Torkham
Torkham

Seit dem 20. November 2015 kontrolliert der Islamische Staat (IS) im Osten Afghanistans die Autostrasse zwischen Jalalabad, der Hauptstadt der Nangarharprovinz, und dem Grenzposten Torkham und damit den gesamten Transport, der von oder nach Pakistan über den Khyberpass führt.[1] Der IS hat sich seit der Bildung des Wilayats (Provinz) Khorasan (die historische Bezeichnung für die Region, welche auch Afghanistan umfasste) am 11. Januar 2015 in verschiedenen Provinzen Afghanistans etabliert. Dazu gehören neben Nangarhar die Provinzen Logar, Paktia und Laghman. In den paschtunischen Stammesgebieten Pakistans dürften die Bezirke Orakzai, Khyber, Peshawar, Hangu und Kurram Teil dieses Wilayats sein.

Die Bildung des IS in Teilen Afghanistans wie auch Pakistans ist das Ergebnis des Zerfalls der pakistanischen Taliban TTP (Tehrik-e-Taliban Pakistan) nach dem Tod ihres Anführers Hakimullah Mehsud im November 2013 sowie der Operationen der pakistanischen Armee in verschiedenen Bezirken der paschtunischen Stammesgebiete westlich der Stadt Peshawar gegen die TTP. Der Sprecher der TTP, Shahidullah Shahid schwor öffentlich im Oktober 2014 dem IS Gefolgschaft. Ihm schlossen sich Kommandanten der TTP in den paschtunischen Stammesgebieten an. Durch die pakistanische Offensive Khyber I im Oktober 2014 wurden viele dieser Kommandanten mit ihren Jihadisten in die afghanische Provinz Nangarhar abgedrängt.[2] Am 26. Januar 2015 anerkannte der Islamische Staat als Emir (Gouverneur) des Wilayats Khorasan Hafeez Saeed Khan. Dieser soll der Führung des IS seinen Plan für die militärischen Operationen in seinem Wilayat unterbreitet haben.

Der Islamische Staat entführt und ermordet in verschiedenen afghanischen Provinzen vielfach Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara. Gleichzeitig besteht seit März 2015 eine Allianz zwischen dem IS und dem Islamic Movement of Usbekistan (IMU). Letzterer operiert im Norden Afghanistans und im Grenzgebiet zu Pakistan.[3]

Im Juli 2015 führten die USA intensive Drohnenangriffe gegen die Anführer des Wilayats Khorasan durch. Am 7. Juli 2015 sollen dabei der erwähnte Shahidullah Shahid sowie einzelne Kommandanten der früheren TTP getötet worden sein.[4] Die afghanische Regierung hat sich bisher auf eine einzige Operation seiner Sicherheitskräfte ANSF (Afghan National Security Forces) am 12. November 2015 gegen den IS im südöstlichen Teil der Provinz Nangarhar beschränkt.

Der IS nützt die Inaktivität der Kabuler Regierung wie auch die Auseinandersetzungen in der Führung der afghanischen Taliban, die nach dem möglichen Tod des Nachfolgers von Mullah Omar, Mullah Akhtar Mansour, am 2. Dezember 2015 ausgebrochen sind, für sich aus. So betreibt der IS unter den verunsicherten Taliban von Afghanistan eine durchdachte Rekrutierungskampagne und setzt seine asymmetrischen Angriffe gegen die Regierung in der Nangarharprovinz fort. Mit den Tötungen von Angehörigen der Hazara will der IS einen religiösen Krieg in Afghanistan und Unruhen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet provozieren.[5]

[1] Gambhir, H., ISIS in Afghanistan, Institute for the Study of War, December 3, 2015, P. 2.

[2] Gambhir, H., P. 4.

[3] Gambhir, H., P. 4.

[4] Gambhir, H., P. 6.

[5] Gambhir, H., P. 7.

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