KachelDer Islamische Staat wird offiziell durch Abu Bakr al-Baghdadi angeführt, der als ein Mitglied des Stammes des Propheten, die Quraisch, zum Kalifen Ibrahim ernannt worden ist. Mit dieser Ernennung weist der Islamische Staat auf die glorreiche Zeit des Kalifats der Abbassiden (750-1258-1517) hin. Neben dem Einsatz dieses durchdachten Marketings, hat sich der Kalif durch die Vereinigung der kriegserfahrenen Berufsoffiziere der früheren Armee von Saddam Hussein und der Jihadisten von Al-Kaida im Irak (von Abu Musab al-Zarqawi) zur Führungsequipe des Islamischen Staates als ein geschickter Organisator erwiesen. Dank diesen Offizieren und der Rekrutierung der fremden Kämpfer aus Europa und der arabischen Welt ist es ihm gelungen, den Islamischen Staat im Mittleren Osten zu einer eigentlichen Militärmacht zu entwickeln. Mit dieser Streitmacht haben Ibrahim und seine Führungsgehilfen die durch die Briten und Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg errichteten Grenzen im Mittleren Osten zerschlagen. Sowohl der Irak wie auch Syrien existieren heute nur noch auf dem Papier und damit in der Vorstellungswelt der christlichen Europäer und Amerikaner. Der Islamische Staat umfasst und beherrscht heute die sunnitischen Gebiete dieser beiden Kunststaaten.

Des Weiteren ist es dem Kalifen gelungen, das Finanzwesen seines Staatsgebildes dank dem Schmuggel von Erdöl, dem Raub von Devisen aus der irakischen Staatsbank in Mossul, den seinen Untertanen auferlegten Steuern, den durch Entführungen von Ungläubigen erzielten Lösegeldern und den Einnahmen aus dem Verkauf geraubter Antiquitäten zu organisieren und zu festigen. Gleichzeitig kann der Kalif auch weiterhin mit der finanziellen Unterstützung durch gläubige Moslems aus Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten rechnen.

Religiös besteht eine hohe Gemeinsamkeit der Salafisten des Islamischen Staates mit den Wahhabiten in Saudi-Arabien und Katar. Diese religiöse Einheit führt auch dazu, dass der Islamische Staat beinahe nicht durch saudische Kampfflugzeuge angegriffen und von den Saudis eigentlich geschont wird. Neben der religiösen Übereinstimmung besteht auch eine geopolitische Interessengemeinschaft, sind doch die eigentlichen Feinde des Islamischen Staates und Saudi-Arabiens die Schiiten und der Iran. In diesem Sinne führt der Islamische Staat im Interesse der Saudis Krieg gegen die Schiiten, aber auch im Interesse von Erdogan, der seinen erklärten Feind, den Alawiten (Nusairier) Assad, einen sogenannten Siebner-Schiiten[1], beseitigen will.

Kalif Ibrahim ist nicht nur ein charismatischer Religionsführer, sondern ist auch als ein ausgezeichneter Organisator und glänzender Kommunikator in der sunnitischen Welt anzusehen. Dank ihm dürfte der Islamische Staat nicht so bald besiegt werden.

[1] Fischer, R., Der Islam, Glaube und Gesellschaftssystem im Wandel der Zeiten, Eine Einführung, Edition Piscator, Oberdorf, 1992, S. 57/58.