Tu-22M-0 in Moinio
Tu-22M-0 in Moinio

Am vergangenen Dienstag haben russische Langstreckenbomber Tu-95MS6/16 und Tu-160 gegen Raqqa, die Stadt des Islamischen Staats in Syrien, 34 Marschflugkörper abgefeuert. An diesem Tag sind durch Russland weitere 127 Einsätze gegen den Islamischen Staat in Syrien durch andere Bomber und Erdkampflugzeuge ausgeführt worden. Am Mittwoch erfolgten gemäss dem russischen Verteidigungsministerium 59 Einsätze und der Abschuss von 12 Marschflugkörpern. Dabei sind nach russischen Angaben Kommandoposten, Waffenlager, Tanklastwagen und Ausbildungslager zerstört worden.[1] An dieser zweiten Angriffswelle nahmen eine Staffel von Langstreckenbombern Tu-160 Blackjack und 12 Mittelstreckenbomber Tu-22M-3 Backfire teil. Die Tu-160 setzten Marschflugkörper ein und die Tu-22M-3 warfen Freifallbomben ab.

Um was für ein Kampfflugzeug handelt es sich beim Tu-22M-3? Bereits 1962 wurde als Ersatz des Mittelstreckenbombers Tu-22 in der Sowjetunion die Entwicklung eines neuen Mittelstreckenbombers mit Schwenkflügeln studiert.[2] Dieser Bomber sollte ohne Waffenladung eine maximale Geschwindigkeit von Mach 2.54 (2‘700 km/h) und im Überschall eine maximale Reichweite von 4‘000 km erreichen. Im Dezember 1967 setzte die Konstruktion des Prototyps Tu-22M-0 ein. Zur Besatzung des Bombers gehörten der erste Pilot, der Co-Pilot, der Navigator/Waffenoffizier und der Radaroffizier. Am 30. August 1969 erfolgte der Erstflug. Erst im Juli 1970 erfassten die Spionagesatelliten der Amerikaner den neuen sowjetischen Mittelstreckenbomber. Aufgrund der Leistungen des Prototyps wurde eine Vorserie von zehn Tu-22M-1 konstruiert.[3]

Ab 1971 wurde die Produktion der ersten einsatzfähigen Mittelstreckenbomber Tu-22M-2 aufgenommen und die Flugtests setzten im April 1972 ein. Die Tu-22M-2 erreichten eine maximale Geschwindigkeit von Mach 1.695 (1‘800 km/h) und mit der maximalen Waffenzuladung eine Reichweite von 2‘200 km. Im internen Waffenschacht konnten für 12 bis 24 Tonnen Freifallbomben mitgeführt werden. An den vier externen Aufhängern konnten je ein Bündel von 3 Freifallbomben FAB-250 (250 kg) oder je ein Marschflugkörper Kh-31 mitgeführt werden.[4] Grundsätzlich waren Kombinationen verschiedener Typen von Freifallbomben möglich, so zwei FAB-3000 (3 Tonnen), 8 FAB-1500 (1.5 Tonnen), 42 FAB-500 (500 kg) (24 extern) oder 69 FAB-50 (250 kg) (36 extern).

In den 70er Jahren wurden die Leistungen des Bombers dank der Verbesserung der Triebwerke und der neuen Elektronik gesteigert. Seit den 80er Jahren erreicht der Tu-22M-3 mit einer geringen Waffenzuladung eine maximale Geschwindigkeit von Mach 1.97 (2‘090m/h) und mit voller internen Zuladung eine maximale Reichweite von bis zu 2‘200 km. Ein Mittelstreckenbomber Tu-22M-3 kann im internen Schacht wie auch an den externen Aufhängern Freifallbomben mitführen oder mit verschiedenen Typen von Marschflugkörpern (Kh-22, RKV-500B, Kh-15P, Kh-31A/-31P, Kh-35) ausgerüstet werden. Das 185. Garderegiment erhielt 1986 die ersten Tu-22M-3.[5] Im Dezember 1992 war die Produktion der gesamten Flotte abgeschlossen. Gemäss dem Military Balance 2015 verfügt Russland heute über 63 Tu-22M-3.[6]

Bereits im Dezember 1987 warfen Tu-22M-2, die von Poltawa und Mary (Turkmenistan) aus gestartet waren, Freifallbomben über Afghanistan ab. Im Oktober 1988 wurden Tu-22M-3 für die Flächenbombardierung von Zielen in Afghanistan eingesetzt.[7] Die Einsatzart der Flächenbombardierung hat Russland jetzt wieder über Syrien, so gegen Raqqa, aufgenommen. Für diese Einsatzart sind offenbar diese Mittelstreckenbomber Tu-22M-3 sehr geeignet.[8] Ob Wladimir Putin seine Flotte an Backfire C auch für die Bombardierung von Mossul zwecks Enthauptung der Führung des Islamischen Staates einsetzen wird, wird die Zukunft zeigen.

[1] Copp, T., Russia launches second wave of airstrikes in Syria in largest show of Airpower since 1980s, Stars and Stripes, November 19. 2016.

[2] Gunston, B., Tupolev Aircraft since 1922, Putnam, London, 1995, P. 207.

[3] Gunston, B., P. 210.

[4] Gunston B., P. 211.

[5] Gunston, B., P. 212/3.

[6] The Military Balance 2015, the International Institute for Strategic Studies, London, 2015, P. 191.

[7] Gunston, B., P. 213.

[8] Copp, T.

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