EifelturmErschienen im PORTAS CAPITAL Newsletter – November 2015

In Paris sind die Anschläge auf die sechs französischen Einrichtungen beinahe synchron erfolgt. Die hauptsächlichen Ziele waren vor allem Orte mit grossen Menschenansammlungen. Während der Anschlag auf das Bataclan Theater mit einem Massaker endete, war dies beim Anschlag auf das State de France zum Glück nicht der Fall. Teilweise aufgrund der sorgfältigen Zutrittskontrolle zum Stadium, aber auch wegen des dilettantischen Vorgehens der Selbstmordattentäter ist dieser Anschlag gescheitert.

Zu den Anschlägen hat sich der Islamische Staat (IS) bekannt. Bis heute wird der Islamische Staat bezüglich Führung und Vorgehen unterschätzt. Dem Anführer des Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi, ist es in den vergangenen Jahren gelungen die Jihadisten der früheren Organisation Al-Kaida im Irak (wurde bis zum 7. Juni 2006 durch den durch die Amerikaner getöteten Jordanier Abu Musab al-Zarqawi geführt) und die kriegserprobten Berufs- und Geheimdienstoffizieren der früheren Armee von Saddam Hussein zu einer einzigen Organisation zu vereinigen. Durch diese Vereinigung und Zusammenarbeit ist der Islamische Staat mit seiner Armee von rund 50‘000 bis 60‘000 Soldaten, von denen 30‘000 bis 40‘000 fremde Kämpfer sein dürften, als eine hochprofessionelle Organisation zu bezeichnen. Durch den Verkauf von geraubten Antiquitäten, den Schmuggel von Erdöl, den Raub der Devisenreserven aus der irakischen Staatsbank in Mossul, die Entführungen sowie die Steuern und Geldzuwendungen durch gläubige Moslems aus Saudi-Arabien, Katar und den Emirates verfügt der IS über genügend Einnahmequellen. Die Waffen sind von der kollabierten irakischen Armee erbeutet oder über Saudi-Arabien geliefert worden. Saudi-Arabien wirkt nebenbei nur in einem beschränkten Masse am Luftkrieg der USA gegen den Islamischen Staat mit. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Stamm des Propheten, den Quraisch, ist al-Baghdadi zum Kalifen Ibrahim ernannt worden. Damit knüpft der IS an die glorreiche Zeit des Kalifats der Abbassiden an und erinnert die sunnitischen Gläubigen in der ganzen Welt an diese Zeit. Die Ausrufung des Kalifats ist Beweis für den geschickten Einsatz des Marketings durch den IS.

Der durch die Führung in Mossul mit der Planung und Durchführung beauftragte regionale Führungsstab in Europa dürfte sich in Belgien befinden.[1] Auch die Attentäter dürften über Belgien nach Frankreich eingeschleust worden sein. Gleiches gilt auch für die Logistik. Während die verwendeten Handgranaten und Kalaschnikows vermutlich in einem Balkanstaat beschafft worden sind, dürfte ihr Transport über Belgien oder Deutschland erfolgt sein. Alle bisherigen Informationen weisen darauf hin, dass auch die Logistik für diesen Anschlag ausserhalb Frankreich organisiert und gesteuert worden ist.

Was die sieben Attentäter betrifft, so dürften zu diesen drei französische Staatsangehörige islamischer Herkunft gehören aber auch belgische und syrische Staatangehörige könnten dabei gewesen sein. Ein in Paris aufgefundener Pass weist auf einen Syrer hin, der mit dem Flüchtlingsstrom über Griechenland nach Deutschland eingereist und von dort aus nach Frankreich infiltriert sein könnte. Dieser Missbrauch des Asylwesens durch das Eindringen von mutmasslichen IS-Mitgliedern in Europa hat Frau Merkel mit ihrer Willkommenskultur erleichtert.

Paris und damit Frankreich haben sich für den Islamischen Staat als Zielgebiet für diese Anschläge direkt aufgedrängt. Frankreich ist Teil der US-geführten Allianz des Luftkriegs gegen den IS. Die französischen Kampfflugzeuge sind bis jetzt über 1‘285 Einsätze gegen den Islamischen Staat im Irak geflogen.[2] Die offenen Grenzen von Schengen haben anhin die Infiltration des Landes durch Terroristen erleichtert. Was die Rekrutierung von Attentätern unter der Bevölkerung betrifft, so weist Frankreich eine grosse islamische Minderheit auf, die teilweise schlecht integriert ist, darunter viele Jugendliche, die arbeitslos und unzufrieden sind. Was zukünftige Zielländer für Anschläge betrifft, so könnten sich auch die Niederlande und Dänemark dafür anbieten. Diese Staaten weisen teilweise die gleichen Charakteristiken auf wie Frankreich. Dazu gehören eine grosse islamische Minderheit und die Mitwirkung dieser Staaten in der US-geführten Allianz gegen den Islamischen Staat.

Welche Folgerungen sind aufgrund der Anschläge in Paris abzuleiten? Viele europäische Staaten werden ihre Sicherheitsmassnahmen, so die Überwachung im Staat, überdenken und verschärfen müssen. Dazu gehört insbesondere die engere Überwachung durch ihre Geheimdienste und die Aufstockung ihrer Polizeikorps zwecks Kontrolle neuralgischer Punkte und Örtlichkeiten. Des Weiteren wird auch das Konzept der offenen Grenzen durch Schengen hinterfragt werden. Sehr bald könnten verschiedene Staaten entsprechend dem Modell von Ungarn ihre Grenzen wieder selbst sichern.

Was die Vernichtung des IS selbst betrifft, so kann diese nur durch den Einsatz hochausgerüsteter Bodentruppen erfolgen. Die Ereignisse im Irak sind die Folge der 2003 begangenen geopolitischen Dummheit der USA mit ihrer Invasion des Landes und dem Sturz von Saddam Hussein. Deshalb müssten sie konsequenterweise diesen Einsatz leisten. Dies würde allerdings bedeuten, dass der heutige Präsident Barack Obama seine Strategie des Nichteinsatzes von US-Truppen in Krisengebieten aufgeben müsste.

[1] Stratfor, France: Attack Explosives Identified, Suspects Arrested in Belgium, November 14, 2015.

[2] Stratfor, After Paris, France Contemplates a Reckoning, November 14, 2015.

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