Als Reaktion auf den Abschuss eines Jagdbombers Su-24 durch ein türkisches Kampfflugzeug F-16 hat der russische Verteidigungsminister Sergei Shoigu die Verlegung des weitreichenden Fliegerabwehrsystems S-400 auf den internationalen Flughafen Bassel al-Assad bei Latakia angeordnet.[1] Die Einsatzreichweite der S-400 soll 400 km betragen.[2] Gleichzeitig ist der Raketenkreuzer Moskwa für den Schutz des Fliegerstützpunktes Hmeimim und des Flottenstützpunktes Tartu näher an die syrische Küste verlegt worden.[3]

Als weitere Massnahme müssen von jetzt an, in Ergänzung zu den bereits in Syrien stationierten Abfangjägern 12 zusätzliche Suchoi Su-30SM und Su-27SM3 Flanker, ausgerüstet mit modernen Radars N001VEP und Triebwerken AL-31F-M1, vom Stützpunkt Hmeimim aus den Begleitschutz für die russischen Jagdbomber und Erdkampfflugzeuge auf ihren Bombardierungseinsätzen leisten.[4] Bisher verfügten die Su-30SM in Syrien nur über Luft-Luft-Lenkwaffen des älteren Typs R-27.

Eine weitere Anordnung betrifft die Ausrüstung der modernen Jagdbomber Su-34 Fullback mit Luft-Luft-Lenkwaffen für den Selbstschutz, in Ergänzung zu den mitgeführten Freifallbomben OFAB-500 und gelenkten Bomben KAB-500. Bei diesen Luft-Luft-Lenkwaffen könnte es sich um die modernen halbaktiv radargesteuerten Lenkwaffen des Typs Vympel handeln.[5]

Offenbar soll Russland gegenwärtig Kampfflugzeuge und 1‘000 Mann Bodentruppen auf den Stützpunkt Shayrat in der Provinz Homs verlegen, um die Rückeroberung der Oase Palmyra vom Islamischen Staat durch syrische Truppen zu unterstützen.[6]

Welche Ziele dürfte der russische Präsident Wladimir Putin mit dieser Verstärkung des russischen Arsenals in Syrien verfolgen? Das oberste Ziel ist sicher die demonstrative Unterstützung des Regimes von Assad in Syrien. Dieser soll nach russischer Auffassung weiterhin an der Macht bleiben. Ein weiteres Ziel könnte die Demonstration der Einsatzfähigkeit des modernen Arsenals von Russland gegenüber der NATO sein. Denkbar ist auch, dass diese Demonstration als Drohung an die Adresse der USA und der NATO gerichtet ist, gemäss der Russland seine militärische Aktivität in der Ukraine oder gegen das Baltikum jederzeit ausweiten könnte.

Sicher ist, dass durch die russische Aufrüstung in Syrien die strategische Lage im Mittleren Osten komplizierter geworden ist und dass trotz der verschiedenen Absprachen jederzeit ein Luftkampf zwischen russischen und NATO-Kampfflugzeugen stattfinden könnte. Verantwortlich für diese Lage ist aber schlussendlich der türkische Präsident Erdogan mit dem Abschuss des russischen Jagdbombers Su-24.

[1] Institute for the Study of War, Russia Security Update: November 25 – December 1, 2015.

[2] Tilghman, A., New Russian surface-to-air missiles in Syria, http://militari.ly/1HADLd4, November 30, 2015, 14:47.

[3] Tilghman, A.

[4] Majumdar, D., Next Up for Syria: Even More Lethal Russian Military Hardware, in: The National Interest, November 30, 2015.

[5] Majumdar, D.

[6] Institute for the Study of War.

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