IMG_0575Specnaz (Speznaz) ist die russische Abkürzung für Besondere Einsatzkräfte (specialnogo naznacheniya). Bedeutung und Wirkung dieser Eliteeinheiten wurden im Westen vor allem aufgrund ihrer Einsätze im Afghanistankrieg der UdSSR von 1979-89 sowie durch verschiedene Publikationen des abgesprungenen GRU-Agenten Viktor Suworow[1] bekannt. In der UdSSR wurde die Bildung von Eliteeinheiten für die Sabotage hinter den feindlichen Linien sowie für die Liquidationen gegnerischer Kommandanten zum ersten Mal in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts angedacht. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bildete der Generalstab der Roten Armee Einheiten für die Aufklärung und Sabotage, die im Einsatz den Frontkommandanten unterstellt wurden. Auch die Vorgängerorganisation des KGB, der NKWD, verfügte über solche Einheiten während des Krieges. Aber erst in den fünfziger Jahren wurden eigentliche SPEZNAZ-Kompanien gebildet, die dem Nachrichten- und Spionagedienst des Generalstabes GRU unterstellt wurden. In den 70er und 80er Jahren erhielten auch der KGB und der MWD (Innenministerium) SPEZNAZ-Einheiten für besondere Einsätze, wie Liquidationen, Sabotage und Aufklärung. Seit 2013 sind alle SPEZNAZ-Einheiten der Streitkräfte entsprechend dem amerikanischen Vorbild dem neugebildeten Kommando für besondere Operationen (SOCOM) unterstellt.[2] Jeder der vier Militärbezirke verfügt über SPEZNAZ-Brigaden.[3]

SPEZNAZ-Einheiten sind von Moskau in verschiedenen Kriegen eingesetzt worden. Der bekannteste Einsatz war die Liquidation des damaligen Präsidenten Afghanistans, Hafizullah Amin, und seiner Leibwache von 100-150 Mann Ende Dezember 1979 durch SPEZNAZ-Einheiten des KGB (Alpha) und des GRU (Zenith).[4] Während des gesamten Krieges setzte Moskau SPEZNAZ-Kommandos für die Liquidation von Mujaheddin-Kommandanten in Afghanistan ein. So wurde am 28.01.1985 in Siah Koh, Nangarhar-Provinz, der Kommandant Qari Abdus Samad getötet und zur gleichen Zeit im Kunar-Tal ein ganzes Dorf durch SPEZNAZ- oder Luftlandeeinheiten massakriert.[5] Die Entvölkerung der östlichen Provinzen Afghanistans und damit die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Afghanistan nach Pakistan kann auf den Einsatz der sowjetischen SPEZNAZ und Luftlandetruppen zurückgeführt werden.

Im Zweiten Tschetschenienkrieg (ab 1999) wurden die Kommandanten der Tschetschenen durch SPEZNAZ des FSB (Nachfolgeorganisation des KGB), des MWD und des GRU liquidiert. Eine grosse Aktion von SPEZNAZ war die Befreiung von Geiseln in Beslan, Nord-Ossetien (2004), die zum Tod von 334 Menschen führte.

Für die Besetzung der Krim 2014 setzte Wladimir Putin SPEZNAZ des GRU (45. SPEZNAZ-Regiment)[6] ein. Der Einsatz dürfte auch in seinem hybriden Krieg in der Ost-Ukraine erfolgt sein. Der Einsatz von SPEZNAZ für die Liquidierung tschetschenischer und islamischer Kommandanten im nördlichen Kaukasus dauert nach wie vor an.

Moskau soll jetzt für die Unterstützung der syrischen Armee und für die Liquidation von Kommandanten der Opposition gegen Assad SPEZNAZ-Einheiten, die bis anhin in der Ost-Ukraine im Einsatz waren, nach Syrien abkommandiert haben.[7] Sehr bald dürfte die Wirkung ihrer Liquidierungsaktionen bekannt werden.

[1] Suworow, V., GRU, Die Speerspitze, Scherz Verlag, Bern, München, Wien, 1985, S. 199-223.

[2] Carlsson, M., Norberg, J., and F. Westerlund, The Military Capabilities of Russia’s Armed Forces in 2013, in: Hedenskog, J., and C.V. Pallin (eds), Russian Military Capability in a Ten-Year Perspective – 2013, FOI, Stockholm, December 2013, p. 30.

[3] Carlsson, M., et al, p. 26.

[4] Boltunow, M., Terror Profis, Geschichte der geheimsten KGB Einheit, Verlag Das Neue Berlin, Berlin, 1994, S. 57-107.

[5] Stahel, A.A., und P. Bucherer, Afghanistan 1984/85, Besetzung und Widerstand, ASMZ—Beilage, Dezember 1985, S. 6.

[6] Carlsson, M., et al, p. 30.

[7] Grove, Th., Russia Shifts Ukraine Units to Syria, in: The Wall Street Journal, October 26, 2015, p. A3.

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