GPS-gelenkte oder Freifallbomben, eingesetzt werden. Im Hinblick auf den bisher unbefriedigenden Verlauf des durch die USA und ihre Allianz geführten Luftkriegs gegen den Islamischen Staat (IS) könnte der Einsatz der B-52H eine Wende herbeiführen. In allen früheren Kriegen hat schon der Abwurf von Flugblättern mit der Drohung „flee and live, or stay and die“ durch B-52 die gegnerischen Bodentruppen demoralisiert.[8]

Möglicherweise könnte bereits die Androhung von Flächenbombardierungen vor allem die fremden Kämpfer des Islamischen Staates in Syrien und im Irak zur Aufgabe zwingen. Sollte diese Drohung wirkungslos bleiben, dann wäre der nächste Schritt die Flächenbombardierung und damit die Vernichtung des Islamischen Staates in Syrien und im Irak durch B-52H. Angesichts der Tatsache, dass aber sowohl in Afrika als auch in Asien andere terroristische Organisationen bereits dem Kalifen Ibrahim, Abu Bakr al-Baghdadi,  als Führer des Islamischen Staates die Gefolgschaft geschworen haben, ist es durch durchaus vorstellbar, dass der IS trotz der Vernichtung im Kerngebiet weltweit überleben und über seine „Provinzen“ den Krieg fortsetzen würde.

[1] Philipps. D., After 60 Years, B-52s still dominate U.S. Fleet, The New York Times Company, December 5, 2015, P. 2.

[2] Weber, O. Chr. (Redaktor), Flugzeuge, Hersteller, Typen, Technik, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln, S. 169.

[3] Stahel, A.A. Luftverteidigung – Strategie und Wirklichkeit, mit einem Vorwort von Kaspar Villiger, vdf, Verlag der Fachvereine, Zürich, 1993, S. 60.

[4] Stahel, A.A., S. 104.

[5] Stahel, A.A., S. 105.

[6] Lambeth, B. S., NATO’s Air War for Kosovo, A Strategic and Operational Assessment, RAND, Santa Monica, 2001, P. 88/171.

[7] The Military Balance 2015, The International Institute for Strategic Studies, London, 2015, P. 49.

[8] Philipps, D., P. 4.

 

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