Mi-24_ueber_MoskauEine Analyse der von Russland und der USA im Mittleren Osten eingesetzten Kampfflugzeuge lässt erkennen, dass es sich dabei mehrheitlich um Waffensysteme handelt, deren ursprüngliche Versionen bereits zur Zeit des Kalten Krieges entwickelt und in Dienst gestellt worden sind.

Auf russischer Seite sind dies

  • Erdkampfflugzeuge Su-25SM
  • Jagdbomber Su-24M2
  • Kampfhelikopter Mi-24D bzw. Mi-35M

Der Einsatz dieser Kampfflugzeuge und Kampfhelikopter erfolgt vom Fliegerstützpunkt Hmeimim bei Basil al-Assad nahe Latakia aus.

Die USA setzen folgende Typen an Kampfflugzeugen, die aus der Zeit des Kalten Krieges stammen, vom türkischen Fliegerstützpunkt Incirlik und von Stützpunkten im Persischen Golf gegen den Islamischen Staat im Irak und in Syrien ein:

  • Erdkampfflugzeuge A-10C
  • Gunship AC-130H Spectre
  • schwere Bomber B-1B
  • Jagdbomber F-15E Strike Eagle

Das von Russland in Syrien vermutlich am häufigsten eingesetzte   Erdkampfflugzeug dürfte die Su-25SM sein.[1] Bereits Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts setzte die Entwicklung dieses Kampfflugzeuges ein. Der Erstflug erfolgte 1975 und die Indienststellung 1981. Die Frontscheibe besteht aus Panzerglas und das Cockpit ist durch Titan gepanzert. Die ursprüngliche Version des Erdkampfflugzeuges erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 970 km/h und eine maximale Reichweite von 1‘250 km. Neben der 30mm Kanone können an 10 Aussenaufhängern 4‘400 Kg Waffen (Luft-Luft-Lenkwaffen, Luft-Boden-Lenkwaffen, Freifallbomben) mitgeführt werden. Seit 2000 werden die Avionik und die Bewaffnung diese Erdkampfflugzeuge zum Su-25SM kampfwertgesteigert.

Zum ersten Mal waren Su-25 im Afghanistankrieg von 1980-89 im Einsatz. Dabei wurden Su-25 durch die Mujaheddin abgeschossen. Im Krieg gegen Georgien 2008 wurden Su-25SM eingesetzt. Seit September 2015 sind vom russischen Stützpunkt Hmeimim aus 12 Su-25SM im Einsatz.

Der zweite Flugzeugtyp, der im russischen Luftkrieg in Syrien entscheidend mitwirken dürfte, ist der Jagdbomber mit Schwenkflügel Su-24M2.[2] Dessen Erstflug erfolgte 1967 und 1974 wurden die ersten Su-24 in Dienst gestellt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt Mach 2.18 und die maximale Reichweite über 2‘500 km. Neben der mehrläufigen 23mm-Gatlingkanone können an 8 Stationen 8‘000 kg Waffen mitgeführt werden (Luft-Luft-Lenkwaffen, Luft-Boden-Lenkwaffen, Freifallbomben, „gelenkte“ Bomben, nukleare Freifallbomben). Durch die Kampfwertsteigerung zum Su-24M2 wurden die Jagdbomber mit neuer Avionik versehen. Vom Fliegerstützpunkt Hmeimim aus bombardieren 12 Su-24M2 Ziele in Syrien.

Der Erstflug des russischen Kampfhelikopters Mi-24 erfolgte 1969 und 1972 die Indienststellung.[3] Der Mi-24 wird aufgrund seiner „schussfesten“ Frontscheibe und seiner Bewaffnung – so die 12.7mm- bzw. 30mm-Bugkanone und die externen Aufhänger für 1‘000kg Waffen (Luft-Luft-Lenkwaffen, Luft-Boden-Lenkwaffen, Freifallbomben) – sowie aufgrund der Transportkapazität von 8-10 Soldaten als „fliegender Schützenpanzer“ bezeichnet. Bekannt wurde der Mi-24 durch den Krieg in Afghanistan von 1979-89. Dabei wurden einige Mi-24 durch die Mujaheddin mit Raketenrohren RPG-7 abgeschossen. In Syrien dienen die stationierten Mi-24 der Sicherung und damit des Schutzes des Stützpunktes Hmeimim.

Das Erdkampfflugzeug A-10 Thunderbolt II (Warthog) ist das amerikanische Pendant zum russischen Su-25.[4] Der Anstoss zur Entwicklung dieses Erdkampfflugzeuges erfolgte 1969 aufgrund der Erfahrungen im Vietnamkrieg und der Biographie des deutschen Oberst Hans-Ulrich Rudel über seine Erlebnisse mit seinen Stuka-Kampfflugzeugen Junkers Ju 87G-1 (zwei 37mm-Kanonen) an der Ostfront.[5] Der Erstflug der A-10A fand 1972 statt und die Indienststellung 1975. 1984 wurde die Produktion nach 716 Flugzeugen eingestellt.

Das Cockpit und die wichtigsten Teile des Kampfflugzeuges sind mit Titanium gegen Treffer von 23mm-Kanonen geschützt. Auch nach Treffern von 57mm-Geschossen soll das Flugzeug weiterfliegen können. Die maximale Geschwindigkeit ist 720 km/h. Wichtigste Bewaffnung ist die siebenläufige 30mm GAU-8/A Avenger Gatlingkanone, um die herum der Rumpf der A-10 gebaut ist.[6] Die Feuergeschwindigkeit ist heute auf 3‘900 Schuss/Min eingerichtet. An den Aufhängern können Luft-Luft-Lenkwaffen und Luft-Boden-Lenkwaffen mitgeführt werden. 2005-2011 wurde die Flotte mit einem neuen Cockpit ausgerüstet und für den Einsatz von GPS-gelenkten Bomben zum A-10C kampfwertgesteigert. Anschliessend wurden 43 A-10 mit neuen Flügeln versehen.

Seit der Operation Desert Storm von 1991 wurden A-10A in allen durch die USA geführten Luftkriegen mit Erfolg eingesetzt, so in Bosnien-Herzegowina 1994-95, in der Operation Deliberate Force 1995, der Operation Allied Force 1999 gegen Serbien, in Afghanistan ab 2002 (Operation Anaconda) gegen die Taliban, in der Operation Iraqi Freedom 2003, in der Operation Odyssey Dawn gegen Gaddafi 2011 und seit kurzem in der Operation Inherent Resolve gegen den Islamischen Staat.[7]

Trotz der ausgewiesenen Leistung wollen die Verantwortlichen der US Air Force die A-10-Flotte seit 2012 sobald als möglich ausser Dienst stellen. Offiziell sollen die Erdkampfflugzeuge A-10 in ihrer Einsatzfunktion durch die neuen Kampfflugzeuge F-35 ersetzt werden. Gegen dieses Ansinnen leisten die Armed Services Committees des Senats und des Abgeordnetenhauses Widerstand. Es ist zu offensichtlich, dass bei den Jägerpiloten der US Air Force der wahre Grund der Ausmusterung die Unbeliebtheit des langsam fliegenden Erdkampfflugzeugs A-10 ist.

Seit einiger Zeit greifen die A-10C vom türkischen Fliegerstützpunkt Incirlik aus Stellungen und Ortschaften des Islamischen Staates in Syrien, wie das Dorf al-Hawl, an.[8] Die Zahl der A-10-Einsätze nimmt prozentual an der Gesamtzahl der Einsätze der amerikanischen Kampfflugzeuge zu.

Auch der Anstoss zur Umrüstung der Transportflugzeuge C-130 als Gunship geht auf den Einsatz von mit Geschützen ausgerüsteten Transportflugzeugen C-47 im Vietnamkrieg zurück. Der Erstflug der neuen Gunship erfolgte 1967 und im gleichen Jahr wurde die AC-130A, ausgerüstet mit vier M61-Vulcan-Gatlingkanonen und vier Minigun-Gatlingmaschinengewehren, in Dienst gestellt.[9] Bereits 1968 wurde eine Gunship mit einer neuen Bewaffnung ausgerüstet: zwei Miniguns, zwei Vulcan- und zwei 40mm-Boforkanonen. Bei den nachfolgenden AC-130E Spectre, die 1971 in Dienst gestellt wurden, wurde eine Boforskanone durch eine 105mm-Haubitze ersetzt. Diese Version, die immer noch im Einsatz ist, kam in der Operation Just Cause in Panama 1989 und in der Operation Desert Storm 1991 zum Einsatz.[10] Die verbesserte Version AC-130U Spooky II, ausgerüstet mit einer 25mm-Gatlingkanone, einer 40mm-Boforkanone und einer 105mm-Haubitze, wird seit 2001 in Afghanistan für die Gefechtsfeldunterstützung von Eliteeinheiten eingesetzt. Jetzt dienen AC-130E Spectre der Unterstützung von Erdkampfflugzeugen A-10C in der Operation Inherent Resolve.[11]

F-15E Strike Eagle ist eine Weiterentwicklung des Abfangjägers F-15 Eagle zum Jagdbomber.[12] Der Erstflug erfolgte 1986 und die Indienststellung 1988. Der Jagdbomber führt neben der 20mm-Kanone Luft-Luft-Lenkwaffen, laser- und GPS-gelenkte Bomben. F-15E wurden in der Operation Desert Storm von 1991, auf dem Balkan, so in der Operation Allied Force 1999, in der Operation Enduring Freedom 2001 und ab 2002 in verschiedenen Einsätzen gegen die Taliban, in der Operation Iraqi Freedom 2003 gegen Saddam Hussein, in der Operation Odyssey Dawn 2011 gegen Gaddafi und seit September 2014 in der Operation Inherent Resolve.

Die Einsätze dieser Kampfflugzeuge sind ein Hinweis darauf, dass auch in der Gegenwart Luftkriege nach wie vor durch Kampfflugzeuge bestimmt werden, deren Technologie noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammt. Auch in sogenannten Hybriden Kriegen, wie er in der Ost-Ukraine geführt wurde, dürfte sich der Luftkriegseinsatz sogenannter High-Tech-Waffen wie Drohnen bis anhin nur bedingt bewährt haben.

[1] Berger, R. (Hrsg.), Weber, O. Chr. (Redaktor), Flugzeuge, Hersteller, Typen, Technik, Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft, Köln, S. 209.

so auch Suchoi Su-25http://www.sukhoi.org/eng/planes/military/su25k/lth/ 05.11.2015.

[2] Suchoi Su-24http://www.sukhoi.org/eng/planes/military/su24k/lth/ 05.11.2015.

[3] Mil Mi-24http://www.russianhelicopters.aero/en/helicopters/military/mi-24m.html

[4] Bowman, M.W., The Encyclopedia of US Military Aircraft, Arms and Armour Press, A Bison Book, London, 1980, P. 176.

[5] Gunston, B., Technik und Einsatz der Kampfflugzeuge vom 1. Weltkrieg bis heute, Buch-Vertriebs-Gesellschaft, Zürich, 1977, S. 123.

[6] Morse, St. (General Editor), Gulf Air War Debrief, Described by the pilots that fought, World Air Power, Aerospace Publishing, London, and Airtime Publishing,  Westport, USA, 1991, P. 176/177.

[7] Sisk, R., A-10 Gunship Attacks Critical to Taking Town from ISIS: Pentagon, Richard.Sisk@Military.com, November 04, 2015.

[8] Sisk, R.

so auch Harress, Chr., Amid Anti-ISIS Airstrikes In Syria, Thunderbolt Raids Islamic State Militant Group, c.harress@ibtimes.com, November 05, 2015.

[9] Drendel, L. (and D. Greer), Walk Around C-130 Hercules, Walk Around Number 31, squadron/signal publications, P. 54-71.

[10] Morse, St. (General Editor), P. 191.

so auch Drendel, L. (and D. Greer).

[11] Sisk, R.

[12] Geer, W.F., Hi-Tech Planes, The Latest in the Revolution in Air Warfare from Stealth to Anti-Missile Missiles, Chartwell Books Inc., Secaucus, New Jersey, 1992, P. 27-31.