Kinder in AfghanistanAufgrund von Augenzeugenberichten muss die Lage in Afghanistan als eine sich abzeichnende Katastrophe bezeichnet werden. Während die Taliban beinahe ungehindert über die südlichen, durch Paschtunen besiedelten Provinzen Afghanistans, insbesondere Helmand und Kandahar, herrschen und sie sich auch in nördlichen Provinzen, wie Kunduz, durchsetzen, setzt sich der Islamische Staat (IS) in zunehmendem Masse in den beiden östlichen Provinzen Nangarhar und Nuristan durch.

Der seit 2014 über Afghanistan regierende Präsident, der Paschtune Ghani, erweist sich als schwach und unfähig, die sich immer mehr abzeichnende Destabilisierung des Landes aufzuhalten. Die afghanische Armee ANA (Afghan National Army), erleidet im Kampf gegen die Taliban hohe Verluste und die korrupte Afghan National Police erweist sich als unfähig, die Kontrolle über die umstrittenen Gebiete zu übernehmen und findet sich in vielen Bezirken im Süden mit dem fait accomplit der Herrschaft der Taliban ab. Einzelne Bezirksgouverneure treten nach ihrer Ernennung ihre Funktion gar nicht erst an, sondern bleiben in Kabul.

Neben dem Krieg zwischen der ANA, den Taliban und dem Islamischen Staat floriert nach wie vor im Süden, im Osten und im Norden Afghanistans der Anbau von Schlafmohn und Cannabis. Die daraus gewonnenen Drogen, wie Heroin und Morphin, werden ohne Kontrolle ins Ausland verschoben. Am Gewinn sind insbesondere die afghanische Drogenmafia und ihre Schutzherren in Kabul beteiligt.

Während das Land ins Chaos abgleitet, versuchen insbesondere die beiden Nachbarstaaten Iran und Pakistan ihren politischen Einfluss im schwach regierten Land durchzusetzen und zu vermehren. Dazu bedienen sie sich ihrer Klientel, die Pakistan wirken über die Taliban und die Iraner über die schiitische Minderheit der Hazara. Aber auch Turkmenistan ist an diesem Chaos beteiligt. Offenbar auf Anweisung eines anderen Staates finanziert Turkmenistan den Islamischen Staat in Afghanistan.

Während die USA und ihre NATO-Alliierten, dem Abgleiten von Afghanistan in die Katastrophe beinahe tatenlos zuschauen und sich allenfalls mit einzelnen Drohneneinsätze gegen Exponenten des IS und der Taliban begnügen, versucht auch die Russische Föderation wieder in Afghanistan an Einfluss zu gewinnen. Als vor kurzem die Taliban, wie vermutlich auch Einheiten des IS, in der Nordprovinz Faryab Waffenlager anlegten, wurden diese durch russische Streitkräfte mit Mehrfachraketenwerfer von Turkmenistan aus zerstört.

Der durch die Obama-Administration sowie Deutschland beschlossene Stopp im Truppenabzug wird die Katastrophe kaum abwenden können!

Print Friendly, PDF & Email