Karte Sykes-Picot-1916 - Reproduced from http://www.passia.org with permission (Mahmoud Abu Rumieleh, Webmaster)
Karte Sykes-Picot-1916 – Reproduced from http://www.passia.org with permission (Mahmoud Abu Rumieleh, Webmaster)

Putin dürfte sich der Grenzen seiner Intervention in Syrien durchaus bewusst sein. Das Ziel seiner Bombardierungen könnte die Schaffung eines syrischen Restterritoriums für Assad sein, das von Damaskus bis Aleppo reichen würde. Damit könnte er für Russland auch die bisherige Machtstellung in der Levante erhalten. Zugleich erreicht er mit seinen Bombardierungen, dass die vom Assad-Regime nicht mehr kontrollierbaren Sunniten aus Syrien vertrieben werden.

Obama dürfte mit seinen begrenzten Bombardierungen im Irak und Syrien die Schwächung, nicht aber die Vernichtung des Islamischen Staates beabsichtigen. So könnte er mit seinem Luftkrieg, entsprechend dem Vorbild der Operation Allied Force von 1999 gegen Serbien, ohne grosse Verluste für die USA in den kommenden Jahren eine beschränkte Machtstellung im Irak und damit auch im Persischen Golf weiterhin erhalten.

Sowohl Putin wie auch Obama dürften mit ihren zynischen Strategien gleichsam die staatliche Auflösung des Iraks und Syriens in Kauf nehmen. Die durch das Sykes-Picot-Abkommen von Frankreich und Grossbritannien erreichte Grenzziehung des Mittleren Ostens nach dem Ende des Ersten Weltkrieges würde als Ergebnis dieses gemeinsam verfolgten Zynismus endgültig der Geschichte angehören und damit wäre auch der Einfluss Europas in dieser Region definitiv beendet.

Mit der Vertreibung der Sunniten und anderen Minderheiten aus Syrien und dem Irak wird Russland wie auch die USA einen weiteren erwünschten Nebeneffekt erreichen: Der Flüchtlingsstrom und die Aufnahme von über einer Million Menschen wird nicht nur Deutschland politisch und wirtschaftlich schwächen, sondern auch die gesamte EU zusammenbrechen lassen, was sowohl im Interesse von Russland wie auch der USA sein dürfte. Bei der Verfolgung dieses gemeinsamen Ziels haben Obama und Putin zwei aktive Mittäter. Der Erste ist der türkische Präsident Erdogan, der durch die Vertreibung der sunnitischen Syrer aus der Türkei unerwünschte Gäste los wird und gleichzeitig den Europäern die bisher erlittenen Demütigungen heimzahlen kann. Der, vielmehr die Zweite, ist die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die offenbar überzeugt ist, dass durch die Aufnahme der Flüchtlingsmassen Deutschland endlich von seiner Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus befreit werden könnte. Dabei übersieht sie, dass die politischen Kräfte in Russland wie in den USA auch in diesem Jahrhundert dafür besorgt sein werden, dass dieses Ziel nie erreicht und Deutschland als Ergebnis ihrer Wahnvorstellungen wieder auf ein für alle Nachbarstaaten erwünschtes politisches und wirtschaftliches Mittelmass zurückgestuft werden wird.