Gemäss dem Military Balance 2015 des Londoner Institute for Strategic Studies verfügen die USA zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 137 Langstreckenbomber. Von diesen sind 54 B-52H Stratofortress, die seit dem Vietnamkrieg in allen durch die USA geführten Kriegen im Einsatz waren, 63 B-1B Lancer und 20 B-2A Spirit.[1] Während die B-52H- und B-2A-Bomber entsprechend dem im April 2010 zwischen Russland und den USA vereinbarten Abrüstungsabkommen New START[2] zu den nuklearen Waffenträgern gerechnet werden, gelten die B-1B-Bomber als Träger für Einsätze mit konventionellen Waffen. Mit diesen Bombern verfügen die USA über eine beeindruckende Kapazität für konventionelle Bombardierungen. Ein Bomber B-1A kann in den drei Waffenschächten 34 (bis 36) Tonnen[3] an Freifallbomben, gelenkten Bomben oder Lenkwaffen mitführen. Beispielsweise könnte ein einzelner Waffenschacht 28 MK-82-Freifallbomben mit einer Sprengkraft von je 227 kg enthalten.[4] Allein durch den Abwurf dieser Bomben eines einzigen Waffenschachts könnte ein sehr grosses Dispositiv des Islamischen Staates in Syrien oder im Irak pulverisiert werden. Anstatt dieses gewaltige Arsenal gezielt zur Vernichtung des Islamischen Staates einzusetzen, benützt Washington DC die B-1B für „homöopathische“ Einsätze gegen einzelner Motoradfahrer des IS! Barack Obama zögert offenbar nach wie vor den Islamischen Staat endgültig zu vernichten. Er beschränkt sich unter dem Ziel eines Containments des Islamischen Staates auf einen halbherzigen Einsatz seiner Bomberstreitmacht.[5]

Anstelle des zögernden Obama hat nach dem Attentat auf einen russischen Airbus und den Anschlägen von Paris Präsident Wladimir Putin die Bombardierung des Islamischen Staates durch Langstreckenbomber Tu-95 und Tu-160, die in Stützpunkten in Russland stationiert sind, befohlen. Gemäss dem Military Balance 2015 haben die russischen Streitkräfte ein Arsenal von 78 Langstreckenbombern. Davon sind 31 Tu-95MS6 Bear, 31 Tu-95MS16 Bear und 16 Tu-160 Blackjack.[6] Sowohl die viermotorigen Bomber Tu-95 wie auch die Überschallbomber Tu-160 von Tupolew weisen beeindruckende Leistungen auf. Als Nachteil ist anzusehen, dass sie primär als Nuklearwaffenträger konzipiert sind, deshalb Marschflugkörper RKV-500A (Tu-95MS) oder RK-55 (Tu-160) mitführen und nur bedingt für den Abwurf von Freifallbomben oder gelenkten Bomben geeignet sind.[7] Die Wirkung dieser Marschflugkörper ist aufgrund der kleineren Sprengkraft geringer als jene der amerikanischen Freifallbomben.

Für eine wirksame Bombardierung und Vernichtung des Islamischen Staates müsste der zögernde US-Präsident zum handelnden Obama mutieren, der einen massiven Einsatz der US-Bomberstreitmacht befehlen würde.

 

[1] The Military Balance 2015, The International Institute for Strategic Studies, London, 2015, P. 49.

[2] Woolf, A. F., Conventional Prompt Global Strike and Long-Range Ballistic Missiles: Background and Issues, Congressional Research Service, Washington DC, October 2, 2015, P. 39.

[3] Weber, O. Chr. (Redaktion), Flugzeuge, Hersteller, Typen, Technik, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft mbH, Köln, S. 206.

[4] Logan, D., Rockwell B-1B, SAC’S Last Bomber, Schiffer Military/Aviation History, Atglen, PA, 1995, P. 111.

[5] Youssef, N.A., U.S. War on ISIS Will Still Be Half-Assed, The Daily Beast, November 16, 2015.

[6] The Military Balance 2015, P. 191.

[7] Weber, O. Chr. (Redaktion), S. 215.

So auch Gunston, B., Tupolev Aircraft since 1922, Putnam, London, 1995, P. 158-168 und P. 219-223.